Greenpeace hat dem Möbelkonzern Ikea vorgeworfen, über seine Lieferketten zur Zerstörung schützenswerter Wälder in Europa beizutragen. Am Dienstag protestierten nach Angaben der Organisation rund 20 Aktivistinnen und Aktivisten vor der Ikea-Filiale in Hamburg-Altona. Zwei überdimensionale Strichmännchen im Montage-Look „sägten“ auf dem Vorplatz an Bäumen, Kletternde enthüllten an der Fassade ein Banner mit der Aufschrift „Ikea vermöbelt Schutzgebiete“. Anlass ist eine Recherche in den rumänischen Karpaten.
Greenpeace will den Weg des Holzes aus einem Natura-2000-Schutzgebiet mithilfe von Satellitenbildern, Abholzgenehmigungen, Lieferkettenanalysen, Holzlagern und Handelsregistern bis in die Lieferkette Ikeas zurückverfolgt haben. Unter den Produkten, die mit der Zerstörung in Verbindung stünden, seien Tritthocker, Kochlöffel und Betten. Der Schauspieler Moritz Jahn hatte im Sommer ein Greenpeace-Team in die Karpaten begleitet; dort sei ein etwa 170 Jahre alter Laub- und Mischwald kahlgeschlagen worden, obwohl er in einem Schutzgebiet lag und ab 2030 hätte geschützt werden sollen.
Ikea ist nach Greenpeace-Angaben der weltgrößte Möbelhändler und einer der größten Holzverbraucher; rund 80 Prozent des Frischholzes kämen aus Europa, Deutschland sei der größte Absatzmarkt. „Ikea kann sich nicht länger hinter seiner Bullerbü-Fassade verstecken. Der Konzern muss seine Lieferketten radikal aufräumen. Das heißt konkret: kein Holz mehr aus schützenswerten Wäldern“, sagte Waldexpertin Sandra Hieke. Greenpeace verweist darauf, dass Ikea fast 98 Prozent seines Holzes aus FSC-zertifizierten Quellen beziehe, das Siegel aber ökologisch wertvolle Wälder nicht zwangsläufig vor industriellem Einschlag schütze; Greenpeace Deutschland hatte das Siegel 2018 verlassen. In Ikeas Nachhaltigkeitsrichtlinie stehe beim Schutz von Ökosystemen und Artenvielfalt „Kein Ziel“.
Greenpeace fordert, dass Ikea ab sofort auf Holz aus Europas ökologisch wertvollsten Wäldern verzichtet, bis diese gesetzlich geschützt sind. Dafür hat die Organisation nach eigenen Angaben sogenannte Moratoriumsflächen identifiziert, in denen jeglicher Einschlag vorübergehend ausgesetzt werden müsse. Zudem müsse Ikea konkrete, messbare und verbindliche Vorgaben zum Arten- und Ökosystemschutz in seine Unternehmensrichtlinien aufnehmen. Ikea habe auf die Recherche mit Verweisen auf Legalität und Zertifizierungen reagiert und die Vor-Ort-Aufnahmen damit abgetan. Nach Schätzungen wird weltweit alle zwei Sekunden ein Baum für die Produktion von Ikea-Möbeln gefällt; nur noch rund zehn Prozent der rumänischen Wälder sind älter als 120 Jahre, und Rumänien hat in den vergangenen 20 Jahren Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte seiner Urwälder verloren.

