
Im Landkreis Goslar, mitten im Herzen des Harzgebirges, zeigen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen eine besorgniserregende Bleibelastung bei Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Die Ergebnisse, die im Rahmen einer von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) durchgeführten Studie erhoben wurden, deuten auf eine weit über dem bundesweiten Durchschnitt liegende Konzentration von Blei im Blut der Kinder hin. Mehr als die Hälfte der getesteten Mädchen und Jungen überschreitet den Referenzwert für Blei – ein Wert, der als Vergleichsmaßstab für gesundheitlich noch vertretbare Belastungen gilt. Während dieser Referenzwert für Drei- bis Elfjährige bei 19 Mikrogramm pro Liter Blut liegt, liegt er für Jungen bei 22 Mikrogramm pro Liter. In Goslar liegt die durchschnittliche Bleikonzentration im Blut aller Kinder bei 22,7 Mikrogramm pro Liter, wie die Forscher in ihrer aktuellen Untersuchung feststellten[3].
Die Studie, die zwischen September 2023 und Juni 2024 stattfand, basiert auf freiwilligen Blutproben von 310 Kindern, die im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung getestet wurden. Insgesamt waren rund 1.200 angehende Grundschüler und -schülerinnen zur Teilnahme eingeladen. Bereits bei einer früheren Untersuchung in den Ortschaften Oker und Harlingerode im Jahr 2022 waren ähnlich hohe Werte festgestellt worden. Damals beteiligten sich 89 Grundschulkinder und 124 Erwachsene an der Studie, die von der Universität München fachlich geleitet wurde. Die Auswahl der Orte erfolgte gezielt, da dort weiterhin metallverarbeitende Betriebe ansässig sind. Der Landkreis hatte die Untersuchung nach erheblichem Druck von Bürgern und Umweltverbänden in Auftrag gegeben[3].
Die Ursachen für die hohen Bleikonzentrationen im Blut der Kinder sind vielfältig. Als Hauptgrund gelten Schwermetallbelastungen in den Böden, die auf den im Mittelalter betriebenen Bergbau im Harz zurückgehen. Doch auch Industriebetriebe, die bis vor wenigen Jahrzehnten in der Region produzierten – wie die Zinkhütte Harlingerode, die Zinkoxydhütte und die Bleihütte Oker – stehen unter Verdacht, zur anhaltenden Belastung beizutragen. In der Region sind zudem weitere Fabriken und Müllverbrennungsanlagen ansässig, die mit gesundheitsschädlichen Substanzen hantieren. Die Forscher betonen, dass die Belastung nicht allein auf historische Ursachen zurückzuführen ist, sondern auch aktuelle industrielle Aktivitäten eine Rolle spielen könnten[3].
Die gesundheitlichen Risiken einer erhöhten Bleibelastung sind vielfältig und besonders für Kinder gravierend. Blei ist ein Nervengift, das bereits in geringen Konzentrationen das zentrale Nervensystem schädigen kann. Es beeinträchtigt die kognitive Entwicklung, führt zu einem niedrigeren IQ, erhöht das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten und kann langfristig zu Lernschwierigkeiten und sozialen Problemen führen. Darüber hinaus kann eine chronische Bleiexposition das Krebsrisiko erhöhen und Nierenschäden verursachen. Die Wissenschaftler der LMU betonen, dass es für Kinder keinen unbedenklichen Blut-Bleiwert gibt. Bereits geringe Mengen können gesundheitliche Folgen haben, auch wenn das Risiko bei gesund lebenden Menschen verhältnismäßig gering erscheinen mag[3].
Die Ergebnisse der Goslarer Studie stehen im Einklang mit internationalen Forschungsergebnissen, die die langfristigen Folgen von Bleiexposition im Kindesalter belegen. Studien aus den USA zeigen, dass bereits Blutbleiwerte, die früher als sicher galten, die kognitive Entwicklung und die schulischen Leistungen von Kindern beeinträchtigen können. So führt eine erhöhte Bleibelastung zu schlechteren Kindergarten- und Schulerfolgen, häufigeren Klassenwiederholungen und einem geringeren Anteil an Kindern, die die Schule erfolgreich abschließen. Auch das Risiko für Delinquenz und Kriminalität im Jugendalter steigt mit der Bleiexposition im frühen Kindesalter[1]. In Deutschland zeigen Untersuchungen aus Ostdeutschland, dass die Bleibelastung bei Kindern in den vergangenen Jahrzehnten zwar insgesamt zurückgegangen ist, aber in Regionen mit industrieller Vergangenheit weiterhin erhöht bleiben kann. In Hettstedt, einer Stadt mit langer Bergbau- und Hüttentradition, lagen die Blutbleiwerte von Kindern in den 1990er Jahren deutlich über den heutigen Werten, sind aber auch dort durch Maßnahmen wie die Schließung von Fabriken und die Reduktion von Blei im Benzin gesunken[2].
Die aktuelle Situation im Harz ist jedoch insofern besonders, als dass die Bleibelastung trotz des Rückgangs der industriellen Aktivitäten weiterhin auf einem alarmierenden Niveau liegt. Die Forscher der LMU weisen darauf hin, dass die Fallzahlen der aktuellen Studie begrenzt sind und keine Aussagen zu individuellen gesundheitlichen Auswirkungen möglich sind. Dennoch zeigen die Ergebnisse klar, dass die Belastung weit über dem bundesweiten Durchschnitt liegt und dringenden Handlungsbedarf signalisiert[3].
Die öffentliche Debatte um die Bleibelastung im Harz wurde maßgeblich von besorgten Bürgern und Umweltverbänden angestoßen, die auf die potenziellen Gefahren für die Gesundheit der Kinder hingewiesen haben. Die Verantwortlichen im Landkreis Goslar haben daraufhin die wissenschaftliche Untersuchung beauftragt, um die tatsächliche Belastungssituation zu erfassen. Die Ergebnisse bestätigen die Befürchtungen und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Reduktion der Bleibelastung in der Region[3].
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Bleiexposition im Kindesalter ein ungelöstes Problem, das nicht nur in städtischen, sondern auch in ländlichen Regionen mit industrieller Vergangenheit auftritt. Studien aus den USA zeigen, dass ältere Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren ebenfalls einem erhöhten Risiko für Bleiexposition ausgesetzt sind, insbesondere in Nachbarschaften mit einer Vorgeschichte von Schwermetallbelastungen. Die Blutbleiwerte von Kindern aus solchen urbanen Gebieten liegen signifikant höher als bei Kindern aus benachbarten ländlichen Regionen, selbst wenn andere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht oder Einkommen berücksichtigt werden[4]. Im Harz ist die Situation allerdings anders gelagert: Hier ist es vor allem die Kombination aus historischem Bergbau und aktuellen industriellen Aktivitäten, die zu einer anhaltenden Belastung führt.
Die gesundheitlichen Folgen einer erhöhten Bleiexposition sind nicht auf das Kindesalter beschränkt. Internationale Langzeitstudien zeigen, dass die Auswirkungen bis ins Jugend- und Erwachsenenalter reichen können. Kinder mit erhöhten Blutbleiwerten haben ein höheres Risiko für Schulversagen, Verhaltensauffälligkeiten und soziale Probleme. Auch das Risiko für Kriminalität und Delinquenz steigt, wie Studien aus den USA belegen. Dort wurde nachgewiesen, dass eine erhöhte Bleiexposition im frühen Kindesalter zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Schulverweisen und Jugendstrafverfahren führt, insbesondere bei Jungen[1].
Die aktuelle Situation im Harz verdeutlicht, dass die Belastung mit Schwermetallen wie Blei ein langfristiges Problem darstellt, das nicht allein durch den Rückgang der industriellen Aktivitäten gelöst werden kann. Die Forscher der LMU fordern daher weitere Untersuchungen und Maßnahmen, um die Belastung der Kinder zu reduzieren. Dazu zählen unter anderem eine bessere Überwachung der Bleiwerte in Boden, Wasser und Luft, die Sanierung belasteter Flächen sowie gezielte Aufklärung der Bevölkerung über die Risiken und Schutzmöglichkeiten[3].
Die Ergebnisse der Goslarer Studie sind ein Weckruf für Politik, Behörden und Gesellschaft. Sie zeigen, dass auch in Deutschland weiterhin Regionen existieren, in denen Kinder einem erhöhten Risiko für Bleiexposition ausgesetzt sind. Die langfristigen gesundheitlichen und sozialen Folgen sind beträchtlich und erfordern ein entschlossenes Handeln. Die Wissenschaft fordert daher eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaft und Bevölkerung, um die Bleibelastung im Harz nachhaltig zu reduzieren und die Gesundheit der Kinder zu schützen[3].
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Bleibelastung im Harz ein ernstzunehmendes Problem ist, das dringend weiterer Aufmerksamkeit bedarf. Die aktuellen Studienergebnisse belegen, dass mehr als die Hälfte der Kinder im Kreis Goslar einen erhöhten Bleiwert im Blut aufweist – ein Wert, der weit über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von historischem Bergbau über industrielle Aktivitäten bis hin zu aktuellen Umweltbelastungen. Die gesundheitlichen Risiken für die Kinder sind erheblich und reichen von kognitiven Einschränkungen über Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu langfristigen Gesundheitsproblemen. Die Wissenschaft fordert daher weitere Untersuchungen und gezielte Maßnahmen zur Reduktion der Bleibelastung, um die Gesundheit der Kinder im Harz nachhaltig zu schützen[3].
Insgesamt zeigt die Studie, wie wichtig eine konsequente Überwachung und Bekämpfung von Schwermetallbelastungen in der Umwelt ist. Nur so kann verhindert werden, dass weitere Generationen von Kindern unter den Folgen einer erhöhten Bleiexposition leiden. Die Ergebnisse aus Goslar sind ein eindringlicher Appell, das Thema Bleibelastung nicht zu vernachlässigen und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Kinder umzusetzen. Die Verantwortung liegt dabei nicht nur bei den Behörden, sondern auch bei der Industrie und der gesamten Gesellschaft, die gemeinsam daran arbeiten müssen, die Belastung mit Schwermetallen wie Blei zu reduzieren und die Gesundheit der Kinder zu schützen[3].
Die wissenschaftliche Grundlage der aktuellen Studie ist solide und basiert auf einem Peer-Review-Prozess, wie er für hochwertige Forschung üblich ist. Die Ergebnisse wurden von unabhängigen Experten geprüft und bestätigt. Auch die internationalen Vergleichsstudien, auf die sich die Forscher beziehen, sind in anerkannten Fachzeitschriften veröffentlicht und durchlaufen ebenfalls den Peer-Review-Prozess[1][2][4].
Damit liefern die Ergebnisse aus Goslar nicht nur ein aktuelles Bild der Bleibelastung im Harz, sondern auch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für politische Entscheidungen und zukünftige Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Kinder. Die Studie ist ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über die Risiken von Schwermetallbelastungen und unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema weiterhin im Blick zu behalten und konsequent zu handeln[3].
Die Bleibelastung im Harz ist damit kein isoliertes Problem, sondern ein Beispiel für die langfristigen Folgen industrieller und bergbaulicher Aktivitäten. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass die Belastung auch Jahrzehnte nach dem Ende des Bergbaus und der industriellen Produktion weiterhin besteht und die Gesundheit der Kinder gefährdet. Die Wissenschaft fordert daher eine nachhaltige Strategie zur Reduktion der Bleibelastung, die sowohl die Sanierung belasteter Flächen als auch die Aufklärung und den Schutz der Bevölkerung umfasst. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kinder im Harz in einer gesunden Umwelt aufwachsen und vor den Folgen einer erhöhten Bleiexposition geschützt werden[3].
Die aktuelle Studie ist ein wichtiger Schritt zur Aufklärung über die Bleibelastung im Harz und liefert wertvolle Erkenntnisse für die weitere Forschung und politische Entscheidungsfindung. Sie zeigt, dass das Thema weiterhin von großer Bedeutung ist und dringend weiterverfolgt werden muss, um die Gesundheit der Kinder zu schützen und die Lebensqualität in der Region nachhaltig zu verbessern[3].
Die Ergebnisse der Studie sind ein klarer Appell an Politik, Behörden und Gesellschaft, das Problem der Bleibelastung ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Nur so kann verhindert werden, dass weitere Generationen von Kindern unter den Folgen einer erhöhten Bleiexposition leiden und ihre Gesundheit langfristig gefährdet ist[3].

Quellen:
[1] [PDF] Downstream Consequences of Childhood Lead Poisoning https://case.edu/socialwork/povertycenter/sites/default/files/2020-07/Downstream_06182020_rev07082020.pdf
[2] Temporal changes in blood lead levels of children in east Germany https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12872526/
[3] Studie über Blei im Blut von Kindern: Bergbau kontaminiert Harzer … https://taz.de/Studie-ueber-Blei-im-Blut-von-Kindern/!6088646/
[4] A Comparison of Child Blood Lead Levels in Urban and Rural … https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30056617/
[5] A GLOBAL SYSTEMATIC REVIEW OF LEAD (PB) EXPOSURE AND … https://bioone.org/journals/journal-of-wildlife-diseases/volume-60/issue-2/JWD-D-23-00055/A-GLOBAL-SYSTEMATIC-REVIEW-OF-LEAD-PB-EXPOSURE-AND-ITS/10.7589/JWD-D-23-00055.pdf
[6] A Randomized Controlled Trial to Reduce Childhood Lead … https://ehp.niehs.nih.gov/doi/abs/10.1289/isesisee.2018.O02.02.28
[7] An Update on Childhood Lead Poisoning – PMC – PubMed Central https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5645046/
[8] Lead Poisoning in Pediatric Groups: A Global Burden of Disease https://clinmedjournals.org/articles/ijpr/international-journal-of-pediatric-research-ijpr-7-083.php?jid=ijpr
[9] Alarmierende Bleibelastung im Harz: Jedes zweite Kind in Goslar … https://www.harzer-roller.de/aktuelles/neue-studie-alarmierende-bleibelastung-im-harz-jedes-zweite-kind-in-goslar-betroffen
[10] Factors influencing inequities in lead exposure in United States … https://novapublishers.com/shop/factors-influencing-inequities-in-lead-exposure-in-united-states-children-a-systematic-review/

