
Trotz der niederschlagsreichen Jahre 2023 und 2024 hat sich der Zustand der deutschen Wälder nicht erholt. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht 2025, den Bundesminister Alois Rainer am 11. Juni vorgestellt hat. Die Erhebung, koordiniert vom Thünen-Institut für Waldökosysteme, macht deutlich: Die schweren Dürrejahre 2018 bis 2020 sowie 2022 haben langfristige Schäden hinterlassen, die auch durch günstige Witterung bislang nicht ausgeglichen werden konnten127.
Vier von fünf Bäumen geschädigt
Der Bericht zeigt, dass weiterhin rund 80 Prozent der Waldbäume in Deutschland Schäden aufweisen. Nur jeder fünfte Baum trägt noch volles Grün. Besonders betroffen sind ältere Bäume ab 60 Jahren, bei denen der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung bei 43 Prozent liegt, während er bei jüngeren Bäumen unter 60 Jahren nur 16 Prozent beträgt23.
Kronenverlichtung bleibt auf hohem Niveau
Als wichtiger Indikator für den Waldzustand gilt die Kronenverlichtung – der Verlust von Blatt- oder Nadelmasse in den Baumkronen. 2024 zeigten 36 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung (über 25 Prozent), ein Wert, der sich seit 2019 kaum verändert hat. Die Warnstufe (11 bis 25 Prozent Verlichtung) wurde bei 43 Prozent der Bäume festgestellt. Nur 21 Prozent der Bäume gelten als schadlos235.
Baumarten im Vergleich
- Fichte: Der Anteil der Fichten mit deutlicher Kronenverlichtung ist leicht gesunken (von 43 auf 39 Prozent). Diese Entwicklung ist jedoch vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Fichtenbestände bereits abgestorben sind und durch neue Bäume ersetzt wurden25.
- Eiche: Besonders schlecht steht es um die Eichen. Der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung stieg von 44 auf 51 Prozent. Ursachen sind unter anderem Insektenbefall (z.B. Eichenprachtkäfer), Pilzerkrankungen und Spätfrost. Eichen sind zudem im Durchschnitt die ältesten Bäume in deutschen Wäldern und daher besonders anfällig25.
- Kiefer und Buche: Bei Kiefer und Buche blieb der Anteil der mittleren Kronenverlichtung nahezu unverändert. Kiefern zeigen mit 22,5 Prozent den besten Wert unter den Hauptbaumarten, haben sich aber seit 2019 deutlich verschlechtert. Bei der Buche liegt der Wert bei 28,5 Prozent13.
- Andere Baumarten: Bei den sogenannten „anderen Laubbäumen“ (z.B. Esche, Birke, Erle) und „anderen Nadelbäumen“ (z.B. Lärche, Douglasie, Weißtanne) wurden leichte Verbesserungen beziehungsweise Verschlechterungen festgestellt13.
Absterberaten und Totholz
Die Rate der abgestorbenen Bäume ist insgesamt leicht gesunken, liegt aber bei Fichte (1,64 Prozent) und anderen Nadelbäumen (1,67 Prozent) weiterhin hoch. Auch bei der Eiche ist die Absterberate gestiegen (0,58 Prozent). Die Ausfallrate – also der Anteil geernteter oder außerplanmäßig genutzter Bäume – sank 2024 von 4,7 auf 3,6 Prozent. Bei Fichte ging sie besonders deutlich zurück, was auf den bereits erfolgten Verlust großer Bestände zurückzuführen ist. Der Anteil an Totholz bleibt mit 2,7 Prozent unverändert hoch135.
Starke Fruchtbildung als Stressreaktion
Auffällig ist die starke Fruchtbildung bei allen Baumarten, insbesondere bei der Buche, die das dritte Jahr in Folge viele Früchte ausbildete. Dies gilt als Stressreaktion auf hohe Temperaturen und Stickstoffeinträge infolge des Klimawandels1.
Mehr Vielfalt, aber große Herausforderungen
Positiv ist die zunehmende Vielfalt der Wälder. Die Umwandlung in klimastabile Mischwälder ist jedoch eine große Herausforderung. Ziel ist es, Wälder zu schaffen, die wichtige Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung und nachhaltige Holznutzung sichern können17.
Fazit
Trotz ergiebiger Niederschläge in den letzten beiden Jahren bleibt der Zustand der deutschen Wälder kritisch. Die Altlasten der Dürrejahre wirken nach, und der Anteil gesunder Bäume ist weiterhin niedrig. Die Politik setzt auf Wiederaufforstung, Waldumbau und Forschung, um die Wälder langfristig zu stabilisieren und an den Klimawandel anzupassen256.

Weitere Informationen:
https://www.thuenen.de/de/fachinstitute/waldoekosysteme/arbeitsbereiche-neu/bodenschutz-und-waldzustand/waldzustandserhebung Die Methode der Waldzustandserhebung
https://blumwald.thuenen.de/wze/aktuelle-ergebnisse-der-wze Grafiken und Ergebnistabellen der aktuellen Waldzustandserhebung
- https://nachrichten.idw-online.de/2025/06/11/fuer-die-erholung-der-baeume-reicht-der-regen-nicht-mehr-aus?groupcolor=4
- https://www.tagesschau.de/inland/waldzustandsbericht-2025-102.html
- https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html
- https://www.fva-bw.de/news-seiten/ergebnisse-der-waldzustandserhebung-2024
- https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/waldzustandsbericht-klima-wald-zerstoerung-100.html
- https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/waldzustand-weiterhin-schlecht-starke-schaden-an-laubbaumen-20015228.html
- https://www.thuenen.de/de/newsroom/presse/pressemitteilungen/detailansicht/fuer-die-erholung-der-baeume-reicht-der-regen-nicht-mehr-aus
- https://www.pefc.de/neuigkeiten/ausblick-auf-2025-was-bringt-das-neue-jahr-fur-den-wald
- https://mlr.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mlr/intern/dateien/publikationen/Wald/2024-waldzustandsbericht.pdf
- https://www.nw-fva.de/fileadmin/nwfva/publikationen/pdf/nordwestdeutsche_forstliche_versuchsanstalt_2024_waldzustandsbericht_2024_fur_niedersachsen.pdf

