Offshore-Wasserstoffproduktion: Bremerhaven testet Kraftstoff der Zukunft

Durch | Juli 13, 2025

In Bremerhaven wurde am 8. Juli 2025 eine innovative Offshore-Anlage vorgestellt, die grünen Wasserstoff direkt auf hoher See produzieren soll. Diese Technologie könnte einen entscheidenden Schritt in Richtung klimaneutrale Energiewirtschaft darstellen, indem sie Windenergie nutzt, um umweltfreundliche Kraftstoffe herzustellen. Die Schwimmplattform, die bald vor Helgoland in der Nordsee getestet wird, markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung von E-Fuels, die Autos antreiben oder Gebäude heizen könnten, ohne die Umwelt zusätzlich zu belasten.

Die Plattform, ein 60 mal 15 Meter großer Ponton, ist mit Containern ausgestattet, die die einzelnen Produktionsschritte ermöglichen. Sie nutzt Windenergie, um CO? aus der Luft und Wasserstoff aus entsalztem Meerwasser zu synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, zu verarbeiten. In der Testphase soll die Anlage zunächst etwa 130 Liter pro Tag produzieren. Bei einer späteren Skalierung auf ganze Windparks könnten jedoch bis zu 15.000 Liter täglich oder mehr erreicht werden. Fast 30 Forschungseinrichtungen, darunter das Karlsruher Institut für Technologie und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sind an dem Projekt beteiligt, das die Machbarkeit und Effizienz dieser Technologie unter realen Bedingungen prüfen soll.

Ein zentraler Vorteil der Offshore-Produktion liegt in der Kosteneffizienz. Windparks auf See erzeugen oft überschüssige Energie, die aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten nicht genutzt werden kann. Der Bau von Stromkabeln zur Übertragung dieser Energie ans Land ist mit Kosten von etwa vier Milliarden Euro pro Gigawatt Leistung extrem teuer. Die neue Anlage soll direkt an die Windparks angeschlossen werden, wodurch solche Kabel überflüssig werden. Der Transport des Wasserstoffs an Land könnte entweder per Schiff oder über Pipelines erfolgen, wobei letztere auch als Speicher dienen könnten, indem sie bei schwankender Windenergie Druckunterschiede ausgleichen.

Die Herausforderung beim Wasserstofftransport liegt in seiner hohen Flüchtigkeit, da er viele Materialien durchdringt. Eine Lösung ist die Verflüssigung bei minus 253 Grad Celsius, was jedoch energieintensiv und kostspielig ist. Alternativ können sogenannte Derivate wie Ammoniak genutzt werden, bei denen Wasserstoff an andere Stoffe gebunden wird, um den Transport zu erleichtern. Diese Stoffe könnten später wieder aufgespalten werden, wobei die Wirtschaftlichkeit dieser Methode noch geprüft werden muss.

Die Entwicklung dieser Technologie steht im Kontext der globalen Energiewende. Grüner Wasserstoff gilt als Schlüssel für die Dekarbonisierung von Sektoren wie Verkehr und Industrie, die schwer elektrifizierbar sind. Deutschland setzt stark auf Wasserstoff, um die Klimaziele zu erreichen, doch die Produktion an Land ist oft mit hohen Kosten und begrenzten Flächen verbunden. Offshore-Produktion könnte diese Probleme umgehen, indem sie die nahezu unbegrenzte Windenergie auf See nutzt. Zudem entfällt die Flächenkonkurrenz mit Landwirtschaft oder Naturschutzgebieten.

Das Projekt in Bremerhaven ist ein Pilot, der zeigen soll, ob die Technologie unter den rauen Bedingungen der Nordsee zuverlässig funktioniert. Die Tests vor Helgoland sollen nicht nur die Produktionskapazität, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Anlage gegen Wind und Wetter prüfen. Die Ergebnisse könnten den Weg für großflächige Offshore-Wasserstoffproduktion ebnen und Deutschland als Vorreiter in der Entwicklung klimaneutraler Kraftstoffe etablieren.

Dennoch bleiben Herausforderungen. Die Skalierung der Technologie erfordert erhebliche Investitionen, und die langfristige Wirtschaftlichkeit hängt von sinkenden Produktionskosten und einem stabilen Markt für E-Fuels ab. Zudem müssen Umweltauswirkungen, etwa durch die Entsalzung von Meerwasser oder den Einsatz von Derivaten, sorgfältig untersucht werden. Das Projekt in Bremerhaven ist ein vielversprechender Schritt, der zeigt, wie innovative Ansätze die Energiewende voranbringen können, doch der Weg zu einer flächendeckenden Wasserstoffwirtschaft ist noch lang.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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