
Die Katastrophe begann mit einem ungewöhnlich feuchten Wettersystem, das durch die Überreste des Tropensturms Barry verstärkt wurde, der zuvor über Mexiko hinweggezogen war. Dieses System brachte enorme Mengen an Feuchtigkeit in die Atmosphäre, die durch das Fehlen eines Jetstreams, der die Feuchtigkeit normalerweise wegführt, über Texas verharrte. „Normalerweise werden Wettersysteme von einem Jetstream mitgerissen, aber der fehlte über Texas“, erklärte Meteorologin Allison Winkley von Climate Central. Die Folge war ein nahezu stationäres System, das in wenigen Stunden über 30 Zentimeter Regen über der Region ablud.
Die Texas Hill Country, bekannt als „Flash Flood Alley“, ist aufgrund ihrer geologischen Beschaffenheit besonders anfällig für Sturzfluten. Trockene, verdichtete Böden und das steile Gelände der Balcones Escarpment lassen Regenwasser nicht versickern, sondern schnell in Flüsse und Bäche strömen. Besonders der Guadalupe River, der durch Kerr County fließt, schwoll in der Nacht zum 4. Juli dramatisch an – in nur 45 Minuten stieg der Wasserstand um fast acht Meter.
„Das war ein perfekter Sturm“, sagte Greg Waller, Hydrologe beim West Gulf River Forecast Center der NOAA in Fort Worth, gegenüber The Epoch Times. „Solche Ereignisse werden wir für die Ausbildung unserer Meteorologen nutzen, denn wir wissen, dass es wieder passieren wird.“ Waller betonte, dass die Regenrate – bis zu zwei Zoll (ca. 5 cm) pro Stunde – entscheidend für die Flut war.
Die Warnungen des National Weather Service (NWS) begannen bereits am Donnerstag, 3. Juli, mit einer Flutwarnung für Bandera County um 23:40 Uhr. Um 1:14 Uhr wurde eine Warnung für Kerr County ausgegeben, die Mobiltelefone alarmierte, doch die extrem schnelle Entwicklung der Flut in den frühen Morgenstunden traf viele Menschen im Schlaf. Um 3:19 Uhr meldete der NWS, dass der Wasserstand bei Hunt 11 Fuß (ca. 3,4 Meter) erreicht habe, wobei die Highway 39-Brücke unter sechs Fuß Wasser stand.
Die Region war zudem durch eine langanhaltende Dürre geschwächt, die den Boden so ausgetrocknet hatte, dass er das Wasser nicht aufnehmen konnte. Ironischerweise war der nahegelegene Canyon Lake vor der Flut fast auf einem Rekordtiefstand, doch nach dem Ereignis stieg der Wasserstand um fast 11 Fuß an, was einer Zunahme von 55.252 Acre-Feet Speicherplatz entspricht.
Besonders tragisch war die Situation am Camp Mystic, einem Sommerlager für Mädchen am Guadalupe River. Mindestens 27 Camperinnen und Betreuerinnen verloren ihr Leben, darunter die achtjährige Linnie McCown aus Austin, die achtjährige Eloise Peck und die neunjährige Lila Bonner aus Dallas sowie die 18-jährige Betreuerin Chloe Childress aus Houston. Der Leiter des Camps, Dick Eastland, starb, als er versuchte, Mädchen zu retten.
Die Rettungsarbeiten wurden durch weitere Regenfälle am Sonntag, 13. Juli, erschwert, die neue Flutwarnungen auslösten und die Suche nach Vermissten unterbrachen. Insgesamt wurden über 850 Menschen gerettet, darunter 223 durch die US-Küstenwache. Dennoch gelten noch etwa 170 Personen als vermisst.
Die Katastrophe wirft Fragen über die Wirksamkeit des Frühwarnsystems auf. Kritiker, darunter Senator Chuck Schumer, fordern eine Untersuchung, ob Personalabbau beim NWS die Reaktion auf die Flut beeinträchtigte. Die Trump-Regierung wies solche Vorwürfe zurück und betonte, dass rechtzeitige Warnungen ausgegeben wurden.
Während die Region sich auf weitere Regenfälle vorbereitet, fordern lokale Politiker wie Vizegouverneur Dan Patrick die Installation von Flutsirenen bis nächsten Sommer. Experten warnen, dass der Klimawandel solche extremen Wetterereignisse häufiger und intensiver machen könnte, was die Notwendigkeit verbesserter Warnsysteme und Infrastruktur unterstreicht.
Die Tragödie hat die Gemeinschaft tief erschüttert, doch Anwohner wie Alma Garcia aus San Antonio zeigen Solidarität, indem sie Essen und Kleidung für Betroffene bereitstellen. Die Suche nach Vermissten geht weiter, während Texas mit den Folgen einer der schlimmsten Naturkatastrophen seiner Geschichte ringt.

