
Vom 5. bis 14. August 2025 verhandeln Vertreter aus über 170 Ländern in Genf über ein rechtsverbindliches UN-Abkommen gegen Plastikverschmutzung. Dr. Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), Mitglied der deutschen Delegation und der „Scientists’ Coalition for an Effective Plastics Treaty“, betont die Notwendigkeit eines wissenschaftlich fundierten Abkommens, das die Schäden von Plastik für Mensch und Natur anerkennt. Ziel ist ein endgültiger Vertragstext, nachdem die Verhandlungen in Busan 2024 ohne Einigung endeten.

Weltweit werden jährlich über 460 Millionen Tonnen Plastik produziert, deren Herstellung mehr Treibhausgase verursacht als der gesamte Flugsektor. Ohne Maßnahmen droht sich die Plastikmüllmenge bis 2060 zu verdreifachen. Studien zeigen, dass selbst entlegene Regionen und der menschliche Körper mit Plastikpartikeln belastet sind, wobei die planetaren Belastungsgrenzen bereits überschritten wurden. Plastik trägt zur Erderhitzung und Biodiversitätskrise bei. Eine aktuelle Studie fand allein in der oberen Wasserschicht des Nordatlantiks 27 Millionen Tonnen Mikroplastik.
Bergmann fordert, die Plastikproduktion auf essenzielle Bereiche zu beschränken, chemische Vielfalt im Design zu reduzieren und schädliche Inhaltsstoffe auszuschleichen. Die Produktion müsste ab 2024 jährlich um 12 bis 17 Prozent sinken, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. In Genf zeigte sich eine Mehrheit von über 100 Staaten für Produktionsgrenzen und Chemikalienregulierung offen, doch geopolitische Spannungen und Interessenkonflikte, etwa von Ölländern, erschweren Einigungen. Offen bleibt, ob Entscheidungen per Mehrheit oder Konsens getroffen werden.
Die Verhandlungen (INC-5.2) sind entscheidend, um verbindliche Maßnahmen wie Produktionskappen, Verbote von Einwegplastik und gefährlichen Chemikalien sowie einen globalen Finanzierungsfonds zu etablieren. Ein starkes Abkommen könnte einheitliche Wettbewerbsbedingungen schaffen und die Plastikkrise eindämmen, während ein schwacher Kompromiss Fortschritte verzögern würde. Weitere Informationen bietet die AWI-Website: www.awi.de/im-fokus/muell-im-meer/un-plastics-treaty.html.

