
Eine neue Studie, veröffentlicht in der European Economic Review unter dem Titel Warning Words in a Warming World: Central Bank Communication and Climate Change von Emanuel Campiglio, Jerome Deyris, Davide Romelli und Ginevra Scalise, analysiert die wachsende Rolle von Zentralbanken im öffentlichen Diskurs über den Klimawandel und die Energiewende. Die Untersuchung basiert auf einer umfassenden Analyse von 35.487 Reden aus 131 Zentralbanken weltweit im Zeitraum von Januar 1996 bis Dezember 2022 und beleuchtet, wie Zentralbanken ihre Kommunikation nutzen, um klimabezogene Themen zu adressieren und Finanzmärkte zu beeinflussen.

Hintergrund und Methodik
Zentralbanken haben sich in den letzten Jahren zunehmend als Akteure im Kampf gegen den Klimawandel positioniert. Neben der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und Politikberichten integrieren viele Zentralbanken klimabezogene Aspekte in ihre geldpolitischen Strategien und geben Empfehlungen an Finanzinstitute. Die Studie nutzt einen umfangreichen Datensatz von Zentralbankreden, der eine 199-prozentige Erhöhung der Redenabdeckung im Vergleich zu früheren Sammlungen darstellt, und wendet strukturelle Themenmodelle (Structural Topic Models) an, um die Entwicklung klimabezogener Kommunikation zu analysieren. Diese Modelle identifizieren latente Themen in den Reden anhand der Häufigkeit und des Zusammenhangs von Schlüsselbegriffen.
Die Analyse zeigt, dass die Anzahl der Reden seit den 1990er Jahren gestiegen ist und sich seit 2010 auf etwa 1.500 Reden pro Jahr stabilisiert hat, wobei es regionale Unterschiede gibt. Besonders seit Mitte der 2000er Jahre, vor allem in südostasiatischen Ländern, ist ein Anstieg klimabezogener Reden zu verzeichnen, mit etwa 30 Reden pro Jahr. Gleichzeitig hat die Intensität der klimabezogenen Kommunikation – gemessen an der Anzahl klimabezogener Schlüsselbegriffe pro Rede – zugenommen, was auf eine gezieltere Auseinandersetzung mit Umweltfragen hinweist.
Ergebnisse der Studie
Die Studie identifiziert zwei zentrale klimabezogene Themen in den Reden: „Grüne Finanzen“ und „Klimabezogene Risiken“. Diese Themen spiegeln die Vielfalt der Diskussionen wider, die von Finanzierungsmöglichkeiten für die Energiewende bis hin zu den Risiken des Klimawandels für die Finanzstabilität reichen. Die frühen Reden der 2000er Jahre waren thematisch vielfältig und griffen oft zukunftsweisende Probleme auf, die später an Bedeutung gewannen.
Die Analyse untersucht auch die Treiber der klimabezogenen Kommunikation. Mithilfe eines Poisson-Regressionsmodells werden Faktoren wie wirtschaftliche Bedingungen, Umweltfaktoren und institutionelle Merkmale der Zentralbanken analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kommunikationsstrategien über Zeit und Raum heterogen sind, wobei regionale Unterschiede, wie etwa eine stärkere Fokussierung in Südostasien, deutlich werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die Untersuchung der Auswirkungen von Zentralbankreden auf Finanzmärkte. Die Forscher analysieren tägliche Aktienrenditen, Unternehmensbilanzen und Investitionen in die Energiewende. Dabei wird festgestellt, dass klimabezogene Reden Einfluss auf die Marktvolatilität und die Renditen einzelner Unternehmen haben können. Eine Robustheitsprüfung zeigt jedoch, dass es keine signifikanten Spillover-Effekte von klimabezogenen Reden der US-Notenbank (Fed) auf andere Märkte gibt.
Bedeutung für Politik und Wirtschaft
Die Ergebnisse unterstreichen die wachsende Bedeutung von Zentralbanken als Akteure im Klimadiskurs. Ihre Kommunikation kann nicht nur das Bewusstsein für Klimarisiken schärfen, sondern auch Finanzinstitute dazu anregen, nachhaltige Investitionen zu priorisieren. Die Integration von Klimafaktoren in die Geldpolitik könnte die Finanzstabilität stärken, indem sie Risiken wie plötzliche Wertverluste von Vermögenswerten („stranded assets“) minimiert.
Die regionale Vielfalt in der Kommunikation deutet darauf hin, dass Zentralbanken ihre Strategien an lokale Gegebenheiten anpassen. Besonders in Regionen, die stark vom Klimawandel betroffen sind, wie Südostasien, ist die Auseinandersetzung mit klimabezogenen Themen intensiver. Dies könnte darauf hindeuten, dass Zentralbanken in vulnerablen Regionen eine Vorreiterrolle einnehmen.
Ausblick
Die Studie fordert weitere Forschung, um die langfristigen Auswirkungen der klimabezogenen Kommunikation von Zentralbanken zu verstehen. Insbesondere die Wechselwirkungen zwischen geldpolitischen Maßnahmen, Finanzmärkten und der realen Wirtschaft bedürfen einer genaueren Untersuchung. Zudem könnten zukünftige Studien die Rolle von Zentralbanken in anderen Nachhaltigkeitsbereichen, wie der Biodiversität, analysieren.
Die Erkenntnisse verdeutlichen, dass Zentralbanken eine Schlüsselrolle dabei spielen können, die Finanzwelt auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Ihre Kommunikation ist ein mächtiges Instrument, um sowohl die öffentliche Wahrnehmung als auch die Investitionsentscheidungen in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken.
Quelle:
- Campiglio, E., Deyris, J., Romelli, D., & Scalise, G. (2025). Warning Words in a Warming World: Central Bank Communication and Climate Change. European Economic Review, 178, 105101.

