
Staatliches Greenwashing ist längst kein Einzelfall mehr. Regierungen, Behörden und staatsnahe Unternehmen werben gezielt mit ökologischen Initiativen, deren tatsächlicher Effekt oft weit hinter den vollmundigen Versprechen zurückbleibt. Offizielle Daten und aktuelle Regularien belegen: Die Praxis reicht von irreführenden Werbekampagnen über unzutreffende Produktkennzeichnung bis zu fragwürdigen Fördermechanismen im öffentlichen Bereich und betrifft die deutsche wie die europäische Gesetzgebung gleichermaßen.
Verschleierung mit „klimaneutral“ & Co.
Besonders häufig werden Begriffe wie „klimaneutral“, „CO?-neutral“ oder „nachhaltig“ in Werbemaßnahmen von Ministerien, kommunalen Betrieben oder öffentlichen Transportgesellschaften eingesetzt. Beispielhaft sind jüngste Fälle im Nahverkehr: Busunternehmen von Kommunen bewerben Flotten als klimaneutral, obwohl die Emissionsreduktion primär durch den Zukauf billiger Kompensationszertifikate erfolgt – oft ohne solide Lebenszyklusanalyse oder nachvollziehbare Nachweise, wie es die neuen EU-Gesetze ab 2025 verlangen. Die EU „Green Claims Richtlinie“ schreibt ab 2025 vor, dass alle Umweltversprechen mit wissenschaftlichen Daten und transparenten Methoden belegt werden müssen. Fehlen diese, drohen Geldbußen bis zu 4?% des Jahresumsatzes der jeweiligen Körperschaft[1].
Förderprogramme mit Schönfärbereffekt
Verbreitet ist auch Greenwashing in staatlichen Förderprogrammen. So priesen Bundesländer über Jahre die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude als Klimaschutzmaßnahme an, obwohl unabhängige Auswertungen zeigten, dass viele Projekte lediglich Einzelmaßnahmen waren und oft keine signifikante CO?-Reduktion erzielten. Laut Umweltbundesamt ist die tatsächliche Emissionsreduktion häufig geringer als kommuniziert, da etwa veraltete Vergleichswerte herangezogen werden[2][1].
Klimaetiketten – der Fall „Grüne Stromprodukte“
Der Markt für Ökostrom-Tarife wird von staatlich regulierten Versorgern und deren Tochterunternehmen dominiert. Hier fand die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg heraus, dass Produkte mit „grünem“ Label teilweise zu einem Großteil aus ausländischem Atom- und fossilem Strom stammen, während der Anteil echter erneuerbarer Energien minimal ist. Die Kennzeichnung beruht oft auf Zertifikatehandel: Ein rein bürokratisch erzeugter Nachweis statt tatsächlicher grüner Stromerzeugung. Diese Praxis führte zu Klagen wegen Irreführung und wurde im Frühjahr 2025 durch strengere Prüfmechanismen der Bundesnetzagentur eingeschränkt[1][3].

Gesetzgeberische Reaktion: Neue EU-Richtlinien
Um solchen Praktiken zu begegnen, setzen die europäischen Institutionen seit 2024 auf härtere Regulierung. Die im März 2025 verabschiedete Green Claims Richtlinie der EU verpflichtet sowohl private Unternehmen als auch staatsnahe Betriebe, alle Umweltclaims beizulegen und die verwendeten Methoden transparent zu machen. Bis spätestens September 2026 müssen alle Mitgliedsstaaten diese Vorgaben umsetzen[1][2]. Das bedeutet konkret: Jede Behauptung von Klimaschutz im öffentlichen Sektor muss nachprüfbar und wissenschaftlich fundiert sein – pauschale Werbeaussagen sind künftig verboten.
Fazit
Greenwashing im staatlichen Bereich ist kein Randphänomen, sondern dokumentierter Bestandteil der Nachhaltigkeitskommunikation zahlreicher öffentlicher Akteure. Die neue Gesetzgebung setzt hier klare Grenzen und verlangt Transparenz sowie Nachweisbarkeit aller grünen Versprechen. Konkrete Beispiele wie „klimaneutrale“ Busflotten, scheinbar „grüne Stromprodukte“ oder ineffiziente Gebäudesanierungen beweisen: Die tatsächlichen Effekte für Umwelt und Klima bleiben oft weit hinter dem Werbeversprechen zurück. Die EU-Richtlinie markiert einen Wendepunkt für ehrliche Nachhaltigkeit im öffentlichen Sektor und bringt endlich belastbaren Verbraucherschutz[1][2][3].
Quellen:
[1] Green Claims Richtlinie 2025 – Greenwashing in der Werbung und … https://itmedialaw.com/green-claims-richtlinie-2025-greenwashing-in-der-werbung-und-nachhaltigkeit-im-uwg/
[2] Neue EU-Regeln gegen Greenwashing verabschiedet https://www.umweltbundesamt.de/themen/neue-eu-regeln-gegen-greenwashing-verabschiedet
[3] Greenwashing bei Finanzprodukten – Finanzen https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/finanzen/greenwashing-bei-finanzprodukten
[4] Greenwashing von Unternehmen | Dossier der LpB BW https://www.lpb-bw.de/greenwashing
[5] Beispiele für Greenwashing https://sigmaearth.com/de/examples-of-greenwashing/
[6] Greenwashing https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Verbraucher/Tipps_230907_Greenwashing.pdf
[7] Von Aldi bis VW: Die dreistesten Greenwashing Beispiele https://biovative.de/magazin/von-aldi-bis-vw-die-dreistesten-greenwashing-beispiele/
[8] Greenwashing: 7 Beispiele für „scheingrüne“ Unternehmen https://bundb.de/nachhaltigkeitskommunikation-glossar/greenwashing-beispiele/
[9] Vorschriften gegen Greenwashing: Was Sie wissen müssen https://plana.earth/de/academy/greenwashing-regulations
[10] Greenwashing bei der Geldanlage: Werbung mit … https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/greenwashing
[11] Greenwashing – BMUKN https://www.bundesumweltministerium.de/themen/verbraucherschutz/nachhaltiger-verbraucherschutz/greenwashing
[12] Greenwashing-Gesetz: Warum „klimaneutral” bald nicht mehr reicht https://natureoffice.com/klimaneutral/greenwashing-gesetz-warum-klimaneutral-bald-nicht-mehr-reicht/
[13] Greenwashing erkennen https://www.lawcode.eu/blog/greenwashing/
[14] Neue Regelungen gegen Greenwashing für mehr Verbraucherschutz https://www.zentek.de/neue-regelungen-gegen-greenwashing/
[15] Greenwashing & Greenhushing erkennen https://packiro.com/de-de/magazin/greenwashing-und-green-hushing-definition-methoden-tipps
[16] EU-Verbraucherschutz-Regeln: Schutz vor Greenwashing und … https://germany.representation.ec.europa.eu/news/eu-verbraucherschutz-regeln-schutz-vor-greenwashing-und-irrefuhrender-produktinformation-2024-03-27_de
[17] Empowering Consumers und Green Claims: Was gilt künftig https://www.ihk-muenchen.de/ratgeber/recht/werbung-fairer-wettbewerb/green-claims/
[18] Greenwashing – Verbraucherzentrale Bundesverband https://www.vzbv.de/greenwashing
[19] EU stoppt Greenwashing – Das Wichtigste in Kürze https://www.ratgeberrecht.eu/aktuell/eu-stoppt-greenwashing/
[20] Blog Greenwashing bei Geldanlagen – hinter den Kulissen … https://www.mobile-university.de/blog/greenwashing-bei-geldanlagen-hinter-den-kulissen-der-vermeintlichen-nachhaltigkeit/

