
Deutschland kämpft mit einer zunehmend besorgniserregenden Wasserknappheit. Anhaltende Dürren und stark rückgängige Grundwasserspiegel gefährden die Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Industrie. Eine aktuelle Analyse des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt, dass in fast der Hälfte aller Landkreise ein kritischer Zustand der Grundwasserreserven herrscht, während die Klimakrise die Situation weiter verschärft.
Trockenheit prägt das Land
Die vergangenen Jahre waren von extremen Wetterlagen geprägt. Der März 2025 war besonders niederschlagsarm, und auch der Sommer brachte vielerorts kaum Regen. Die Folge: Böden trocknen aus, Flüsse führen Niedrigwasser, und die Grundwasserspiegel sinken auf Rekordtiefs. Besonders betroffen sind Ostdeutschland, etwa Brandenburg und Sachsen-Anhalt, sowie landwirtschaftlich geprägte Regionen wie Niedersachsen oder die Rheinebene. In etwa 200 von 401 Landkreisen besteht ein Zustand, in dem die Grundwasserentnahme die Neubildung übersteigt oder die Pegelstände deutlich absinken.
Ursachen: Klimawandel und menschliche Nutzung
Die Hauptursache ist die Klimakrise, die durch weniger Niederschläge, höhere Temperaturen und längere Trockenphasen die Grundwasserneubildung einschränkt. Studien prognostizieren, dass die Grundwasserspiegel in den kommenden Jahrzehnten weiter sinken werden, selbst bei optimistischen Klimaszenarien.
Neben dem Klimawandel trägt die intensive Nutzung der Wasserressourcen zur Krise bei. Der Braunkohletagebau, etwa in der Lausitz, entzieht großen Flächen Wasser und senkt die Grundwasserspiegel. Die Industrie, insbesondere chemische Werke, verbraucht enorme Wassermengen. In der Landwirtschaft steigt der Bedarf für Bewässerung, besonders in trockenen Jahren. Neue wasserintensive Projekte wie Rechenzentren oder Batteriefabriken verschärfen das Problem zusätzlich.
Folgen für Natur, Wirtschaft und Bevölkerung
Die sinkenden Grundwasserspiegel haben weitreichende Auswirkungen. Da etwa 70 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser stammen, sind Versorgungsengpässe in einigen Regionen bereits Realität. Ohne Maßnahmen könnte die Trinkwasserversorgung langfristig gefährdet sein. Die Landwirtschaft leidet unter Ernteausfällen durch ausgetrocknete Böden, besonders in intensiv bewirtschafteten Gebieten. Natürliche Ökosysteme wie Moore und Feuchtgebiete, die als Wasserspeicher dienen, trocknen aus und bedrohen die Artenvielfalt. Niedrige Wasserstände in Flüssen wie Elbe und Rhein behindern die Binnenschifffahrt und stören Lieferketten.
Hinzu kommt die Verschlechterung der Grundwasserqualität durch Dünger und Pestizide, die sich bei sinkenden Pegeln stärker konzentrieren.

Lösungen: Schutz und nachhaltiges Wassermanagement
Um die Krise zu bewältigen, sind umfassende Maßnahmen notwendig. Experten fordern den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Wasserspeicher wie Moore, die Wasser speichern und langsam abgeben können. Nachhaltiges Wassermanagement ist entscheidend, etwa durch eine effizientere Nutzung und strengere Regulierung der Wasserentnahme. Städte könnten durch Konzepte wie die „Schwammstadt“ Regenwasser besser speichern. In der Landwirtschaft könnten moderne Technologien wie präzise Bewässerungssysteme den Wasserverbrauch reduzieren.
Auf politischer Ebene wird ein stärkeres Engagement gefordert, um die Dürre als nationale Herausforderung anzuerkennen und langfristige Strategien zu entwickeln.
Dringender Handlungsbedarf
Die Dürre und die sinkenden Grundwasserspiegel sind ein Alarmsignal für Deutschland. Ohne schnelles Handeln drohen ökologische, wirtschaftliche und soziale Folgen. Der Schutz der Wasserressourcen und ein nachhaltiges Management sind essenziell, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.
Quellen: BUND-Analyse „Grundwasserstress in Deutschland“ (2025), Berichte des Umweltbundesamts (2021), Studien des Karlsruher Instituts für Technologie und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2022)

