
Kanada, als eines der Länder mit den am stärksten betroffenen Regionen durch den Klimawandel, steht vor einer Vielzahl existentieller Problemen, die ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen bedrohen. Der Klimawandel manifestiert sich in Kanada durch eine überdurchschnittliche Erwärmung, insbesondere im Norden und auf den Prärien, wo die Durchschnittstemperaturen seit 1948 um bis zu 1,7 Grad Celsius gestiegen sind. Diese Erwärmung ist nicht nur ein globales Phänomen, sondern verstärkt durch regionale Faktoren wie schmelzendes Permafrost und veränderte Niederschlagsmuster, die zu einer Zunahme extremer Wetterereignisse führen. Eine umfassende Bewertung in der Canada’s Changing Climate Report von 2019, ergänzt durch aktuelle Daten aus dem Jahr 2023, zeigt, dass Kanada eine der höchsten Erwärmungsraten weltweit erlebt, mit Prognosen für weitere Anstiege bis 2050, die die Biodiversität und die Infrastruktur massiv gefährden. Die Regierung von Environment and Climate Change Canada prognostizierte im Januar 2025, dass die globale Mitteltemperatur 2025 um 1,35 bis 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen wird, was Kanada als arktisches Land besonders hart trifft und die Permafrostschmelze beschleunigt.

Die ökologischen Bedrohungen sind besonders alarmierend im arktischen Norden, wo der Klimawandel die traditionellen Lebensweisen indigener Völker wie der Inuit untergräbt. Die Erwärmung führt zu einem rapiden Schmelzen des Permafrosts, das Böden instabilisiert und zu Bodensenkungen führt, die Infrastruktur wie Straßen, Pipelines und Siedlungen zerstören. Eine Studie im Journal of Environmental Management aus 2023 analysierte Satellitendaten und modellierte, dass bis 2050 bis zu 20 Prozent des kanadischen Permafrosts dauerhaft schmelzen könnten, was Methanemissionen freisetzt und einen positiven Feedback-Effekt auf die globale Erwärmung verstärkt. Dies betrifft nicht nur den Norden: Im Borealwald, der 30 Prozent der kanadischen Landfläche umfasst, haben Borkenkäferausbrüche, begünstigt durch mildere Winter, seit 2000 Millionen Hektar Wald zerstört, wie eine Meta-Analyse in Global Change Biology von 2021 bestätigt. Die Waldbrände, die 2023 ein Rekordgebiet von über 18 Millionen Hektar verbrannten – siebenmal mehr als der Durchschnitt der letzten 40 Jahre –, emittierten 480 Megatonnen CO2, was 23 Prozent der globalen Wildfeuer-Emissionen ausmachte. Diese Brände sind nicht mehr saisonal, sondern jahreszeitlich unabhängig und verschärfen die Luftverschmutzung, die zu Atemwegserkrankungen und einer erhöhten Sterblichkeit führt.
Wirtschaftlich stellt der Klimawandel eine fundamentale Bedrohung für Kanadas Ressourcenwirtschaft dar, die stark auf Öl, Gas und Forstwirtschaft angewiesen ist. Kanada rangiert als vierter größter Ölexporteure weltweit, doch steigende Emissionen aus dem Ölsektor – trotz Kohleausstieg bis 2030 – machen das Land zum siebten größten Treibhausgasemittenten global, mit 708 Megatonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2022. Die OECD Economic Surveys von 2025 warnen vor Tarifkonflikten mit den USA und steigenden Anpassungskosten, die das BIP bis 2050 um bis zu 2 Prozent senken könnten, insbesondere durch Überschwemmungen und Dürren auf den Prärien, die die Landwirtschaft bedrohen. Der Canadian Climate Institute schätzt in seinem 2023 Progress Report, dass Haushalte durch Klimaschäden bis 2025 einen Einkommensverlust von 720 Dollar pro Kopf erleiden werden, der bis Mitte des Jahrhunderts auf 2.300 Dollar ansteigt, mit disproportionalen Auswirkungen auf einkommensschwache Gruppen. Die Großen Seen, die ein Drittel der Kanadier versorgen, leiden unter Nährstoffbelastung und Algenblüten, die durch wärmeres Wasser verstärkt werden, was die Fischerei und den Tourismus gefährdet.
Gesundheitlich gesehen erhöht der Klimawandel das Risiko für vulnerablen Bevölkerungsgruppen, wie Ältere und Indigene. Eine Umfrage in BMC Public Health von 2023 unter 3.014 Kanadiern ergab, dass die öffentliche Wahrnehmung der Gesundheitsrisiken – wie Hitzestress, der zu Dehydration und kardiovaskulären Erkrankungen führt – hoch ist, doch unzureichend adressiert wird. Hitzewellen, die in Städten wie Toronto und Vancouver häufiger auftreten, erhöhen die Hospitalisierungsrate um bis zu 4,5 Prozent pro Grad über 17 Grad Celsius, wie eine Studie in The Lancet Planetary Health von 2022 zeigt. Zudem breiten sich Vektorkrankheiten wie Lyme-Borreliose durch wärmere Winter aus, und Wildfeuerrauch verschlechtert die Atemwege, was zu einer Zunahme chronischer Erkrankungen führt. Im Norden drohen Wassermangel und veränderte Nahrungsquellen, die zu Unterernährung und mentalen Belastungen beitragen, wie die Indigenous-led Report von 2024 in Canada’s Changing Climate betont.
Trotz Fortschritten wie dem Kohlenstoffpreis, der bis 2030 auf 170 Dollar pro Tonne steigen soll, und dem Ziel, 25 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2025 zu schützen, bleibt Kanada in der Climate Change Performance Index 2025 auf Platz 62 von 67 Ländern, da Ausnahmen für den Öl- und Gassektor die Reduktionen unterlaufen. Der 2030 Emissions Reduction Plan von 2023 prognostiziert eine Reduktion um 40 Prozent bis 2030, doch Experten fordern aggressivere Maßnahmen, um die Pariser Ziele zu erreichen. Die Bedrohung durch den Klimawandel erfordert eine koordinierte Anpassung: Investitionen in resiliente Infrastruktur, wie mobile Wassersysteme und Waldmanagement, sowie eine Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien. Ohne globale Kooperation und nationale Priorisierung könnte Kanada bis 2050 jährliche Schäden in Höhe von Milliarden Dollar erleiden, die die soziale Kohäsion und die wirtschaftliche Stabilität untergraben. Aktuelle Prognosen des IPCC aus 2023 unterstreichen, dass Kanada als arktisches Land ein Vorreiter in der Anpassung sein muss, um irreversible Verluste zu vermeiden.

