
Neue Forschungsergebnisse des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Leipzig zeigen, dass das vom Menschen verursachte Aussterben großer fruchtfressender Tiere (Frugivoren) und der anhaltende anthropogene Druck die Samengröße von Pflanzen in den Wäldern Madagaskars verkleinern. Die Studie, basierend auf Daten von über 2.800 Pflanzenarten, 48 lebenden und 15 ausgestorbenen Samenverbreitern, verdeutlicht die weitreichenden ökologischen Folgen menschlicher Eingriffe.
Die Untersuchung ergab, dass ein erhöhter menschlicher Einfluss – etwa durch selektive Abholzung oder den Rückgang großer Frugivoren – mit kleineren Samen in Pflanzengemeinschaften einhergeht. Große Tiere, die große Samen verbreiten können, sind in Madagaskar in den letzten 1.000 Jahren ausgestorben, darunter alle Arten mit einer Körpergröße über 10 Kilogramm. Dies führt zu einem Rückgang großer Samen, da kleinere Frugivoren diese nicht mehr effektiv verbreiten können. Manche Pflanzenarten, wie die Palme Borassus madagascariensis, produzieren weiterhin Samen, die für die verbleibenden Tierarten zu groß sind. Solche „ökologischen Geister“ deuten auf vergangene Interaktionen mit ausgestorbenen Arten wie Riesenlemuren hin. Wie diese Pflanzen überleben, ist unklar; mögliche alternative Verbreitungswege umfassen Zebus, Buschschweine, Menschen oder Wasser.

Quelle Yuanshu Pu
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Die Samengröße ist eng mit Eigenschaften wie Baumgröße, Holzdichte und Lebensdauer verknüpft, die wiederum die Waldstruktur und Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung beeinflussen. Große Samen gehören oft zu langlebigen Baumarten, die langsam wachsen und besonders anfällig für Abholzung sind, was die Erholung der Bestände erschwert. Kleinere Samen könnten daher Veränderungen in der Waldstruktur und wichtigen ökologischen Funktionen vorantreiben.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung des Schutzes von Lemuren, die als Frugivoren eine Schlüsselrolle bei der Samenverbreitung spielen. Ihr Erhalt ist nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für die Aufrechterhaltung großsamiger Pflanzen und ihrer ökologischen Funktionen entscheidend.
Quelle: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

