Antarktis: Jenaer Forscher melden erhöhte Sterblichkeit bei Seevögeln

Durch | September 17, 2025

Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat bei einer Expedition 2025 auf der Fildes-Halbinsel auf King George Island erstmals Anzeichen der hochpathogenen Vogelgrippe-Variante H5N1 in der Antarktis nachgewiesen. Die Beobachtung einer erhöhten Sterblichkeit bei Seevögeln bestätigt einen befürchteten Trend, der erhebliche Auswirkungen auf die empfindlichen Populationen der Region haben könnte.

Der Nachweis erfolgte im Rahmen eines langjährigen Monitoring-Projekts, das seit 1979/80 von deutschen Biologen und seit 1983 von der Arbeitsgruppe Polar- und Ornitho-Ökologie der Universität Jena durchgeführt wird. Das vom Umweltbundesamt geförderte Programm gilt als weltweit einzigartige Langzeitstudie und überwacht 14 Brutvogelarten sowie Robbenpopulationen in einem 35 km² großen Gebiet. Dazu gehören Zügelpinguine, Adéliepinguine, Eselspinguine, Skuas und Riesensturmvögel. Die Expedition von Januar bis Ende Februar 2025 auf der uruguayischen Forschungsstation „Base Científica Antártica Artigas“ wurde von Christina Braun geleitet, die bereits 15 Reisen in die Antarktis unternommen hat, und umfasste die Studierenden Julia Engelhardt und Katharina Engl.

Während der Beobachtungsperiode wurden 52 frisch tote Tiere entdeckt, hauptsächlich Skuas (Raubmöwen), die erst Tage oder Wochen zuvor gestorben waren – ein deutlich höherer Wert als in früheren Saisons, in denen nur wenige Fälle registriert wurden. Proben wurden von Kollegen des Alfred-Wegener-Instituts in Potsdam und chilenischen Wissenschaftlern vor Ort entnommen und analysiert, was den Verdacht auf H5N1 bestätigte. Nicht alle Proben wurden getestet, und einige Ergebnisse stehen noch aus, doch die Forscher sprechen von einer deutlichen Sterblichkeit, die auf das Virus hinweist.

Dieser Fund baut auf früheren Nachweisen auf: Im Oktober 2023 wurde H5N1 erstmals auf der subantarktischen Insel Südgeorgien, im Februar 2024 auf James Ross Island in der Antarktis festgestellt. Die Ausbreitung wird durch Zugvögel begünstigt, die das Virus aus nördlichen Regionen einschleppen. Die Forscher warnen vor einer schnellen Verbreitung, da antarktische Vögel in dichten Kolonien auf nur etwa 2 Prozent eisfreier Fläche brüten, was die Ansteckungsgefahr enorm erhöht. Eine hohe Mortalitätsrate könnte ganze Populationen zum Kollaps bringen, insbesondere bei vulnerablen Arten wie Pinguinen.

Zusätzlich zu der Vogelgrippe beeinflusst der Klimawandel die Artenzusammensetzung in der Region. Kapsturmvögel, die früher zahlreich brüteten, sind in der Saison 2025 vollständig verschwunden, während Riesensturmvögel und Eselspinguine – Arten aus subantarktischen Gebieten – von den wärmeren Bedingungen profitieren. Adélie- und Zügelpinguine hingegen gehen stark zurück. Die Forscher betonen, dass Langzeitdaten wie diese essenziell sind, um zu klären, ob Arten neue Brutgebiete aufsuchen oder tatsächlich aussterben.

Das Projekt integriert auch Umweltüberwachung: Die Dichte angeschwemmter Abfälle lag in dieser Saison bei rund einem Objekt pro Meter Küstenlinie, darunter verbranntes Plastik, Verpackungen und Fischereireste – ein hoher Wert für eine nahezu unbewohnte Region.

Aufgrund des Infektionsrisikos trugen die Forscher Schutzkleidung. H5N1 hat in Südamerika bereits auf Säugetiere wie Robben und Seelöwen übergegriffen und Massensterben verursacht. Einzelne Humaninfektionen nach Kontakt mit infizierten Vögeln sind dokumentiert, was besondere Vorsicht erfordert.

Das Team setzt sich aus Studierenden des Masterstudiengangs „Evolution, Ecology and Systematics“ zusammen, die täglich 15 Kilometer zu Fuß zurücklegten, um Daten zu sammeln und Müll aufzusammeln. Die Expedition bietet einzigartige Einblicke in internationale Zusammenarbeit und verantwortungsvolle Forschung in sensiblen Ökosystemen.

Ausblick und weitere Forschung

Das Monitoring wird fortgesetzt: Ein neues Jenaer Team reist bereits im November 2025 in die Antarktis aus, um die Langzeitwirkungen der Vogelgrippe zu dokumentieren. Experten rechnen mit den größten Auswirkungen an der südamerikanischen Küste, wo Zugvögel das Virus eher aufnehmen. Die Studie unterstreicht die globale Bedrohung durch H5N1, das inzwischen alle Kontinente außer Australien und der Antarktis (bis vor Kurzem) erfasst hat und die Artenvielfalt gefährdet.


Ein Teammitglied der Arbeitsgruppe Polar und Ornitho Ökologie der Uni Jena während einer Expedition auf der Fildes Halbinsel auf King George Island in der Antarktis

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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