Schneehöhe in Schweizer Alpen schrumpft: Neues Höhenmodell deckt Klimatrends seit 1962 auf

Durch | Oktober 20, 2025

Die winterliche Schneedecke in der Schweiz hat seit den 1960er Jahren deutlich abgenommen – mit markanten Unterschieden je nach Höhenlage. In alpinen Regionen beträgt der Rückgang der durchschnittlichen Schneehöhe von November bis April bis zu acht Zentimeter pro Dekade, während das Mittelland absolut nur minimal verliert. Relativ gesehen trifft der Verlust tiefer gelegene Gebiete jedoch am härtesten: Hier schrumpft die Schneedecke oft um zehn bis zwanzig Prozent pro Jahrzehnt. Diese Erkenntnisse stammen aus dem Projekt SPASS, einer flächendeckenden Simulation der Schneedeckenentwicklung, die Forschende des SLF in Davos gemeinsam mit MeteoSchweiz erstellt haben.

Das Modell rastert die Schweiz in Ein-Kilometer-Quadrate und analysiert Höhenbänder ab 250 Metern in 500-Meter-Schritten. Daten von 350 Messstationen aus den letzten 25 Jahren kalibrieren die Simulationen, die seit 1962 laufen und besonders oberhalb von 800 Metern präzise sind. Auf 2000 Metern sinkt die Schneehöhe um etwa vier Prozent pro Dekade, in noch höheren Lagen ist der Rückgang geringer oder nicht signifikant. Regionen über 3000 Metern blieben aufgrund fehlender Langzeitmessungen unberücksichtigt.

Die SPASS-Daten belegen unmissverständlich die Klimawandel-Folgen: Weniger Schnee in tieferen Lagen durch mildere Winter, während hochalpine Zonen vorerst stabiler bleiben. Die Ergebnisse dienen Forschung, Tourismus und Behörden – etwa für Projekte mit Schweiz Tourismus, im Schneehydrologischen Dienst des SLF oder in Berichten wie dem Avablog und dem BAFU-Jahrbuch. Künftig sollen sie in die White-Risk-App einfließen und von MeteoSchweiz öffentlich bereitgestellt werden.

Abnahme der durchschnittlichen Schneehöhe von November bis April zwischen 1962 und 2023 in Zentimeter pro Dekade In den hohen Berglagen ist das Minus deutlich höher als im ohnehin schneearmen Mittelland Gelände über 3000 müM ist dunkelgrau markiert In gestreiften Gebieten ist die Veränderung statistisch nicht signifikant Grafik Christoph Marty SLF

Dieses erste schweizweite Höhenmodell liefert eine solide Basis für Anpassungsstrategien in Wassermanagement, Lawinenprävention und Wintertourismus. Es unterstreicht die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen und könnte als Blaupause für Alpenstaaten dienen. Weitere Modellverbesserungen zielen auf Szenario-Prognosen bis Ende des Jahrhunderts ab.

Quelle:

Marty, C., Michel, A., Jonas, T., Steijn, C., Muelchi, R., and Kotlarski, S.: SPASS – new gridded climatological snow datasets for Switzerland: Potential and limitations, EGUsphere [preprint], https://doi.org/10.5194/egusphere-2025-413, 2025.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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