Vogelgrippe in Deutschland: Schwere Folgen für Ökosysteme und Biodiversität

Durch | Oktober 23, 2025

Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI), allgemein als Vogelgrippe bekannt, durchquert Deutschland in einer Intensität, die nicht nur die Landwirtschaft in die Knie zwingt, sondern auch tiefe Einschnitte in die natürlichen Ökosysteme reißt. Seit September 2025 hat das Virus, vorwiegend der Subtyp H5N1 der Klade 2.3.4.4b, 15 Ausbrüche in Geflügelbetrieben ausgelöst, was die Notabschlächterung von über 400.000 Tieren erforderlich machte. Gleichzeitig sterben Wildvögel, insbesondere Kraniche, in Massen – allein in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden Tausende Kadaver dokumentiert. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) stuft das Risiko für weitere Infektionen als „hoch“ ein und warnt vor einer saisonalen Eskalation durch Zugvögel. Während die unmittelbare Bedrohung für die menschliche Gesundheit gering bleibt, drohen die Ausbrüche langfristige Schäden für Feuchtgebiete, Nahrungsketten und die Biodiversität. Dieser Bericht, gestützt auf Daten des FLI, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), des Robert Koch-Instituts (RKI) und ökologischer Analysen, beleuchtet die aktuelle Lage mit einem Fokus auf die verheerenden ökologischen Konsequenzen.

Die Epidemiologie: Ein Virus auf Expansionskurs durch Wanderungen und Mutationen

Seit 2020 hat sich H5N1 in Europa etabliert, ursprünglich aus Asien eingeschleppt und durch Wasservögel wie Enten und Gänse global verbreitet. In Deutschland verlief die Saison 2025 anfangs moderat: Von Januar bis August registrierte das FLI acht Ausbrüche in Geflügelbetrieben, hauptsächlich in Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein, mit rund 20.000 betroffenen Tieren. Die EFSA-Quartalsberichte für Dezember 2024 bis März 2025 zählen 743 HPAI-Detektionen in Europa, davon 504 bei Wildvögeln – ein Verhältnis, das in Deutschland ähnlich ist und die Rolle der Wildvögel als Reservoir unterstreicht.

Der September markierte den Umschwung: Mit dem Herbstzug explodierten die Fälle. Bis 20. Oktober 2025 meldete das FLI 15 Ausbrüche in sieben Bundesländern – Mecklenburg-Vorpommern (zwei, inklusive 150.000 Legehennen), Schleswig-Holstein (drei), Thüringen (zwei), Brandenburg (einer), Niedersachsen (einer), Nordrhein-Westfalen (einer) und Bayern (einer). Über 400.000 Geflügeltiere mussten getötet werden, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Genetische Analysen des FLI bestätigen die Dominanz von H5N1, das bei Geflügel eine Sterblichkeitsrate von bis zu 100 Prozent innerhalb von 48 Stunden verursacht, mit Symptomen wie Atemnot und plötzlichem Tod.

Bei Wildvögeln eskaliert die Krise besonders: Im Oktober starben Hunderte Kraniche in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Kelbra (Sachsen-Anhalt) wurden über 200 Kadaver gefunden, alle H5N1-positiv; in Brandenburg schätzen Experten mehr als 1.000 tote Kraniche. Das FLI bestätigt dies als ersten massiven Ausbruch bei dieser Art in Deutschland. Kraniche, die in Schwärmen rasten, übertragen das Virus fecal-oral über Kot, der im feuchten Herbstwetter monatelang infektiös bleibt. Wasservögel wie Höckerschwäne, Brand- und Graugänse dienen als Hauptreservoire, mit Ausbreitung auf Greifvögel und Seevögel an Küsten. Die EFSA berichtet von 198 Wildvogel-Detektionen allein im März bis Juni 2025 in Europa, mit anhaltender Zirkulation.

Das Virus passt sich zunehmend an: In Deutschland infizierte es Füchse, die Vogelkadaver fraßen. Die EFSA notiert seit Frühjahr 2024 Fälle bei Hauskatzen und Wildkarnivoren, inklusive zwei Rotfüchsen in Deutschland 2025. Global sprang es in den USA auf Milchkühe über (über 800 Herden seit 2024), was in Europa durch One-Health-Überwachung verhindert wird, aber die Anpassung an Säugetiere erhöht das Risiko für Brückenwirte in Ökosystemen.

Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Wirtschaftliche Verluste in Millionenhöhe und Parallelen zu ökologischen Kettenreaktionen

Die Geflügelindustrie, mit 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 50.000 Jobs, erleidet massive Einbußen: Direkte Verluste durch Abschlächterungen belaufen sich auf 50 Millionen Euro, ergänzt um 15-prozentige Eierpreissteigerungen und Importstörungen. Die EU-Kommission etablierte am 13. Oktober 2025 Schutz- und Überwachungszonen (Implementing Decision (EU) 2025/2079), die den Handel drei Monate einschränken. In acht Bundesländern gelten Stallpflichten, die Kosten um 20 Prozent steigern und kleine Halter belasten.

Das BMEL prognostiziert 200 Millionen Euro Entschädigungen; Neueinführungsverbote verlängern Leerstände. Tierschützer wie VIER PFOTEN kritisieren Intensivhaltung als Risikofaktor, der schnelle Ausbreitungen begünstigt. Biosicherheitsmaßnahmen wie Netze und Desinfektionen haben Ausbrüche lokalisiert, doch die Parallelen zur Wildnis sind evident: So wie dichte Bestände in Ställen das Virus boostern, tun es überfüllte Rastplätze für Zugvögel, was ökologische und wirtschaftliche Kettenreaktionen verstärkt.

Risiken für Mensch und Umwelt: Gering für Menschen, katastrophal für Ökosysteme

Das RKI meldet keine humanen Übertragungen in Deutschland seit 2020; weltweit gab es seit 2003 über 890 Fälle, meist bei direktem Kontakt, mit 50-prozentiger Letalität. Das BfR betont: Kein Risiko über erhitztem Fleisch, aber Vorsicht bei rohem Geflügel. Tote Wildvögel sollten nicht berührt werden.

Der wahre Schock liegt in den Ökosystemen: H5N1 bedroht die Biodiversität massiv. Kranichsterben in Feuchtgebieten wie der Rheinaue oder Kelbra signalisiert eine Kaskade: Kraniche, Indikatoren für nasse Ökosysteme, regulieren Insekten und Saatgutverbreitung; ihr Verlust destabilisiert Ketten, die Kleinvögel, Amphibien und Pflanzen betreffen. Das FLI warnt: Erhöhte Sterblichkeit bei Kranichen – einer Art ohne partielle Immunität wie bei Enten – könnte lokale Populationen dezimieren. In Brandenburg allein über 1.000 Tote; die Staatliche Vogelschutzwarte prognostiziert weitere Zunahmen durch Zugaktivität.

Symbolbild Credits Tenor

Die EFSA-Quartalsberichte 2025 unterstreichen: HPAI ist seit 2022 endemisch in europäischen Wildvögeln, mit 504 Detektionen im Winter 2024/2025 und 198 im Frühjahr 2025. Betroffen sind über 50 Arten: Wasservögel, Möwen, Seetaucher, Greifvögel, Reiher und Pelikane. In Kolonien wie an Nord- und Ostsee-Küsten sterben Tausende, was Brutplätze entvölkert und Fischbestände (durch reduzierte Prädation) und Planktondynamiken stört. Die NABU fordert bessere Überwachung sensibler Populationen; das Virus dringt in abgelegene Gebiete vor, wo es Arten wie Arktische Füchse (Norwegen 2025) oder Otter infiziert.

Langfristig droht Artenaussterben: Wissenschaftler des Loeffler-Instituts fürchten, dass anhaltende Pandemien ganze Spezies auslöschen, mit Folgen für Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung und Erosionsschutz. Der Klimawandel verschärft dies: Wärmere Winter verlängern Virusüberleben in Gewässern, und veränderte Migrationsrouten (EFSA-Migrations-Tool) erhöhen Spillover-Risiken. In den USA starben 2025 erstmals bedrohte Whooping-Cranes; in Europa könnten ähnliche Verluste bei Höckerschwänen oder Graugänsen folgen, was Feuchtgebiets-Ökosysteme kollabieren lässt. Die globale Panzootie (Nature 2025) hat seit 2021 Millionen Wildvögel getötet, mit Spillover zu 50 Säugetierarten, was Nahrungsketten höherer Trophieebenen (z.B. Füchse als Aasfresser) unterbricht und Sekundärinfektionen begünstigt.

Bekämpfungsstrategien: Von Stallpflicht bis Öko-Überwachung

Die Eindämmung umfasst Früherkennung (24-Stunden-Meldung ans FLI), Stallpflichten in Risikogebieten wie Mansfeld-Südharz und Impfungen (EFSA-bewertet seit 2023). Das BMEL testet Impfkampagnen; das TSIS ermöglicht Echtzeit-Überwachung. Biosicherheit – Zäune, Netze – schützt Farmen und analog Wildvögel.

Ökologisch intensiviert sich die Surveillance: EFSA’s Bird Flu Radar kartiert Risiken für 50 Arten; NABU und CMS fordern Schutz von Rastplätzen. Interdisziplinäre Treffen (BMEL/BMBF, Januar 2025) verknüpfen Virologie mit Ökologie, um Spillover zu brechen. Globale Kooperation (WHO/FAO) adressiert 304 Ausbrüche weltweit (August 2025), fokussiert auf Migration.

Ausblick: Eine Saison mit ungewissem Ende und bleibenden Narben

Der Winter 2025 könnte der schwerste werden: FLI prognostiziert Wellen durch Kälte und Zugvögel; EFSA erwartet Stabilisierung im Frühjahr, doch Endemizität erfordert Dauerwache. Die Landwirtschaft fordert Förderungen für resiliente Systeme; Umweltexperten Klimaschutz, um Populationen zu stärken. Die Krise offenbart Vernetzung: Von Intensivfarmen zu Feuchtgebieten – ohne systemische Änderungen drohen rezidivierende Katastrophen.

H5N1 ist Symptom globaler Herausforderungen: Biodiversitätsverlust, Klimawandel und Zoonosen. Evidenzbasierte Maßnahmen können brechen, doch der ökologische Preis – dezimierte Kranichschwärme, kollabierende Kolonien – mahnt zu Handeln.

Quellen: FLI-Risikobewertungen 2025 15 29 , EFSA-Quartalsberichte 2025 31 20 21 22 , RKI-Updates Oktober 2025, BMEL-Mitteilungen, ZEIT/MDR-Artikel 22./23.10.2025 1 3 8 9 10 11 , NABU/VIER PFOTEN-Statements 5 2 .)

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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