
Ein internationales Team um die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hat erstmals klare molekulare Signaturen für die chronische Abstoßung nach Lebertransplantation identifiziert. Die Ergebnisse, nach zehnjähriger Forschung veröffentlicht im „Journal of Hepatology“, könnten künftig eine frühere und genauere Diagnose ermöglichen – bisher war die chronische Form nur durch mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben sicher erkennbar.
Während die akute Abstoßung durch Immunzellen meist gut behandelbar ist und selten bleibende Schäden hinterlässt, verursacht die chronische Form durch Antikörper gegen Blutgefäße langfristig Vernarbungen und kann bis zur Zirrhose und erneuter Transplantation führen. Die neue Studie zeigt, dass beide Abstoßungsformen unterschiedliche genetische und molekulare Profile aufweisen: Bei chronischer Abstoßung dominieren Signalwege wie TNF–NF-?B und eine starke Aktivierung des Komplementsystems, die zur Fibrose beitragen.

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Die Forscher analysierten über 158 Gewebeproben aus Hannover und Barcelona hinsichtlich Genexpression, Zytokinen, Komplementfaktoren und extrazellulärer Matrix. Die klar abgegrenzten „Fingerabdrücke“ erlauben nun eine präzisere Differenzierung und könnten in Zukunft routinemäßige Biopsien ergänzen oder sogar ersetzen.
Die Erkenntnisse ebnen den Weg für personalisierte Therapien: Chronische Abstoßungen erfordern andere Ansätze (z. B. Antikörper-Senkung durch Plasmapherese) als akute Formen (Kortisonstoß). Eine frühe und genaue Diagnose könnte die Langzeitprognose transplantierten Patienten deutlich verbessern und die Notwendigkeit wiederholter Transplantationen reduzieren.
Originalpublikation:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168827825023384?via%3Dihub

