UNEA-7: Abschluss mit Bedenken zu Wissenschaft, Zivilbeteiligung und Multilateralismus in der Umweltpolitik

Durch | Dezember 13, 2025

Die siebte Sitzung der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA-7) hat in Nairobi nach intensiven Verhandlungen ein gemischtes Bild hinterlassen. Vom 1. bis 12. Dezember 2025 tagten Delegierte aus 193 Ländern, um Lösungen für die dreifache planetare Krise – Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung – zu finden. Unter dem Motto „Advancing sustainable solutions for a resilient planet“ wurden 11 Resolutionen und drei Beschlüsse verabschiedet, darunter Maßnahmen zu Korallenriffen, Mineralienmanagement und Chemikalien. Dennoch dominieren Bedenken: Eine zunehmende Politisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse, eingeschränkte Beteiligung der Zivilgesellschaft und eine Erosion multilateraler Ambitionen werfen Fragen zur Zukunft der globalen Umweltgovernance auf. Über 6.000 Teilnehmer, einschließlich Minister und Staatschefs, diskutierten, doch geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Interessen behinderten Fortschritte.

Die UNEA, gegründet 2012 als höchstes Umweltgremium der UN, hat seitdem über 100 Resolutionen zu Themen wie Plastikverschmutzung, Meeresmüll und nachhaltigem Konsum verabschiedet. Sie beeinflusst die UN-Generalversammlung und setzt Impulse für internationale Abkommen. Die UNEA-7 folgte auf die COP30 in Brasilien und sollte Synergien zwischen Klimaschutz, Biodiversität und Verschmutzung stärken. Der Vorsitz lag bei der Umweltbehörde Omans, und die Sitzung umfasste den Open-Ended Committee of Permanent Representatives (OECPR-7) vom 1. bis 5. Dezember, in dem Resolutionen vorbereitet wurden. Trotz positiver Elemente, wie der Veröffentlichung des siebten Global Environment Outlook (GEO-7), der Investitionen in stabile Klimata, gesunde Natur und verschmutzungsfreie Umwelten als Wirtschaftswachstumsfaktor hervorhebt, zeigten die Verhandlungen Schwächen in der evidenzbasierten Politik.

Politisierung der Wissenschaft als zentrales Problem

Ein Hauptkritikpunkt ist die zunehmende Politisierung wissenschaftlicher Grundlagen. In mehreren Verhandlungen wurden faktenbasierte Erkenntnisse ignoriert oder verwässert, um nationale Interessen zu schützen, insbesondere im Kontext fossiler Brennstoffe und ressourcenintensiver Industrien. Dies untergräbt die UNEA als wissenschaftlich fundiertes Forum. Ein markantes Beispiel ist die Resolution Vanuatus zu Tiefseeökosystemen. Der pazifische Inselstaat schlug vor, das wissenschaftliche Verständnis für Tiefseeökosysteme zu verbessern, einschließlich Bedrohungen durch menschliche Aktivitäten wie Tiefseebergbau. Die Initiative zielte auf Vorsorge und Wissensaustausch ab, einschließlich indigener Kenntnisse. Trotz Unterstützung durch die EU, Norwegen, Australien, die Schweiz, Tuvalu, Uruguay und Fidschi stieß sie auf koordinierten Widerstand. Gegner argumentierten mit überschneidenden Mandaten anderer UN-Gremien, was zu Verzögerungen und Schwächungen führte. Vanuatu zog die Resolution schließlich zurück, kündigte jedoch eine neue wissenschaftliche Initiative an, die traditionelles Wissen integriert und zukünftige Politik informieren soll. Dieser Rückzug wird als Signal gewertet, dass selbst unkontroverse Aufrufe zu mehr Wissen blockiert werden können.

Credits Unsplash

Positiv hervorgehoben wurde eine Erklärung der Schweiz im Abschlussplenum. Sie betonte die unverzichtbare Rolle unabhängiger Wissenschaft für umweltpolitische Entscheidungen und wurde von 58 Mitgliedstaaten unterstützt. Dieses Bekenntnis adressiert die dreifache Krise und fordert Schutz vor politischer Einflussnahme. Es dient als Gegenbeispiel zur Politisierung und zeigt, wie multilaterale Allianzen evidenzbasierte Prozesse stärken können. Dennoch bleibt die Tendenz alarmierend: In anderen Kontexten, wie bei Chemikalien und Abfällen, wurde der wissenschaftliche Inhalt von Resolutionen abgeschwächt, etwa durch Streichung von Verweisen auf endokrine Disruptoren oder Schwermetalle.

Der GEO-7-Bericht unterstreicht die Dringlichkeit: Investitionen in umweltfreundliche Maßnahmen könnten das BIP steigern, Millionen Tode verhindern und Armut reduzieren. Doch die Verhandlungen zeigten, dass solche Erkenntnisse nicht immer priorisiert werden. Organisationen wie das Center for International Environmental Law (CIEL) kritisieren, dass Fortschritte marginal blieben, während rückläufige Schritte in Verhandlungsräumen zunahmen.

Einschränkung der Zivilgesellschaft und Stakeholder

Die Beteiligung der Zivilgesellschaft, indigener Völker und Stakeholder wurde systematisch behindert. Zugang zu Dokumenten und informellen Verhandlungen war verzögert oder verweigert, was Transparenz und Rechenschaftspflicht untergräbt. Major Groups wie NGOs, Jugendliche, Wissenschaftler und indigene Vertreter beklagten eine Schrumpfung des Raums für Beteiligung. Beispiele: Wichtige Diskussionen fanden in geschlossenen Sitzungen statt, ohne Beobachter. Dies widerspricht dem Prinzip, dass Betroffene – wie indigene Gemeinschaften in vulnerablen Regionen – einbezogen werden müssen.

Vor der UNEA-7 fand die Youth Environment Assembly mit über 1.000 jungen Delegierten statt, die eine globale Jugenddeklaration vorbereiteten. Ebenso der Global Major Groups and Stakeholders Forum und ein Cities and Regions Summit. Diese Events ermöglichten Austausch, doch in den Kernverhandlungen fehlte Einfluss. Proteste von Frauen- und Indigenen-Gruppen richteten sich gegen das Löschen von Verweisen auf Geschlechtergerechtigkeit, indigene Rechte und marginalisierte Gruppen in Resolutionstexten. Break Free From Plastic hob hervor, dass dies UN-Deklarationen zu Indigenenrechten, Frauenrechten und Rassendiskriminierung ignoriert. Die Erosion der Partizipation wird als demokratisches Defizit gesehen, das Umweltpolitik hinter verschlossenen Türen isoliert.

Verwässerung von Resolutionen und Erosion multilateraler Ambitionen

Von 19 eingereichten Resolutionen und drei Beschlüssen wurden nur 11 Resolutionen verabschiedet, darunter zu Sargassum-Algenblüten, Korallenriffen, Waldbränden, Gletschern, antimikrobieller Resistenz, Chemikalien und Abfällen, Mineralien und Metallen, künstlicher Intelligenz, Jugendbeteiligung, Sport und Synergien in Umweltabkommen. Die Ministerdeklaration bekennt sich zu nachhaltigen Aktionen und multilateralen Abkommen, doch viele Texte wurden durch Verzögerungstaktiken und Blockaden abgeschwächt. Beispiele: Die Resolution zu Chemikalien und Abfällen (UNEP/EA.7/L.13) fordert Updates zu Berichten über endokrine Disruptoren und Schwermetalle, blieb aber kompromissbehaftet. Entwürfe zu Umweltkriminalität und Karstökosystemen scheiterten.

Geopolitische Dynamiken, einschließlich Konflikten um Ressourcen, trieben diese Entwicklungen. CIEL notiert, dass progressive Handlungen am Rande stattfanden, wie der Launch eines Dialogs zur Solar-Geoengineering-Non-Use-Agreement durch die Afrika-Gruppe. Die EU plädierte für starke Kooperation, inklusive KI-Nutzung und Chemikalienmanagement. Dennoch wird die UNEA-7 als verpasste Chance gewertet, da weniger als die Hälfte der Vorschläge umgesetzt wurde.

Der Multilateral Environmental Agreements (MEA) Day betonte Synergien zwischen Abkommen wie CBD, UNFCCC und BRS-Konventionen. Sprecher aus Ländern wie Slowenien, Saudi-Arabien und Brasilien hoben Kooperationen hervor, doch die Gesamterosion multilateraler Ambitionen bleibt besorgniserregend. Dies spiegelt Trends in anderen Foren wider, wie den Plastikverhandlungen, wo ein globales Abkommen verzögert wird.

Positive Signale und Ausblick

Trotz Kritik gab es Erfolge: Die Verabschiedung von Resolutionen zu Korallen und Gletschern adressiert dringende Bedrohungen. Der Launch des UN Task Force on Critical Energy Transition Minerals und Preise wie die UN Champions of the Earth fördern Anerkennung. Die Wahl von H.E. Matthew Samuda aus Jamaika als Präsident für UNEA-8 (2027 in Nairobi) verspricht Inklusivität.

Umweltorganisationen fordern Reformen: Stärkung wissenschaftlicher Schnittstellen, Schutz vor Politisierung und erweiterte Partizipation. Die UNEA muss ihr Mandat wahren, um die planetare Krise zu bewältigen. Ohne Gegensteuerung droht eine Verschärfung der Krisen durch fehlende Ambition. Die kommenden Jahre, mit INC-5.3 zum Plastikabkommen im Februar 2026, werden testen, ob Multilateralismus gestärkt wird.

Verifizierte Linkliste

  • https://www.unep.org/news-and-stories/press-release/seventh-un-environment-assembly-commits-multilateral-solutions-more
  • https://www.ciel.org/news/unea-7-conclusion/
  • https://www.breakfreefromplastic.org/2025/12/12/unea-7-ends/
  • https://enb.iisd.org/unea7-oecpr7-10Dec2025
  • https://www.unep.org/environmentassembly/unea7/list-unea-7-draft-resolutions-and-draft-decisions
  • https://www.oceancare.org/en/stories_and_news/unea-7-alarming-signals/
  • https://enb.iisd.org/unea7-oecpr7-daily-report-10dec2025
  • https://www.eyewitness.africa/unea-7-urges-synergies-to-tackle-global-environmental-crises/
  • https://www.presseportal.ch/de/pm/100000082/100937219
  • https://www.unep.org/news-and-stories/speech/unea-7-brightening-beacon-environmental-multilateralism
  • https://environment.ec.europa.eu/news/eu-advocate-strong-multilateral-cooperation-unea-7-2025-12-08_en
  • https://www.unep.org/environmentassembly/unea7/official-side-events
  • https://www.hrw.org/news/2025/12/01/an-opportunity-to-address-mining-abuses-globally
  • https://www.unep.org/multilateral-actions-safeguard-environment-timeline
  • https://www.greenanglicans.org/oceans-the-lungs-of-the-earth-are-under-threat/
  • https://ecostandard.org/news_events/unea-7/
  • https://www.genevaenvironmentnetwork.org/resources/updates/towards-the-7th-session-of-the-united-nations-environment-assembly-unea-7/
  • https://enb.iisd.org/unea7-oecpr7
  • https://www.unep.org/environmentassembly/unea7/closing-plenary
  • https://docs.un.org/en/UNEP/EA.7/HLS/L.1

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände