Menschliche Fischbesatzung verändert Hochgebirgsseen dramatisch

Durch | Januar 5, 2026

Das EU-Forschungsprojekt FishME beleuchtet die weitreichenden ökologischen Auswirkungen von eingeführten Fischen in Hochgebirgsseen. Viele Menschen unterschätzen diese Effekte, obwohl sie das sensible Gleichgewicht empfindlicher Ökosysteme stören und zur Verdrängung einheimischer Arten führen. Frühe Entfernung der Fische kann jedoch schnelle Erholung ermöglichen.

Hintergrund: Hochgebirgsseen als sensible Indikatoren

Hochgebirgsseen gelten als ideale „Seismografen“ für globale Umweltveränderungen, da sie fernab direkter menschlicher Einflüsse liegen. Veränderungen in ihrer Chemie oder Biologie deuten daher auf breitere Phänomene wie den Klimawandel hin. Die Erderwärmung belastet diese Systeme bereits stark, indem sie Planktonwachstum fördert und Sauerstoffgehalte verändert.

Zusätzlich greifen Menschen direkt ein, indem sie Fische einsetzen – historisch für Nahrung, heute oft für Sportfischerei oder Gastronomie. Bereits im 15. Jahrhundert ließen Mönche im Auftrag Kaiser Maximilians I. Fische in Tiroler Seen aussetzen. Heutige Populationen, etwa Forellen im Gossenköllesee auf 2.400 Metern, stammen teils von solchen Besatzungen ab.

Auswirkungen eingeführter Fische

Analysen von über 100 alpinen Seen in Österreich, Italien, Frankreich, Spanien und Rumänien zeigten: In mehr als der Hälfte schwimmen eingeführte Arten, oft trotz Schutzstatus. Forellen, Saiblinge und Elritzen ernähren sich von Bodenorganismen, Larven und Plankton, was Kaskadeneffekte auslöst. 3 „LARGE“ 4 „LARGE“

Besonders Elritzen und Saiblinge verdrängen einheimische Arten stark, da sie große Mengen tierisches Plankton wie Wasserflöhe fressen. Diese wiederum kontrollieren pflanzliches Plankton; ohne sie entstehen Algenblüten, Sauerstoffmangel und Nährstoffanreicherung. In wärmeren Regionen wie den Pyrenäen sind diese Effekte bereits sichtbar, verstärkt durch den Klimawandel. 5 „LARGE“ 6 „LARGE“

Auch Vögel und Reptilien leiden, da weniger Insektenlarven zu adulten Tieren werden. Die Fische selbst verkümmern oft durch Nährstoffarmut: Deformierte Köpfe, Kannibalismus und mangelnde Vermehrung treten auf.

Bergseen sind wichtige Seismografen für intakte Ökosysteme im Hochgebirge © Felix Brönnimann CC BY SA 40

Öffentliche Wahrnehmung und Unwissenheit

Eine Umfrage unter über 1.300 Personen ergab: Viele halten Fischbesatz für harmlos oder wissen nichts davon. Zwei Drittel erkannten menschliche Verantwortung, doch nur wenige befürworten Entfernung. In Österreich behindert eine starke Fischereilobby Schutzmaßnahmen.

Erholung durch Fischentnahme

FishME demonstrierte Erfolge: Im Timmelsjochsee wurden Forellen 2022 entfernt, um seltene dunkle Wasserflöhe zu schützen. Nach einem Jahr minimierte sich der Schaden – eine kostengünstige Aktion im Vergleich zu etablierten Populationen. In den Pyrenäen kehrten klare Wasserfarben zurück, da Plankton abnahm. 7 „LARGE“

Das Projekt entwickelte eine Toolbox mit Empfehlungen zu Netzen, Methoden und Anpassung an Seegröße sowie Fischart.

Kontext und Relevanz

Intakte Hochgebirgsseen sind resilienter gegen Klimafolgen. Eingeführte Fische gefährden ihre Rolle als Warnsysteme. FishME fördert Aufklärung und evidenzbasiertes Management, um Biodiversität zu erhalten. Ohne Bewusstseinswandel drohen irreversible Schäden in diesen fragilen Ökosystemen.


Quelle: Artikel „Kleine Fische, große Folgen“ von Laura Anninger, veröffentlicht am 5. Januar 2026 im Scilog-Magazin des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (scilog.fwf.ac.at/biologie-medizin/kleine-fische-grosse-folgen). Basierend auf Ergebnissen des EU-Projekts FishME (2022–2025), gefördert u. a. vom FWF mit 275.000 Euro.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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