
Forschende des Fraunhofer-Clusters Circular Plastics Economy (CCPE) haben innovative Recyclingverfahren entwickelt, um aus bisher ungenutzten Kunststoffabfällen hochwertige Rezyklate für Dachbahnen und Geokunststoffe zu gewinnen. Parallel entstanden bioabbaubare Fasern aus Biopolymeren mit einstellbarer Abbaurate für temporäre Anwendungen im Landschaftsbau. Die Prozesse decken die gesamte Wertschöpfungskette ab und verbessern die Klimabilanz im Vergleich zu Neuware.
Hintergrund zur Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe
Der Markt für recycelte Kunststoffe wie Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) birgt enormes Potenzial, doch Qualitätsmängel durch Störstoffe behindern die Konkurrenzfähigkeit. Viele Rezyklate eignen sich bisher nur für einfache Anwendungen wie Spritzguss, nicht für anspruchsvolle textile Produkte. Dachbahnen verlegen in Europa jährlich hundert Millionen Quadratmeter, oft aus Neuware. Biopolymere wie Polylactid (PLA) und Polybutylensuccinat (PBS) gelten als umweltfreundlich, doch fehlende Stabilität und unkontrollierter Abbau schränken technische Einsätze ein.
Das Projekt Zirk-Tex adressiert diese Lücken durch mechanische und chemische Recyclingmethoden sowie Additive für Stabilität.

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Recycling von PP und PET für Dachbahnen
Sechs Fraunhofer-Institute plus Partner bildeten die Prozesskette im Pilotmaßstab ab: Sortierung, lösungsmittelbasiertes oder chemisches Recycling, Additivierung, Compoundierung und Verspinnen zu Fasern, Vliesen oder Membranen. Lösungsmittelbasiertes Recycling trennte PP von Fremdstoffen, reduzierte Verunreinigungen auf unter 2 Prozent und ermöglichte stabile Multifilamentgarne. Für PET kam Glykolyse zum Einsatz: Depolymerisation zu Monomeren, Repolymerisation und Verspinnen. Beide Verfahren lieferten Fasern für Vliese; PP zusätzlich für Membranen. Rückstände verwerteten sich durch Pyrolyse zu Gas, Öl oder Koks.
Additive steigerten Verarbeitungsstabilität und verhinderten Filamentabbrüche. Eine Life-Cycle-Assessment bestätigte bessere Klimabilanz; Stoffstromanalysen zeigten ausreichende Rohstoffverfügbarkeit, doch Logistik und Sortierung brauchen Ausbau.
Bioabbaubare Geotextilien aus PLA und PBS
Für temporäre Anwendungen wie Hangstabilisierung oder Baustraßen entwickelten die Forscher Fasern aus PLA und PBS. Durch maßgeschneiderte Additive kontrollierten sie Abbauzeitpunkt und -verlauf: Stabilität während der Nutzung, schneller Zerfall danach. Tests bei erhöhter Temperatur und Feuchtigkeit bewiesen einstellbare Abbauraten. Ökotoxizitätsprüfungen ergaben keine bedenklichen Effekte. Dies eröffnet Perspektiven für schadstofffreie, bioabbaubare Textilien im Landschaftsbau.
Kontext und Relevanz
Das Projekt unterstreicht den Weg zur zirkulären Kunststoffwirtschaft: Weniger fossile Ressourcen, längere Nutzung und Verwertung von Abfällen. Es adressiert Qualitätsdefizite bei Rezyklaten und Vorbehalte gegen Biopolymere. Nächste Schritte umfassen Kooperationen mit Industrie für Skalierung und Markteinführung. Die Ergebnisse stärken nachhaltige Bau- und Verpackungslösungen in Europa.

