Mikroplankton signalisiert Tropisierung: Wandel im westlichen Mittelmeer bereits im Gange

Durch | Februar 15, 2026

Das Mittelmeer durchläuft einen raschen ökologischen Wandel infolge des Klimawandels. Während die Tropisierung – die zunehmende Dominanz tropischer Arten – im östlichen Becken seit Langem dokumentiert ist, galt das westliche Mittelmeer bisher als weniger betroffen. Eine neue paläoökologische Studie belegt nun erstmals klare Anzeichen einer Tropisierung auch im Westen – und zwar anhand mikroskopischer Planktonorganismen.

Unter Leitung des Instituts für Umweltwissenschaften und -technologie (ICTA) der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) analysierten Forscher fossile Überreste in Meeres-Sedimentkernen aus dem Alboran-Meer (westliches Becken) und der Straße von Sizilien (zentrales Becken). Diese natürlichen Archive ermöglichen eine Rekonstruktion der Plankton-Biodiversität über die letzten 2000 Jahre. Im Fokus standen zwei Schlüsselgruppen verkalkender Plankter: Coccolithophoren (photosynthetische Mikroalgen) und planktonische Foraminiferen (Zooplankton). Beide Gruppen sind essenziell für den marinen Kohlenstoffkreislauf, die Regulation der Meerwasserchemie und als Frühindikatoren für Umweltveränderungen.

Die Ergebnisse zeigen seit Beginn des Industriezeitalters gegenläufige Trends:

  • Die Artenvielfalt der Coccolithophoren stieg deutlich an.
  • Die Vielfalt der planktonischen Foraminiferen nahm ab.

Diese Divergenz wird durch unterschiedliche physiologische und ökologische Anpassungen erklärt. In einem wärmeren, stärker geschichteten und nährstoffärmeren Meer werden bestimmte Arten begünstigt, andere benachteiligt. Besonders auffällig ist die starke Zunahme von Gephyrocapsa oceanica, einer Coccolithophoren-Art, die typisch für tropische Gewässer des Atlantiks ist und sich über die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer ausbreitet. Diese Spezies war im Mittelmeer in früheren Warmzeiten häufig, verschwand dann weitgehend und kehrt nun unter anhaltender Erwärmung zurück – ein klarer Indikator für die Tropisierung.

Während einige einheimische mediterrane Arten stabil bleiben, werden andere zunehmend durch wärme- und nährstoffarm-adaptierte Formen verdrängt. Die beobachteten Veränderungen stimmen mit Prognosen aus Klimamodellen und Artenverbreitungsmodellen überein und deuten auf eine umfassende Umstrukturierung planktonischer Gemeinschaften hin.

Objektiv betrachtet liefert die Studie einen der frühesten und sensibelsten Belege für die Tropisierung im westlichen Mittelmeer. Plankton reagiert schneller und direkter auf physikalische Veränderungen (Temperatur, Schichtung, Nährstoffverfügbarkeit) als größere Organismen wie Fische, die oft erst mit Verzögerung oder indirekt betroffen sind. Die Veränderungen an der Basis der marinen Nahrungskette können Kaskadeneffekte auf höhere trophische Ebenen haben – von Zooplankton über Fische bis hin zu marinen Säugern und Vögeln – und damit die Produktivität, Stabilität und Kohlenstoffsenkenfunktion des gesamten Ökosystems beeinträchtigen.

Das Mittelmeer gilt als einer der am stärksten vom Klimawandel bedrohten Biodiversitäts-Hotspots weltweit. Die Arbeit unterstreicht, dass die Tropisierung kein zukünftiges Szenario mehr ist, sondern bereits messbar fortschreitet – und dass Planktonstudien ein unverzichtbares Werkzeug sind, um diese Prozesse frühzeitig zu erkennen.

Die Studie erschien in Global and Planetary Change.

Originalquelle: Pressemitteilung der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB)

Gephyrocapsa oceanica Autor ICTA UAB
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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