Forschende der Montanuniversität Leoben haben ein neues Verfahren entwickelt, das gemischten Aluminiumschrott aus ausgedienten Fahrzeugen ohne aufwendige Sortierung und ohne Zusatz von Primäraluminium direkt in hochwertige, verformbare Walzbleche umwandelt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Unter Leitung von Univ.-Prof. Stefan Pogatscher entstand am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie das industriell skalierbare Verfahren. Es nutzt heterogene Aluminiumlegierungen aus Altfahrzeugen gezielt weiter, indem vermeintlich schädliche Begleitelemente metallurgisch eingebunden und verteilt werden. Dadurch entfallen Sortier-, Verdünnungs- und Downcycling-Schritte. Die erzeugten Sekundärlegierungen verbinden hohe Festigkeit mit hoher Duktilität und eignen sich für anspruchsvolle Anwendungen im Fahrzeugbau.
Derzeit fallen in Europa jährlich sieben bis neun Millionen Tonnen Aluminiumschrott aus Altfahrzeugen an, der überwiegend zu Gusslegierungen mit begrenztem Eigenschaftsprofil verarbeitet wird. Mit dem Übergang zur Elektromobilität entfällt ein Großteil dieses Absatzmarkts. Ohne neue Verwertungspfade drohen Materialüberschüsse und zusätzliche CO?-Emissionen durch den Ersatz mit Primäraluminium – Schätzungen gehen von bis zu 90 Millionen Tonnen CO? pro Jahr bis 2030 aus.
Das neue Verfahren ermöglicht einen Paradigmenwechsel: Statt Verunreinigungen zu eliminieren, werden intermetallische Phasen gezielt eingestellt. Diese Partikel verfeinern die Mikrostruktur und verbessern die mechanischen Eigenschaften. So entsteht aus komplexem Mischschrott eine leistungsfähige Walzlegierung ohne Primäraluminium-Zugabe.
Die Arbeit wurde im Rahmen des ERC Consolidator Grants HETEROCIRCAL gefördert und untersucht, wie die steigende Materialkomplexität moderner Produkte mit einer Circular Economy vereinbar ist. „Nature Reviews Materials“ hob die industrielle Relevanz in einem Research Highlight hervor. Auch die britische Zeitschrift „New Scientist“ berichtete über die Ergebnisse.
Aktuell arbeiten die Forschenden an der Erweiterung des Eigenschaftsprofils und der großtechnischen Umsetzung. Mehrere Industriepartner haben Interesse bekundet; europäische Projekte zur Implementierung werden vorbereitet.
Die Studie erschien unter dem DOI 10.1038/s41467-026-69492-z.

