
Allein die Produktion von Materialien wie Stahl, Kunststoff und Zement in den USA verursacht jährlich weltweit klimabedingte Schäden in Höhe von 79 Milliarden Dollar, so eine neue Studie von Ingenieuren und Ökonomen der University of California in Davis. Die Berücksichtigung dieser Kosten in den Marktpreisen könnte den Fortschritt hin zu klimafreundlichen Alternativen fördern.
„Wir wollten die Kosten untersuchen, die der Gesellschaft durch die Herstellung dieser Materialien entstehen“, sagte Elisabeth Van Roijen, eine junge Doktorandin an der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen der UC Davis und Hauptautorin des am 24. Oktober in Environmental Research Letters veröffentlichten Artikels .
Van Roijen, die Studentin Paikea Colligan und der Postdoktorand Seth Kane machten sich daran, die fehlenden Klimakosten für die Herstellung von neun gängigen Materialien zu berechnen: Aluminium, Eisen und Stahl, Ziegel, Zement, Kalk, Gips, Asphalt, Glas und Kunststoffe.
Sie sammelten Daten über die in den USA produzierten Mengen dieser Materialien, den Energieverbrauch bei ihrer Herstellung und die Treibhausgasemissionen aus dem Herstellungsprozess. Die Klimakosten der Emissionen ermittelten sie anhand des Standards „Social Cost of Carbon“ der US-Umweltschutzbehörde. Dabei handelt es sich um eine Schätzung der Kosten von Kohlendioxidemissionen, wie etwa die Verhinderung, Milderung und Erholung von klimabedingten Naturkatastrophen.
Das Team berechnete, dass im Jahr 2018 in den USA 370 Millionen Tonnen dieser neun Materialien hergestellt wurden, was zu 427 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen führte. Dies führte zu Klimakosten von 79 Milliarden Dollar, die in den Marktpreisen dieser Materialien nicht berücksichtigt sind.
Die Klimakosten werden durch die Materialnachfrage beeinflusst. So wird beispielsweise bei der Herstellung von Aluminium pro Gewicht des Produkts ziemlich viel Kohlendioxid freigesetzt, während bei der Herstellung der gleichen Menge Ziegel viel weniger entsteht. Allerdings ist die Tonnage der jährlich produzierten Ziegel weit höher als die der Aluminiumproduktion, sodass die Ziegelherstellung insgesamt mehr zu den Klimakosten beiträgt als die Aluminiumproduktion.
Den größten Gesamtbeitrag leisten Stahl und Kunststoffe, da die Nachfrage nach diesen Werkstoffen sehr groß ist.

Knapp die Hälfte der Klimakosten – 42 Prozent – entfiel auf Herstellungsprozesse und nicht auf den Energieverbrauch. Bei der Zementherstellung entsteht beispielsweise neben dem Energieverbrauch auch Kohlendioxid aufgrund der chemischen Reaktionen.
http://dx.doi.org/10.1088/1748-9326/ad796e

