
Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Permafrost bergen ein bislang unterschätztes Risiko: Die Freisetzung uralter Viren und Krankheitserreger, die seit Jahrtausenden im Eis konserviert sind. Etwa ein Viertel der nördlichen Hemisphäre ist von Permafrost bedeckt, der nun durch die globale Erwärmung zunehmend auftaut[2].
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Aktuelle Forschungen zeigen, dass im tauenden Permafrost tatsächlich lebensfähige Mikroorganismen nachgewiesen werden können. So gelang es Wissenschaftlern, 13 verschiedene antike Viren aus sibirischen Permafrostproben zu isolieren[5]. Bemerkenswert ist auch der Fund eines 46.000 Jahre alten, fortpflanzungsfähigen mikroskopischen Wurms sowie eines 48.000 Jahre alten Virus, das noch immer einzellige Organismen infizieren kann[1].
Potenzielle Gefahren
Ein konkretes Beispiel für die Risiken zeigte sich 2016 in Sibirien. Dort führte das Auftauen des Permafrosts zu einem Milzbrand-Ausbruch, der über 2.000 Rentiere tötete und auch Menschen infizierte[4]. Der Erreger Bacillus anthracis hatte in Form von Sporen jahrzehntelang im gefrorenen Boden überdauert[3].

Wissenschaftliche Prognosen
Computersimulationen zeigen, dass die meisten dieser uralten Viren wahrscheinlich ohne größere Schäden in moderne Ökosysteme integriert werden könnten. Allerdings weisen etwa 1% der simulierten Szenarien auf mögliche schwerwiegende ökologische Störungen hin, die zu einer Veränderung der Artenvielfalt um -32% bis +12% führen könnten[1].
Präventive Maßnahmen
Die Wissenschaft betont die Dringlichkeit, diese potenziellen Risiken ernst zu nehmen. Besonders problematisch ist, dass es gegen Viren keine Breitband-Medikamente gibt – jeder neue Virus erfordert spezifische medizinische Gegenmaßnahmen wie neue antivirale Mittel oder Impfstoffe[5]. Mit zunehmender Erwärmung und verstärkter industrieller Erschließung der Arktis steigt das Risiko der Freisetzung weiterer Pathogene[4].
Die Forschung auf diesem Gebiet intensiviert sich, wobei Wissenschaftler betonen, dass das vollständige Ausmaß der mikrobiellen Vielfalt im Permafrost noch weitgehend unerforscht ist[3]. Die Entwicklung von Überwachungssystemen und Präventionsstrategien wird daher als essentiell angesehen, um mögliche Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und einzudämmen[7].
Quellen:
[1] Ancient Viruses May Re-Emerge As Permafrost Melts: Study https://www.businessinsider.com/ancient-viruses-may-reemerge-as-permafrost-melts-climate-change-study-2023-8
[2] Pathogen Release from Thawing Permafrost could lead to Future … https://www.repository.cam.ac.uk/items/7a4b7ad9-95f0-4f67-b79f-6d0df7fb267f
[3] Permafrost as a potential pathogen reservoir https://www.cell.com/one-earth/pdf/S2590-3322(22)00143-9.pdf
[4] New health threat? Pathogens frozen in permafrost resurface as … https://www.downtoearth.org.in/health/new-health-threat-pathogens-frozen-in-permafrost-resurface-as-earth-heats-up-86688
[5] An Update on Eukaryotic Viruses Revived from Ancient Permafrost https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9958942/
[6] Permafrost can imprison dangerous microbes for centuries … – Science https://www.science.org/content/article/permafrost-can-imprison-dangerous-microbes-centuries-will-arctic-thaw-release-them
[7] Foresight*: Pathogens from the Permafrost https://www.swp-berlin.org/10.18449/2024C23/

