Zu viel Zucker: In Deutschland ist jedes sechste Kind zu dick

Durch | Mai 23, 2025
Credits: Alexas_fotos, pixabay

Übergewicht und Adipositas bei Kindern haben in den vergangenen Jahrzehnten alarmierend zugenommen, weltweit und auch hierzulande: Nach den neuesten Erhebungen bringt fast jedes sechste Kind in Deutschland zu viel auf die Waage und 5,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind bereits sogar krankhaft fettleibig (adipös), berichtet die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme.

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Als eine der Hauptursachen für das wachsende gesundheitliche Risiko von Übergewicht gilt der hohe Zuckerkonsum in fester und flüssiger Form bei Kindern und Jugendlichen. Allein im letzten Jahr 2024 gab jede Person in Deutschland im Schnitt 245 Euro für Süßwaren aus und damit mehr als für jede andere Lebensmittelgruppe.

Hauptanteile des hohen Zuckerverbrauchs sind Kuchen, Gebäck, Süßigkeiten, Schokolade und besonders die bei Kindern beliebten süßen Getränke: Laut einer Marktstudie der Organisation Foodwatch trinkt in Deutschland fast jedes sechste Kind bzw. jeder sechste Jugendliche ein- bis dreimal am Tag ein zuckerhaltiges Getränk, vier Prozent trinken sogar viermal täglich ein zuckerhaltiges Getränk in Form von Limo, Cola, gesüßtem Tee oder Eistee, zuckerhaltiger Fruchtsaft, Fruchtnektar oder Fruchtsaftschorle.

Die dabei konsumierte Menge der Flüssigkeit steigt mit zunehmendem Alter der Kinder: sieben- bis 13-Jährige trinken durchschnittlich etwa einen Viertelliter, männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sogar einen halben Liter Süßgetränke täglich.

Ein regelmäßiger Verzehr von Süßgetränken ist nachweislich mit Gesundheitsrisiken für Kinder verbunden, betont die Stiftung Kindergesundheit. Studien konnten bereits mehrfach nachweisen, dass zwischen dem Konsum von sogenannten Softdrinks und einer erhöhten Gewichtszunahme ein direkter Zusammenhang besteht.

Ganz gleich ob in fester oder flüssiger Form, Studien belegen: Zucker ist ein zentraler Risikofaktor für Adipositas, Typ-2-Diabetes und der Zahnkrankheit Karies.
„Eine Analyse von elf internationalen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass ein regelmäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke für etwa ein Fünftel des Risikos der Fettleibigkeit im Kindes– und Jugendalter verantwortlich ist“, sagt Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Dr. Berthold Koletzko, Ernährungsexperte der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Studien aus den USA folgern, dass dort rund 20 Prozent der Gewichtszunahmen der Bevölkerung allein auf das Konto zuckerhaltiger Getränke gehen“.

Der durchschnittliche Zuckergehalt gesüßter Getränke beträgt in Deutschland nach aktuellen Erhebungen von Foodwatch 7,3 Prozent. Das sind etwa sechs Zuckerwürfel je 250 ml Glas. Eine Sonderabgabe auf zuckerhaltige Getränke, wie sie in vielen Ländern schon existiert, könnte auch in Deutschland die gesündere Getränkeauswahl erleichtern.

Koletzko fordert die Politik auf, konsequenter einzugreifen. „Allein die Gesundheitskosten für die heute in Deutschland übergewichtigen Kinder und Jugendlichen werden mit 1,8 Milliarden Euro berechnet. Es ist also höchste Zeit zum Handeln“, sagt der Kinderarzt.

Die Stiftung Kindergesundheit hat bereits zum wiederholten Male auf die negativen Folgen des Konsums von gezuckerten Getränken hingewiesen. Sie empfiehlt stattdessen Eltern und Kindern mit Nachdruck das regelmäßige Trinken von Wasser:

  • Kinder und Jugendliche sollen Wasser trinken
  • Kinder brauchen im Durchschnitt fünf bis sechs Gläser Flüssigkeit am Tag.
  • Kinder sollten von klein auf lernen, dass Wasser ein gesundes und wohlschmeckendes Getränk ist.
  • darauf achten, dass man regelmäßig über den Tag verteilt trinkt, da der Körper Wasser nicht für einen langen Zeitraum speichern kann.
  • Wasser stets in Griffweite stellen und das Kind zum Trinken ermuntern.
  • zu jeder Mahlzeit ein zuckerfreies Getränk bereit stellen.
  • Zur Abwechslung kann Wasser mit Geschmack, geeisten Früchten, Zitronenscheiben oder auch eine verdünnte Saftschorle dienen.

Limonade, Cola-Getränke, gesüßte Tees oder Eistees, Fruchtsäfte, Fruchtnektare oder Fruchtsaftschorle sollten die Ausnahmen bleiben und nicht die Regel. In Kindertagesstätten und Schulen sollten keine zuckerhaltigen Getränke angeboten werden.

Die Stiftung Kindergesundheit plädiert außerdem dafür, in den Familien von Anfang an feste Regeln im Umgang mit Süßigkeiten aufzustellen und so dem Kind zu helfen, sein eigenes Maß zu finden. Sie empfiehlt:

  • Süßigkeiten niemals als Belohnung, Druckmittel oder Strafe einsetzen: Dann bleiben Süßigkeiten lediglich wohlschmeckende Nahrungsmittel und bekommen keinen übertriebenen Gefühlswert.
  • Besonders wichtig: das Thema „Süßigkeiten“ nicht zu einem ernsthaften Familienproblem werden lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass das Verlangen der Kinder nach Süßem durch den Reiz des Außergewöhnlichen erst recht geschürt wird und sie anfangen, heimlich zu naschen.
  • Süßspeisen werden nach Möglichkeit nur einmal am Tag zu einer Mahlzeit gegessen. Anschließend Zähne putzen.
  • keine süßen Vorräte anlegen: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Gegen Süßhunger sind Obst und Karotten eine probate Hilfe.
  • Keine Süßigkeiten offen herumstehen lassen, damit Süßes nicht aus Langeweile oder Gedankenlosigkeit gegessen wird.
  • Dem Kind so früh wie möglich erklären, dass süße Sachen schädlich für die Zähne sind. Nach dem Genuss von Süßem Zähne putzen, Mund ausspülen oder einen Apfel essen.
  • Nach dem abendlichen Zähneputzen nichts mehr essen und auch keine (süßen) Getränke. Späte „Betthupferl“ nagen an den Zähnen.
  • Vorbildwirkung nicht vergessen: Wer selbst gerne nascht, ist wenig glaubwürdig.

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