
Anlässlich des Antrittsbesuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz bei US-Präsident Donald Trump am 5. Juni 2025 fordern die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Center for American Progress (CAP) eine klare Absage an neue Lieferverträge für verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den USA. In einer gemeinsamen Analyse warnen die Organisationen vor den erheblichen Risiken, die mit solchen Importen verbunden sind: höhere Energiekosten, gesundheitliche Gefahren, wirtschaftliche Abhängigkeiten und eine Gefährdung der Klimaziele. Stattdessen plädieren sie für einen ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien und Speicherkapazitäten, um eine nachhaltige und unabhängige Energieversorgung zu gewährleisten.
Die DUH betont, dass LNG-Importe aus den USA nicht die Energiesicherheit Deutschlands stärken, sondern sie gefährden. Durch die Abhängigkeit von fossilem Gas drohe Deutschland nach der Abhängigkeit von russischem Gas in eine neue, ebenso riskante Bindung an fossile Brennstoffe zu geraten. Langfristige Lieferverträge für LNG würden die Klimaziele Deutschlands und Europas unterminieren und die Energiewende zurückwerfen. Die geplante Importkapazität für fossiles Gas, einschließlich LNG, übersteige den erwarteten Verbrauch bis 2030 um fast das Doppelte. Diese Überkapazitäten behinderten den notwendigen Übergang zu einer klimafreundlichen Energieinfrastruktur. Anstatt in den Ausbau von LNG-Terminals zu investieren, solle die Bundesregierung die Mittel in erneuerbare Energien und Speichertechnologien lenken, um echte Energieunabhängigkeit zu erreichen.
Das CAP unterstreicht die negativen Folgen der LNG-Exporte für die USA selbst. Die Förderung von Fracking-Gas diene primär den Interessen der Öl- und Gasindustrie, während sie die Gesundheit der Bevölkerung gefährde und die Haushaltskassen belaste. Besonders betroffen seien einkommensschwache Gemeinden in der Nähe von Fracking-Anlagen, Pipelines und LNG-Terminals, die häufig in afroamerikanischen oder hispanischen Vierteln liegen. Dort seien Gesundheitsprobleme wie Asthma und Krebs überdurchschnittlich verbreitet. Zudem bremsten langfristige Exportverträge den Ausbau erneuerbarer Energien in den USA aus und gefährdeten die öffentliche Gesundheit durch die Umweltbelastungen, die mit der Gasförderung einhergehen.
Die gemeinsame Analyse der DUH und des CAP zeigt, dass LNG aus den USA aufgrund hoher Methan-Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette – von der Förderung durch Fracking über die Verflüssigung bis zum Transport – bis zu 33 Prozent klimaschädlicher sein kann als Kohle. Methan, ein besonders starkes Treibhausgas, habe über einen Zeitraum von 20 Jahren eine 84-fach höhere Klimawirkung als CO2. Die Bundesregierung investiere derzeit mehr als 8 Milliarden Euro in den Ausbau der LNG-Infrastruktur in Deutschland, was laut den Organisationen ein teurer und klimaschädlicher Fehltritt sei. Die Nachfrage nach fossilem Gas aus Deutschland befeuere zudem den umweltschädlichen Ausbau von Fracking und LNG-Infrastruktur in den USA, was sowohl dort als auch in Deutschland negative Folgen für Umwelt und Gesundheit habe.

Die Organisationen appellieren an Bundeskanzler Merz, im Gespräch mit Präsident Trump eine klare Botschaft zu senden: Deutschland und Europa stünden geschlossen hinter der Energiewende und den Klimazielen. Neue LNG-Verträge seien weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll und würden Deutschland in eine neue fossile Abhängigkeit führen. Stattdessen solle Merz auf eine Energiepolitik setzen, die auf bezahlbare, saubere und nachhaltige Lösungen fokussiere. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie Speichertechnologien sei der Schlüssel, um Energiesicherheit zu gewährleisten, die Klimaziele zu erreichen und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.
Die DUH und das CAP betonen, dass die Energiewende nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance sei. Eine konsequente Hinwendung zu erneuerbaren Energien würde Deutschland und Europa langfristig unabhängiger, wettbewerbsfähiger und klimaresilienter machen. Die Organisationen hoffen, dass Merz diese Botschaft im Weißen Haus deutlich macht und sich gegen die energiepolitische Einflussnahme der US-Regierung zugunsten fossiler Brennstoffe positioniert.
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Zum Bericht: https://ots.de/h4mMBp

