Anpflanzung von Bäumen in der Arktis würde Klimawandel beschleunigen

Durch | November 10, 2024

Die Anpflanzung von Bäumen in der Arktis könnte die globale Erwärmung verschlimmern, nicht verbessern, sagen Wissenschaftler der TU Berlin in einem Artikel, der jetzt in Nature Geoscience erschienen.

Die Anpflanzung von Bäumen wird weithin als kosteneffiziente Methode zur Verringerung der globalen Erwärmung angepriesen, da Bäume große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre speichern können. In der Fachzeitschrift Nature Geoscience argumentiert eine internationale Gruppe von Wissenschaftler*innen jedoch, dass die Anpflanzung von Bäumen in hohen Breitengraden die globale Erwärmung eher beschleunigen als verlangsamen wird.

Mit der Erwärmung des Klimas können Bäume zunehmend weiter nördlich gepflanzt werden. Regierungen und Unternehmen fördern deshalb große Baumpflanzungsprojekte in der Arktis als Maßnahme, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Wenn Bäume jedoch an den falschen Stellen gepflanzt werden – wie z. B. in der normalerweise baumlosen Tundra und in Mooren sowie in großen Gebieten des borealen Waldes mit relativ offenen Baumkronen – können sie die globale Erwärmung noch verstärken, so die Forscher*innen, darunter auch Carsten Müller, Professor für Bodenkunde an der TU Berlin.

Laut Assistenzprofessor Jeppe Kristensen von der Universität Aarhus in Dänemark und Erstautor der Studie „Tree planting is no climate solution at northern high latitudes“ eignen sich die spezifischen Merkmale der arktischen und subarktischen Ökosysteme schlecht für die Anpflanzung von Bäumen zur Eindämmung des Klimawandels. „Das fast durchgehende Tageslicht im Frühling und Frühsommer, wenn der Boden noch schneebedeckt ist, macht die Energiebilanz in dieser Region extrem anfällig für eine Oberflächenverdunkelung. Grüne und braune Bäume absorbieren nämlich deutlich mehr Wärme von der Sonne als weißer Schnee“, so Kristensen.

Die Böden in der Arktis speichern enorme Mengen an Kohlenstoff und stellen somit ein wichtiges Reservoir für die Speicherung von Kohlenstoff dar. „Die Störung des Bodens durch die Anpflanzung, aber auch durch das Wachstum der Bäume selbst, führt zu einem verstärkten mikrobiellen Abbau des Bodenkohlenstoffs und damit zur Emission von Treibhausgasen aus diesen kohlenstoffreichen Böden“, sagt Carsten Müller, Mitautor von der TU Berlin. Sein Fachwissen über die Mechanismen des Kohlenstoffkreislaufs im Boden ist in die Studie mit eingeflossen, und er weist darauf hin, dass viele arktische Böden Kohlenstoff eher in einer Form speichern, die für Bodenmikroben leicht verdaulich ist. Das macht diese Böden anfällig für Veränderungen der Umweltbedingungen, sei es durch den Klimawandel oder durch Maßnahmen wie das Anpflanzen von Bäumen.

Darüber hinaus sind die Regionen um den Nordpol in Nordamerika, Asien und Skandinavien anfällig für natürliche Störungen – wie Waldbrände und Dürren –, die die Vegetation absterben lassen. Durch den Klimawandel würden diese Störungen sowohl häufiger als auch heftiger. „Diese Orte sind riskant für einen Baum, insbesondere als Teil einer homogenen Plantage, die anfälliger für solche Störungen ist“, so Kristensen. „Der in diesen Bäumen gespeicherte Kohlenstoff könnte durch Störungen freigesetzt und innerhalb weniger Jahrzehnte wieder in die Atmosphäre abgegeben werden.“


https://www.nature.com/articles/s41561-024-01573-4

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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