
Strenge Klimapolitikgesetze, die Lebensstiländerungen vorschreiben, können bestehende umweltfreundliche Werte schwächen und langfristig die Unterstützung für weitere Maßnahmen mindern. Eine Studie zeigt, dass Zwangsmaßnahmen wie innerstädtische Autoverbote selbst bei „grünen“ Bürgern Widerstand auslösen und intrinsische Motivation verdrängen – ein bekannter Crowding-Out-Effekt aus Psychologie und Ökonomie.
Die Untersuchung von Katrin Schmelz (Santa Fe Institute und Technical University of Denmark) und Sam Bowles (Santa Fe Institute) befragte über 3000 repräsentative Deutsche zu Klima- und COVID-19-Politiken. Verpflichtende Regelungen stießen auf erheblichen Widerstand, der bei Klimamaßnahmen 52 Prozent stärker ausfiel als bei Pandemiebeschränkungen. Selbst Menschen, die freiwillig nachhaltig leben, reagierten negativ, wenn sie Kontrollverlust empfanden.
Die Autoren erklären dies mit der Wahrnehmung von Eingriffen in persönliche Freiheit. Verbote lösen Abwehr aus, die vorhandene Motivation für umweltfreundliches Verhalten „verdrängt“. Besonders betroffen sind Maßnahmen, die als ineffektiv, freiheitseinschränkend oder privatheitsverletzend gelten.

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Irene Pérez
Positiv wirken sich hingegen Politiken aus, die als wirksam wahrgenommen werden, Alternativen bieten und nicht als aufdringlich empfunden werden. In Deutschland stoßen Beschränkungen von Kurzstreckenflügen auf weniger Ablehnung, da das Zugnetz gute Alternativen schafft. Solche Ansätze können grüne Werte sogar stärken, statt sie zu schwächen.
Die Ergebnisse liefern eine Erklärung für langfristige Wertverschiebungen: Argumente für Fürsorge und Fairness überzeugen breit, während restriktive Maßnahmen vor allem bereits Überzeugte erreichen. Die Asymmetrie begünstigt progressive Entwicklungen, kann aber Polarisierung verstärken, wenn Zwang dominiert.
Für die Politik empfehlen die Forscher, auf Akzeptanz zu setzen: Wirksame, nicht-intrusive Maßnahmen mit Wahlmöglichkeiten fördern breite Zustimmung. Schlecht gestaltete Verbote riskieren Rückschläge und erschweren dringend nötige Transformationen.
Originalpublikation: Schmelz, K. & Bowles, S. An empirically based dynamic approach to sustainable climate policy design. Nature Sustainability (2025). https://doi.org/10.1038/s41893-025-01715-5.

