
Wissenschaftler des Smithsonian Tropical Research Institute (STRI) berichten von einem alarmierenden Ereignis: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen ist die saisonale Auftriebsströmung im Golf von Panama im Jahr 2025 nahezu vollständig ausgeblieben. Diese Erkenntnis wurde in einer Studie veröffentlicht, die in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist.
Normalerweise sorgen nördliche Passatwinde während der Trockenzeit (Dezember bis April) für einen Auftrieb kalten, nährstoffreichen Tiefenwassers im Golf von Panama. Dieser Prozess, der seit mindestens 40 Jahren zuverlässig von Januar bis April stattfindet, fördert eine produktive Fischerei und schützt Korallenriffe vor thermischem Stress durch kühlere Wassertemperaturen. Im Jahr 2025 begann der Auftrieb jedoch erst am 4. März, 42 Tage später als üblich, und dauerte nur 12 Tage anstatt der typischen 66 Tage. Die Meerestemperaturen sanken lediglich auf 23,3 °C, statt wie gewohnt auf 19 °C.
Die Forscher, angeführt von Aaron O’Dea und Andrew Sellers vom STRI, führen den Ausfall auf eine deutliche Abnahme der Häufigkeit und Stärke der Passatwinde zurück. Obwohl die Windgeschwindigkeiten normal waren, traten die Winde 74 % seltener auf, was das Aufsteigen des Tiefenwassers verhinderte. Mögliche Zusammenhänge mit dem Klimaphänomen La Niña werden vermutet, doch die genaue Ursache bleibt unklar und erfordert weitere Untersuchungen.
Der Ausfall der Auftriebsströmung hat weitreichende Folgen. Die nährstoffreichen Gewässer sind essenziell für das Wachstum von Phytoplankton, das die Grundlage mariner Nahrungsnetze bildet. Ohne diese Nährstoffe drohen Einbußen in der Fischerei, die für die Küstengemeinschaften von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung ist. Zudem könnte das Ausbleiben der kühlenden Wirkung des Auftriebs Korallenriffe durch erhöhte Wassertemperaturen gefährden, was das Risiko von Korallenbleiche erhöht.

Credits
Natasha Hinojosa
Die Studie, die Daten aus 40 Jahren Satellitenmessungen, 30 Jahren Vor-Ort-Messungen und Wasserprofilen des Forschungsschiffs S/Y Eugen Seibold des Max-Planck-Instituts nutzte, unterstreicht die Verwundbarkeit tropischer Auftriebssysteme. Diese spielen eine unverhältnismäßig große Rolle für die marine Biodiversität und die Küstenwirtschaft, sind jedoch unzureichend überwacht. Die Ergebnisse verdeutlichen die Dringlichkeit, die Beobachtung und Vorhersage von Ozean-Klima-Phänomenen in den Tropen zu verbessern.
Ausblick
Die Zusammenarbeit zwischen STRI und dem Max-Planck-Institut markiert einen wichtigen Schritt in der Erforschung tropischer Meeresökosysteme. Die Wissenschaftler fordern verstärkte Anstrengungen, um die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf sensible ozeanische Prozesse besser zu verstehen und langfristige Schutzmaßnahmen für Fischerei und Korallenriffe zu entwickeln.
Hinweis: Dieser Bericht basiert auf einer Pressemitteilung des Smithsonian Tropical Research Institute vom 1. September 2025, sowie der zugehörigen Studie in PNAS (DOI: 10.1073/pnas.2512056122).

