Berlin spart an Schulen, verschwendet Millionen für Prestige: Ludwig-Hoffmann-Grundschule vor dem Aus

Durch | Juni 17, 2025

Berlin, 17. Juni 2025 – Der geplante Umzug der Ludwig-Hoffmann-Grundschule in Berlin-Friedrichshain aus Kostengründen sorgt für Kontroversen. Die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg argumentiert, dass der Umzug notwendig sei, um finanzielle Ressourcen zu schonen. Doch Kritiker werfen der Berliner Politik vor, dass solche Maßnahmen im Kontext der hohen Ausgaben für politische Projekte und Veranstaltungen als fragwürdig erscheinen. Ein Vergleich der Argumentation mit offiziellen Daten zu politischen Ausgaben in Berlin zeigt Widersprüche und wirft Fragen nach der Prioritätensetzung auf.

Keine Kohle für Grundschulen Aber Zaster für die Politik Symbolbild Credits Pugnalom by LabNews Media LLC

Die Ludwig-Hoffmann-Grundschule, bekannt für ihre Hochbegabtenförderung und hervorragende Unterrichtsqualität, soll laut einem Bericht des Tagesspiegels vom 15. Juni 2025 umziehen, obwohl die Schulgemeinschaft dies als „Zerschlagung“ empfindet. Konkrete Kosten für den Umzug sind nicht öffentlich beziffert, doch die Bezirksverwaltung verweist auf die Notwendigkeit, Schulplätze effizienter zu nutzen. Dem stehen jedoch erhebliche Investitionen in die Schule gegenüber: Der Erweiterungsbau von 2012, realisiert durch AFF Architekten, kostete laut Baunetz_Wissen mehrere Millionen Euro, um steigende Schülerzahlen zu bewältigen. Ein Umzug könnte diese Investitionen entwerten, da das denkmalgeschützte Gebäude von 1908, entworfen von Ludwig Hoffmann, weiterhin Kosten für Instandhaltung oder Umnutzung verursacht.

Im Kontrast dazu stehen Berlins Ausgaben für politische Projekte, die oft als Geldverschwendung kritisiert werden. Laut einer Recherche von rbb24 vom November 2023 explodieren die Kosten für neue Schulplätze in Berlin, mit einem durchschnittlichen Preis pro Schulplatz von über 100.000 Euro – mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Experten wie Michael Mackenrodt von der Architektenkammer bezeichnen dies als „Komplettversagen“ der Verwaltung, da Großprojekte wie die Howoge-Finanzierung Kosten in „astronomische Höhen“ treiben. Politische Großveranstaltungen, wie etwa der Staatsbesuch des britischen Königspaares 2023, verursachten laut Berliner Senatsverwaltung Sicherheitskosten von über 5 Millionen Euro, was in der Öffentlichkeit ebenfalls als unverhältnismäßig wahrgenommen wurde.

Offizielle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Berlin 2020 pro Schüler an Grundschulen 7.400 Euro ausgab, weniger als an Gymnasien (9.600 Euro) oder Gesamtschulen (10.000 Euro). Angesichts des hohen Bedarfs an Schulplätzen – Berlin plant Zehntausende neue Plätze bis 2030 – erscheint die Verlagerung einer bestehenden, funktionierenden Schule wie der Ludwig-Hoffmann-Grundschule als kurzfristige Sparmaßnahme, die langfristig Mehrkosten verursachen könnte. Die Schule selbst erhielt 2025 Bestnoten bei der Schulinspektion, was ihre Bedeutung für die Bildungslandschaft unterstreicht.

Kritiker verweisen zudem auf politische Prestigeprojekte wie den Wiederaufbau des Stadtschlosses, dessen Kosten sich auf über 680 Millionen Euro beliefen, sowie die chronisch hohen Betriebskosten des Flughafens BER, die 2024 bei 250 Millionen Euro lagen. Diese Ausgaben stehen im Widerspruch zu den Sparargumenten für den Schul-Umzug. Während die Politik betont, dass Bildungsinvestitionen Priorität hätten, zeigt die Praxis, dass Gelder häufig in repräsentative oder schlecht gemanagte Projekte fließen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der geplante Umzug der Ludwig-Hoffmann-Grundschule aus Kostengründen wirkt vor dem Hintergrund der hohen politischen Ausgaben in Berlin wenig überzeugend. Während Millionen in Großprojekte und Veranstaltungen fließen, könnten Investitionen in bestehende Bildungsinfrastruktur nachhaltiger sein. Die Debatte um den Umzug verdeutlicht die Notwendigkeit einer transparenteren und prioritätenorientierten Haushaltspolitik in der Hauptstadt.

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