Chinas Aufstieg zur Supermacht im Bereich der Umwelttechnologien

Durch | Juli 21, 2025

In den letzten Jahrzehnten hat sich China von einem Entwicklungsland mit erheblichen Umweltproblemen zu einem globalen Vorreiter im Bereich der Umwelttechnologien entwickelt. Dieser Wandel ist das Ergebnis gezielter politischer Strategien, massiver Investitionen und einer ambitionierten Vision, die ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichem Wachstum verbindet. China dominiert heute die Produktion und den Einsatz von Technologien wie Solarenergie, Windkraft, Energiespeicherung und Elektromobilität und hat sich als unverzichtbarer Akteur in der globalen Energiewende etabliert. Dabei steht das Land vor der Herausforderung, seine führende Rolle in der Umwelttechnologie mit seinen hohen Treibhausgasemissionen und dem anhaltenden Einsatz fossiler Brennstoffe in Einklang zu bringen.

Wirtschaftliche und politische Grundlagen

Chinas Aufstieg im Bereich der Umwelttechnologien begann mit den Wirtschaftsreformen der späten 1970er Jahre unter Deng Xiaoping, die den Grundstein für die Industrialisierung und Modernisierung des Landes legten. Seit den 2000er Jahren hat die Regierung erkannt, dass Umwelttechnologien nicht nur ökologische Vorteile bieten, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sein können. Die Förderung von Innovationen in diesem Sektor wurde zu einem zentralen Bestandteil der Fünfjahrespläne, insbesondere seit dem 12. Fünfjahresplan (2011–2015), der erstmals erneuerbare Energien und Umwelttechnologien als strategische Industrien definierte. Staatliche Subventionen, steuerliche Anreize und groß angelegte Forschungsprogramme haben die Entwicklung vorangetrieben.

Ein Schlüsselmoment war die Ankündigung von Präsident Xi Jinping im Jahr 2020, dass China bis 2060 klimaneutral werden soll. Dieses Ziel hat die Investitionen in grüne Technologien weiter beschleunigt. Im Jahr 2023 beliefen sich die Investitionen in erneuerbare Energien auf über 400 Milliarden US-Dollar, was mehr als die Hälfte der weltweiten Ausgaben in diesem Sektor ausmachte. Diese finanziellen Mittel flossen in den Ausbau von Produktionskapazitäten, Forschung und Infrastrukturprojekte wie Smart Grids und Energiespeichersysteme.

Dominanz in der Solar- und Windenergie

China ist heute der weltweit größte Produzent und Exporteur von Solarmodulen. Im Jahr 2024 produzierte das Land rund 70 % der globalen Solarmodule, was auf eine Kombination aus Skaleneffekten, niedrigen Produktionskosten und einer gut entwickelten Lieferkette zurückzuführen ist. Große Unternehmen wie JinkoSolar, Trina Solar und LONGi dominieren den Markt und haben durch aggressive Preispolitik westliche Konkurrenten weitgehend verdrängt. In der Inneren Mongolei entstand beispielsweise eines der größten Solarkraftwerke der Welt in der Kubuqi-Wüste, das bis 2025 eine Kapazität von 9 Gigawatt erreichen soll.

Auch in der Windenergie hat China eine führende Position eingenommen. Mit einer installierten Windkraftkapazität von über 400 Gigawatt im Jahr 2024 ist China der unangefochtene Marktführer. Unternehmen wie Goldwind und MingYang sind global wettbewerbsfähig und liefern Turbinen, die sowohl im Inland als auch in Ländern der „Belt and Road“-Initiative eingesetzt werden. China kontrolliert zudem etwa 45 % der globalen Produktion von Windkraftanlagen, was seine Rolle als Exporteur von Umwelttechnologien unterstreicht.

Elektromobilität als Wachstumstreiber

Die Elektromobilität ist ein weiterer Bereich, in dem China globale Maßstäbe setzt. Im Jahr 2024 machte China rund 60 % der weltweiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen aus, angetrieben von Unternehmen wie BYD, NIO und Xpeng. Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien, die für Elektrofahrzeuge entscheidend sind, wird von chinesischen Firmen wie CATL dominiert, die etwa 35 % des Weltmarkts kontrollieren. Der Staat fördert die Elektrogeräte mit großzügigen Subventionen und Infrastrukturinvestitionen, etwa durch den Bau von über 2 Millionen Ladestationen bis 2024.

Energiespeicherung und Wasserstofftechnologien

Ein wachsender Fokus liegt auf Energiespeicherung, um die Schwankungen erneuerbarer Energien auszugleichen. China hat in den letzten Jahren massiv in Batteriespeicher investiert, mit einer installierten Kapazität von über 50 Gigawatt im Jahr 2024. Parallel dazu treibt das Land die Entwicklung grüner Wasserstofftechnologien voran. Bis 2030 plant China, eine Elektrolyseleistung von 100 bis 200 Gigawatt zu erreichen, und baut derzeit die weltweit größte Anlage für grünen Wasserstoff und Ammoniak. Diese Projekte sollen die Dekarbonisierung von Industrien wie der Stahl- und Chemieproduktion unterstützen.

Probleme und Widersprüche

Trotz dieser Erfolge steht China vor erheblichen Herausforderungen. Das Land ist mit einem Anteil von rund 30 % an den globalen CO2-Emissionen der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit. Obwohl der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung 2024 etwa 28 % betrug, bleibt Kohle mit über 50 % die dominierende Energiequelle. Der Ausbau von Kohlekraftwerken, insbesondere in den Jahren 2022 und 2023, hat international Kritik hervorgerufen, da er im Widerspruch zu den Klimazielen steht. Experten betonen jedoch, dass Kohle als Übergangslösung genutzt wird, um die Energiesicherheit während des Ausbaus erneuerbarer Energien zu gewährleisten.

Ein weiteres Problem ist die Qualität einiger Umwelttechnologieprojekte. Beispielsweise wurden viele der über 500 Smart-City-Projekte, die China bis 2023 initiierte, kritisiert, da sie oft mehr auf Quantität als auf Effizienz ausgelegt sind. Zudem bestehen Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit westlicher Länder von chinesischen Lieferketten, insbesondere bei kritischen Mineralien wie Kobalt und Lithium, die China in großem Umfang raffiniert.

Globale Auswirkungen

Chinas Dominanz in Umwelttechnologien hat weitreichende geopolitische und wirtschaftliche Folgen. Durch die „Belt and Road“-Initiative exportiert China seine Technologien in über 60 Länder, insbesondere in Afrika und Asien, und bindet diese Staaten wirtschaftlich an sich. Allerdings hat die Finanzierung fossiler Energieprojekte im Rahmen dieser Initiative Kritik hervorgerufen, da sie die globale Dekarbonisierung behindern könnte. Gleichzeitig hat Chinas Fokus auf kostengünstige Umwelttechnologien den globalen Preisdruck erhöht, was den Zugang zu sauberen Energien erleichtert, aber westliche Hersteller unter Druck setzt.

Fazit

Chinas Aufstieg zur Supermacht im Bereich der Umwelttechnologien ist das Ergebnis strategischer Planung, massiver Investitionen und einer pragmatischen Kombination aus staatlicher Lenkung und marktwirtschaftlichen Anreizen. Mit seiner Dominanz in der Produktion von Solarmodulen, Windkraftanlagen, Batterien und Elektrofahrzeugen hat China die globale Energiewende maßgeblich geprägt. Dennoch bleiben Herausforderungen wie der hohe CO2-Ausstoß und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bestehen. Für die Zukunft wird entscheidend sein, wie China seine technologische Führerschaft mit seinen Klimazielen in Einklang bringt und ob es seine globale Verantwortung als Umwelttechnologie-Supermacht wahrnimmt.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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