CO?-Fußabdruck von Konferenzreisen: NMR-Forscher quantifizieren Umweltauswirkungen und plädieren für klimabewusste Entscheidungen

Durch | November 10, 2025

Internationale Fachkonferenzen fördern den wissenschaftlichen Austausch, verursachen jedoch erhebliche Treibhausgasemissionen durch Reisen der Teilnehmer. Wissenschaftler am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) haben den CO?-Fußabdruck von Tagungsreisen im Bereich der Kernspinresonanz (NMR) detailliert analysiert. Ihre Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Magnetic Resonance, sollen Forschenden helfen, nachhaltigere Alternativen abzuwägen und den ökologischen Impact der akademischen Mobilität zu reduzieren.

Im Rahmen eines Graduate-School-Kurses am ISTA, der auf projektbasierter Datenanalyse und Mentoring setzt, untersuchten Nachhaltigkeitsmanager und Professoren zusammen mit Studierenden seit 2023 verschiedene Aspekte des Forschungs-Fußabdrucks. Der Fokus lag zunächst auf Konferenzreisen, deren Emissionen nach der SARS-CoV-2-Pandemie stark angestiegen sind. Persönliche Treffen bieten unvergleichliche Networking-Möglichkeiten, die virtuelle Formate nicht ersetzen können, doch der Preis ist hoch: Allein Flugreisen dominieren den ökologischen Bilanz.

Das Team entwickelte ein Modell, das nicht nur direkte Betriebsemissionen, sondern auch indirekte Kosten wie Infrastrukturbau und -wartung einbezieht. Für Zugreisen von Wien in europäische Städte ergab sich, dass Infrastrukturemissionen den reinen Fahrbetrieb um das Dreifache übersteigen – dennoch sparen Züge im Vergleich zu Flügen durchschnittlich 85 Prozent CO? ein. Bei Distanzen über 3.000 Kilometer schwindet dieser Vorteil.

Durch Zugfahrten eingespartes CO2 Daten die von den Kursteilnehmerinnen Natália Ružiková Valent 

Copyright © Natália Ružiková | ISTA

Eine Analyse von zehn NMR-Konferenzen der vergangenen Dekade zeigte dramatische Werte: Reisen zu Übersee-Veranstaltungen, etwa von Europa zur ENC-ISMAR in Kalifornien, verursachen pro Person vier bis fünf Tonnen CO?. Das entspricht mehr als dem halben Jahresfußabdruck, den NMR-Forschende am ISTA durch Probenherstellung, Experimente und Berechnungen erzeugen. In Ländern mit höherem fossilen Energieanteil, wie Deutschland (über doppelt so viel wie Österreichs 17 Prozent), fallen forschungsbezogene Emissionen entsprechend höher aus.

Als Alternative schlagen die Forscher dezentrale Konferenzformate vor: Gleichzeitige Veranstaltungen an mehreren europäischen Standorten, virtuell vernetzt, könnten Emissionen um bis zu 25 Prozent senken, indem Teilnehmer nur regionale Anreisen unternehmen. Obwohl der Kurs speziell NMR beleuchtet, gelten die Methoden und Erkenntnisse fachübergreifend.

Das ISTA setzt seine Initiative fort: Nach Pendeln im Vorjahr steht nun der CO?-Fußabdruck wissenschaftlichen Rechnens im Fokus. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, akademische Praktiken klimabewusst zu gestalten, ohne den Fortschritt durch persönlichen Austausch zu opfern.

Originalpublikation:

Lucky N. Kapoor, Natália Ruži?ková, Predrag Živadinovi?, Valentin Leitner, Maria Anna Sisak, Cecelia Mweka, Jeroen Dobbelaere, Georgios Katsaros, and Paul Schanda. 2025. Quantifying the carbon footprint of conference travel: the case of NMR meetings. Magnetic Resonance. DOI: 10.5194/mr-2025-9
https://doi.org/10.5194/mr-2025-9

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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