Davos: Der katastrophalste Winter des 20. Jahrhunderts in der Schweiz

Durch | Januar 21, 2026

Der Winter 1950/51 gilt als der schwerste Lawinenwinter des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. 234 Personen wurden von Lawinen erfasst, 98 starben. 235 Stück Vieh kamen ums Leben, rund 1500 Gebäude wurden zerstört. Der finanzielle Schaden lag inflationsbereinigt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Besonders betroffen waren Vals (GR), Andermatt (UR) und Airolo (TI). Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF analysiert in einer Serie die Ursachen und Folgen dieser Katastrophe.

Zwei extreme Perioden prägten den Winter. Ende Januar und Mitte Februar, nur drei Wochen später, erreichten die Lawinenaktivität Höhepunkte. Im Januar fielen in den Katastrophengebieten dreihundert Prozent der normalen Niederschlagsmenge, im Tessin, Mittelbünden, Engadin und Bündner Südtälern sogar dreihundert bis vierhundert Prozent. Nach kalter Luft in der Nacht zum 16. Januar schneite es bis in Tallagen. Ab dem 18. Januar setzte 88 Stunden Dauerschneefall ein – dreieinhalb Tage ununterbrochen. Ein Sturm verstärkte die Situation. Nördlich des Alpenhauptkamms lagen 100 bis 250 cm Neuschnee, Mengen, die nur alle zehn bis fünfzig Jahre vorkommen.

Vom 19. bis 22. Januar richteten fast 1000 Lawinen Schäden an. In Vals zerstörte eine 300 Meter breite Lawine 23 Gebäude und tötete 19 von 30 Verschütteten. In Andermatt begrub eine Lawine ein Haus mit acht Bewohnern und einem Arbeiter. Die Druckwelle schleuderte einen Mann sechzig Meter weit auf die andere Talseite, wo er unverletzt landete. In Davos zerstörte eine Lawine ein Wohnhaus und einen Stall, tötete drei Menschen, darunter ein neun Monate altes Kind – dessen Geschwister überlebten in einer Wiege auf den Trümmern.

Nach kurzer Beruhigung traf es Mitte Februar vor allem den Alpensüden. Vierhundert Prozent der üblichen Niederschläge, im Val Onsernone bis sechshundert Prozent, lösten 300 Schadenlawinen aus und forderten 16 Tote. In Airolo begruben Schneemassen um Mitternacht am 12. Februar 30 Gebäude und töteten zehn Menschen. In Frasco starben fünf Personen, als zwei Lawinen über vierzig Gebäude zerstörten. Viele Orte waren wochenlang abgeschnitten. Flugzeuge warfen in 167 Stunden 30.000 Kilogramm Hilfsgüter ab.

Das SLF, damals jung, startete umfangreiche Forschungsprojekte. Der Lawinenwarndienst wurde ausgebaut, das Bulletin erschien häufiger – von 35 in der gesamten Saison auf drei pro Woche. Es entstand eine erste Richtlinie zum Lawinenverbau und ein Konzept für Gefahrenkarten, beide bis heute grundlegend. Die Zahl der Beobachtungsstationen stieg von 28 auf 50, heute melden bis zu 200 Beobachter täglich.

Der Winter zeigt, wie extreme Niederschläge auf instabile Schneedecken treffen und katastrophale Folgen haben können. Selbst eine solide Unterlage kann in Ausnahmefällen ungünstig wirken. Die Katastrophe katapultierte den Lawinenschutz aus den Kinderschuhen und prägt bis heute Warnsysteme, Verbauungen und Kartierung in der Schweiz.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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