
Ein neues Deep-Learning-Werkzeug kann mit 95-prozentiger Genauigkeit unterscheiden, ob ein Atlantischer Lachs wild oder aus einer Zuchtfarm stammt – allein anhand eines einzigen Schuppenbildes. Die Methode, die in der Fachzeitschrift Biology Methods and Protocols vorgestellt wurde, könnte künftig helfen, die massiven Schäden durch entflohene Zuchtlachse für Norwegens bedrohte Wildpopulationen besser zu überwachen und einzudämmen.
Norwegen beherbergt die größten verbliebenen Wildlachsbestände Europas, ist aber gleichzeitig der weltgrößte Produzent von Zuchtlachs. Jährlich entkommen etwa 300.000 Farmfische in die freie Natur. Sie konkurrieren mit Wildlachsen um Nahrung und Laichplätze, übertragen Parasiten wie Seeläuse und verändern durch Einkreuzung die Genetik der Wildbestände – mit der Folge, dass die Anpassungsfähigkeit der Wildlachse sinkt. Genetische Analysen zeigen bereits, dass rund zwei Drittel der norwegischen Wildlachse Spuren von Zuchtlachs-Genen tragen.

Bislang war die Unterscheidung von Wild- und Zuchtlachs aufwendig: Entweder teure DNA-Tests oder manuelle Auswertung der Schuppenringe, die wie Baumringe das Wachstum widerspiegeln. Zuchtlachse wachsen gleichmäßig und schnell, ihre Schuppenringe sind regelmäßig und weit auseinander. Wildlachse zeigen dagegen starke jahreszeitliche Schwankungen durch wechselnde Temperaturen und Nahrungsangebote.
Ein internationales Team um Malte Willmes (Norwegian Veterinary Institute) trainierte ein Convolutional Neural Network mit fast 90.000 Schuppenbildern aus norwegischen Archiven seit den 1930er Jahren. Das Modell liefert nicht nur eine Vorhersage, sondern auch einen Konfidenzwert und verarbeitet Bilder in Sekundenschnelle. Getestet an Daten von 2009 bis 2023 aus Hunderten von Flüssen erreichte es eine Trefferquote von 95 Prozent – deutlich schneller und günstiger als bisherige Methoden.
Die Forscher sehen großes Potenzial für ein flächendeckendes, kostengünstiges Monitoring, das Politik und Fischerei helfen könnte, den Einfluss entflohener Zuchtlachse präzise zu quantifizieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen – ein wichtiger Schritt zum Schutz der letzten großen Wildlachsbestände Europas.
Journal
Biology Methods and Protocols

