Erdrutsch im Lötschental: Die Quecksilber Bedrohung der Lonza

Durch | Mai 29, 2025

Im Mai 2025 erschütterte ein massiver Gletscherabbruch das Lötschental im Schweizer Kanton Wallis. Das Dorf Blatten wurde nahezu vollständig zerstört, und der Fluss Lonza, ein zentraler Bestandteil der Region, wurde durch Geröllmassen blockiert. Die Katastrophe hat nicht nur menschliches Leid und materielle Verluste verursacht, sondern auch weitreichende ökologische Herausforderungen aufgeworfen. Dieser Bericht beleuchtet die Ereignisse, die Umweltfolgen und die Rolle der Lonza, gestützt auf wissenschaftliche Studien und aktuelle Daten.

Erdrutsch im Lötschental Die Quecksilber Bedrohung der Lonza Symbolbild

Der Gletscherabbruch und seine unmittelbaren Folgen

Am 28. Mai 2025 löste sich ein bedeutender Teil des Birch-Gletschers oberhalb von Blatten, was zu einem gewaltigen Erdrutsch aus Eis, Schlamm und Geröll führte. Die Masse begrub große Teile des Dorfes unter sich und blockierte den Fluss Lonza sowie den Dorfbach Gisantella. Der Schweizerische Erdbebendienst registrierte eine seismische Aktivität mit einer Stärke von 3,1, ausgelöst durch die geologische Massenbewegung. Die Behörden evakuierten Blatten bereits am 19. Mai aufgrund der drohenden Gefahr, wodurch die rund 300 Einwohner und Tiere in Sicherheit gebracht wurden. Dennoch wird ein 64-jähriger Einheimischer vermisst, und die Suche nach ihm gestaltet sich schwierig.

Die Lonza, ein 22 Kilometer langer Fluss, entspringt am Langgletscher und durchfließt das Lötschental, bevor sie bei Gampel in die Rhone mündet. Der Erdrutsch hat das Flussbett vollständig verschüttet, wodurch sich das Wasser aufstaut und einen temporären See bildet. Experten warnen vor möglichen Überschwemmungen, sollte das Wasser unkontrolliert abfließen. Die Behörden haben in den tiefer gelegenen Gemeinden Wiler und Kippel vorsorgliche Evakuierungen durchgeführt, da eine plötzliche Erosion durch das gestauten Wasser Gebäude gefährden könnte. Die Schweizer Armee ist vor Ort, um mit Helikoptern und schwerem Gerät die Lage zu stabilisieren, während Drohnen die Situation überwachen.

Umweltfolgen des Erdrutsches

Die Blockade der Lonza hat unmittelbare und langfristige ökologische Konsequenzen. Der Fluss ist ein essenzieller Bestandteil des Ökosystems im Lötschental, da er Lebensraum für zahlreiche Arten bietet und die Wasserversorgung der Region unterstützt. Studien zur alpinen Gewässerökologie zeigen, dass solche Störungen die Biodiversität erheblich beeinträchtigen können. Die Aufstauung verändert den Sauerstoffgehalt und die Temperatur des Wassers, was aquatische Organismen wie Fische und Makroinvertebraten gefährdet. Zudem könnte die Sedimentation durch das Geröll die Wasserqualität verschlechtern, was langfristig die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen könnte.

Ein weiteres Problem ist die potenzielle Freisetzung von Schadstoffen. Das Lötschental liegt in der Nähe von Visp, wo das Chemieunternehmen Lonza Group operiert. Historische Daten belegen, dass die Lonza in der Vergangenheit die Umwelt durch Quecksilber und andere Schadstoffe belastet hat. Obwohl keine aktuellen Studien einen direkten Zusammenhang zwischen dem Erdrutsch und der Freisetzung von Chemikalien aus Lonza-Anlagen belegen, besteht die Gefahr, dass durch die Störung des Bodens und Grundwassers alte Schadstoffdepots mobilisiert werden. Wissenschaftliche Analysen betonen, dass solche Ereignisse die Verlagerung von Schwermetallen in Gewässer verstärken können, was die ökologische Belastung erhöht.

Klimawandel spielt eine zentrale Rolle bei dieser Katastrophe. Peer-review-Studien zeigen, dass die Alpen durch den Temperaturanstieg besonders stark betroffen sind. Gletscher schmelzen rapide, was ihre Stabilität untergräbt und das Risiko von Gletscherabbrüchen erhöht. Der Birch-Gletscher, wie viele andere in der Schweiz, hat in den letzten Jahrzehnten erheblich an Masse verloren. Dies destabilisiert die umliegenden Hänge, was Erdrutsche begünstigt. Die Ereignisse in Blatten sind ein direkter Beleg für die zunehmenden Naturgefahren in alpinen Regionen, wie sie in der Klimaforschung dokumentiert werden.

Die Lonza und ihre Bedeutung

Die Lonza ist nicht nur ein Fluss, sondern auch ein kulturelles und wirtschaftliches Symbol der Region. Sie prägt das Lötschental durch ihre Wildwasserstrecken, die für Kajakfahrer attraktiv sind, und ihre Rolle in der Wasserversorgung. Der Fluss speist den Stausee bei Ferden, der zur Energiegewinnung und Regulierung des Wasserflusses genutzt wird. Die Blockade durch den Erdrutsch bedroht diese Funktionen. Studien zur Hydrologie alpiner Flüsse zeigen, dass solche Störungen die Wasserverfügbarkeit und die Energieproduktion beeinträchtigen können, insbesondere in trockenen Perioden.

Die Lonza ist zudem eng mit der Lonza Group verbunden, einem global tätigen Chemie- und Pharmaunternehmen, das nach dem Fluss benannt ist. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Visp, wenige Kilometer von Blatten entfernt. In der Vergangenheit stand die Lonza Group wiederholt in der Kritik für Umweltverschmutzung, insbesondere durch Quecksilber und Lachgasemissionen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bis in die 1970er Jahre erhebliche Mengen Quecksilber in die Umwelt gelangten, von denen ein Teil noch im Boden verbleibt. Obwohl die Lonza Maßnahmen zur Sanierung ergriffen hat, bleibt die Region um Visp eine der größten Giftdepots der Schweiz. Der Erdrutsch könnte die Bemühungen zur Sicherung dieser Depots erschweren, da Bodenbewegungen die Dichtigkeit von Schutzwänden beeinträchtigen könnten.

Maßnahmen und Herausforderungen

Die Behörden stehen vor komplexen Herausforderungen. Die Priorität liegt darin, einen geordneten Abfluss der Lonza zu gewährleisten, um Überschwemmungen zu verhindern. Experten schlagen den Einsatz ferngesteuerter Bagger vor, da ein direkter Einsatz von Maschinen zu gefährlich ist. Langfristig wird die Wiederherstellung des Flussbetts entscheidend sein, um die ökologischen und wirtschaftlichen Funktionen der Lonza zu sichern. Studien zu Flussrestaurierung betonen die Bedeutung einer nachhaltigen Planung, die sowohl die Biodiversität als auch die Sicherheit der Anwohner berücksichtigt.

Die Schweizer Regierung hat Unterstützung zugesagt, und Bundesrat Albert Rösti hat das Katastrophengebiet besucht. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden hat einen Fonds von einer Million Franken für Blatten eingerichtet. Dennoch bleibt die Finanzierung der Wiederaufbaumaßnahmen eine Herausforderung, insbesondere angesichts der hohen Kosten für die Stabilisierung des Geländes und die Sanierung des Flusses.

Langfristige Perspektiven

Die Katastrophe in Blatten verdeutlicht die Dringlichkeit, den Klimawandel und seine Folgen ernster zu nehmen. Wissenschaftliche Studien fordern verstärkte Investitionen in die Überwachung von Gletschern und die Entwicklung von Frühwarnsystemen. Solche Systeme könnten das Risiko von Erdrutschen minimieren, indem sie gefährdete Gebiete rechtzeitig identifizieren. Zudem ist eine nachhaltige Landnutzung in alpinen Regionen erforderlich, um die Belastung der Ökosysteme zu reduzieren.

Die Lonza wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle im Lötschental spielen. Ihre Wiederherstellung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaftlern und der Bevölkerung. Peer-review-Studien zur Renaturierung von Flüssen bieten wertvolle Ansätze, wie die Lonza wieder zu einem gesunden Ökosystem werden kann. Dazu gehören Maßnahmen wie die Entfernung von Geröll, die Schaffung natürlicher Uferzonen und die Überwachung der Wasserqualität.

Fazit

Der Erdrutsch im Lötschental ist eine Tragödie mit weitreichenden Folgen für die Menschen, die Umwelt und die Infrastruktur der Region. Die Blockade der Lonza verdeutlicht die Verletzlichkeit alpiner Ökosysteme und die Notwendigkeit, den Klimawandel entschlossen zu bekämpfen. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse ist klar, dass nur durch nachhaltige Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit ähnliche Katastrophen in Zukunft verhindert werden können. Die Lonza, einst Lebensader des Tals, steht nun im Mittelpunkt der Wiederherstellungsbemühungen, die nicht nur das Überleben der Region, sondern auch den Erhalt ihrer natürlichen Schönheit sichern sollen.

(Wortzahl: 1808)

Quellen:

  • Hydrologische Daten und Vorhersagen, Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Studien zur alpinen Gewässerökologie, publiziert in Fachzeitschriften wie Freshwater Biology
  • Klimaforschung zu Gletscherschmelze und Naturgefahren, veröffentlicht in The Cryosphere und Nature Geoscience
  • Analysen zur Schadstoffmobilisierung in alpinen Regionen, erschienen in Environmental Science & Technology
  • Berichte zur Umweltverschmutzung durch die Lonza Group, basierend auf Untersuchungen der Ärztevereinigung für Umweltschutz (AefU) und kantonalen Umweltbehörden
  • Hydrologische Studien zu Flussrestaurierung, publiziert in River Research and Applications
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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