
Das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) und das Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) haben in einer gemeinsamen Flugkampagne erstmals seit zwei Jahrzehnten Aerosol-Messungen tief über dem antarktischen Plateau durchgeführt. Ziel der Kampagne SANAT (Spatial distribution of ANtarctic Aerosol and Trace gases) ist es, die Wechselwirkungen zwischen Aerosolen und Wolken in der Antarktis besser zu verstehen und damit die Rolle des Kontinents im globalen Klimasystem genauer abzuschätzen.
Die weißen Eisflächen und Wolken der Antarktis reflektieren große Mengen an Sonnenstrahlung zurück ins All und tragen so entscheidend zur Abkühlung des Planeten bei. Wolken entstehen, wenn Wasserdampf an winzigen Aerosolpartikeln kondensiert. In der antarktischen Atmosphäre sind Aerosole jedoch extrem selten – ihre Häufigkeit und Zusammensetzung beeinflussen daher stark die Wolkenbildung und damit die Albedo des Systems.
„Wir untersuchen, aus welchen natürlichen und anthropogenen Quellen Aerosole stammen, unter welchen Bedingungen neue Partikel entstehen und wie sich ihre Eigenschaften während des Transports über Ozean, Schelfeis und Kontinent verändern“, erklärte Dr. Zsófia Jurányi vom AWI, die die Kampagne gemeinsam mit Dr. Frank Stratmann (TROPOS) und Prof. Stephan Borrmann (MPIC) leitet. Besonderes Augenmerk gilt Partikeln, die als Kondensationskerne oder Eiskeime wirken und damit die Bildung von Flüssig-, Misch- oder Eiswolken bestimmen.
Im Januar und Februar 2026 flog das AWI-Forschungsflugzeug Polar 6 zehn Messflüge von der Neumayer-Station III bis zum 80. südlichen Breitengrad. Die Flüge reichten weit ins Landesinnere und lieferten die ersten umfassenden Daten über Aerosole über dem antarktischen Plateau. Vergleichbare Messungen gab es zuletzt vor 20 Jahren – damals beschränkt auf den Küstenbereich.
An Bord und hinter dem Flugzeug kam unter anderem die Schleppsonde „T-Bird“ zum Einsatz, die an einem 60 Meter langen Kabel Daten zu Aerosolhäufigkeit, chemischer Zusammensetzung und meteorologischen Parametern sammelt. Ergänzt wurden die Flugdaten durch bodengebundene Messungen an der Neumayer-Station III. Eine erste Auswertung zeigte bereits unerwartet hohe Aerosolkonzentrationen und interessante chemische Zusammensetzungen im Landesinneren.
„Die Antarktis ist eine Schlüsselregion des globalen Klimasystems – sie reagiert auf den Klimawandel und beeinflusst ihn zugleich“, betonte Jurányi. Die neuen Daten sollen Wettervorhersagen und Klimamodelle verbessern sowie den Einfluss von Wolken-Aerosol-Wechselwirkungen auf das zukünftige Klima präziser abschätzen helfen.
Die Polar 6 ist eines der beiden speziell ausgerüsteten Polarflugzeuge des AWI und seit 2007 weltweit für atmosphärische und glaziologische Forschung im Einsatz. Die Kampagne baut auf langjährigen bodengebundenen Messungen an der Neumayer-Station III auf, darunter seit 2019 kontinuierliche Messungen von Wolkenkondensationskernen und Eiskeimen sowie Lidar- und Radarmessungen im Jahr 2023/24.
Die umfangreichen Datensätze werden in den kommenden Monaten detailliert ausgewertet.


