
Die Fachhochschule Wedel startet zum 1. Januar 2026 das Forschungsprojekt „Urban Farming 4.0“ und richtet auf ihrem Campus ein umfangreiches Testlabor ein, das verschiedene Formen städtischer Lebensmittelproduktion unter einem Dach vereint: Hydroponik, automatisierte Beete, Aquaponik, klassische Beete, Gewächshäuser und mehrere Bienenvölker. Mit Sensorik, IoT und KI werden digitale Zwillinge der Anbausysteme erstellt und eine automatische Biodiversitätserkennung entwickelt, die Pflanzenvielfalt, Gesundheit und Insektenaufkommen erfasst. Ziel ist es, Effizienz, Nachhaltigkeit und ökologische Wirkung urbaner Anbausysteme ganzheitlich zu bewerten und zu optimieren. Das Projekt hat ein Volumen von 1,169 Millionen Euro.

Quelle Inga Nissen Camargo
Copyright FH Wedel
Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung soll Urban Farming als lokale Ergänzung zur konventionellen Landwirtschaft dienen – von Kleingärten über Hobbyimkerei bis zu hochtechnisierten Systemen. Der neue Forschungsraum schafft erstmals eine praxisnahe Vergleichsumgebung für diese unterschiedlichen Ansätze. Digitale Zwillinge simulieren technische und biologische Prozesse, während KI-gestützte Kameras quantitative Daten zur Biodiversität liefern. Die Ergebnisse fließen in eine Open-Source-Plattform, die künftig auch privaten Stadtgärtnern zur Verfügung stehen soll.
Der Forschungsraum ist fest in die Lehre integriert und bietet Studierenden reale Projekt- und Abschlussarbeiten an der Schnittstelle von Automatisierung, Industrie 4.0, Agrartechnik und Biodiversitätsforschung. Öffentliche Workshops und Kooperationen mit lokalen Vereinen sorgen für Wissenstransfer in die Praxis. Internationale Summerschools – bereits erfolgreich durchgeführt und für 2028/2029 geplant – stärken den globalen Austausch.
Das Projekt wird von einem breiten Netzwerk getragen: Expertinnen und Experten der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Hamburg sowie regionale Verbände wie der Landesverband Schleswig-Holstein der Gartenfreunde, der Streuobstwiesenverein Wedel, der Imkerverband und der Bauernverband unterstützen Forschung und Umsetzung. Damit entsteht an der FH Wedel eine einzigartige Infrastruktur, die technische Innovation mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.

