Fischerschöpfungstag 2024: Deutschland vor Ostern auf Importe angewiesen

Durch | April 1, 2025
Deutschland isst zu viel Fisch. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC

Bonn – Die Deutschen haben im Jahr 2024 pro Kopf 12,1 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte konsumiert, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in ihrer vorläufigen Versorgungsbilanz Fisch 2024 berichtet. Besonders an Ostern, wenn Fisch traditionell auf den Tisch kommt, zeigt sich jedoch ein Problem: Bereits am 15. März waren die heimischen Fischressourcen rechnerisch aufgebraucht. Deutschland ist damit früh im Jahr auf Importe angewiesen – ein Trend, der die Abhängigkeit von globalen Lieferketten verdeutlicht.

Deutschland isst zu viel Fisch. Credits: Pugnalom by LabNews Media LLC
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Selbstversorgung bei nur 20 Prozent

Von den rund einer Million Tonnen Fisch, die 2024 in Deutschland verzehrt wurden, stammen lediglich 20 Prozent aus heimischer Produktion. Die restlichen 80 Prozent wurden importiert. Die gesamte deutsche Fischproduktion belief sich auf 207.100 Tonnen, wovon 154.400 Tonnen auf Fischereianlandungen im Ausland entfielen. Binnenfischerei und Aquakultur steuerten gemeinsam 37.100 Tonnen bei, während die Küstenfischerei mit nur 15.600 Tonnen einen Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete. „Den Fisch auf unseren Tellern holen wir uns mehrheitlich aus anderen Meeresregionen und tragen dort Verantwortung für die Konsequenzen“, betont Gerlinde Geltinger, Pressesprecherin des Marine Stewardship Council (MSC) für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Früh erschöpfte Ressourcen

Der sogenannte Fischerschöpfungstag, der den Zeitpunkt markiert, an dem die heimischen Fischbestände aufgebraucht sind, fiel 2024 auf den 15. März. Damit ist Deutschland bereits vor Ostern auf Importe angewiesen – ein Weckruf für einen bewussteren Umgang mit der Ressource Fisch.

Nachhaltigkeit im Fokus

Angesichts globaler Herausforderungen wie Überfischung – 38 Prozent der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt –, Beifang, illegaler Fischerei und Umweltschäden durch Aquakultur wird nachhaltiger Konsum immer wichtiger. Gesetzliche Regelungen und Kontrollen allein reichen nicht aus, um die Meere zu schützen. Hier setzen Zertifizierungen wie das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei und das ASC-Siegel für verantwortungsvolle Aquakultur an. Beide Programme bieten Transparenz und strenge Standards entlang der Lieferkette und helfen Verbrauchern, verantwortungsvolle Kaufentscheidungen zu treffen – etwa für ein nachhaltiges Osterfest.

Orientierung für Verbraucher

„MSC und ASC bieten eine verlässliche Orientierung“, heißt es in der Mitteilung der BLE. Während das MSC-Siegel wild gefangenen Fisch aus nachhaltigen Beständen kennzeichnet, steht das ASC-Siegel für umweltfreundliche Fischzucht. Beide Zertifikate tragen dazu bei, marine Ökosysteme zu schützen und die Biodiversität zu fördern.

Blick nach vorn

Die Zahlen der BLE zeigen: Der deutsche Fischkonsum bleibt hoch, doch die heimische Produktion kann den Bedarf bei Weitem nicht decken. Der Rückgang der Küstenfischerei um 34 Prozent verstärkt die Importabhängigkeit zusätzlich. Um die Zukunft der Meere und heimischen Gewässer zu sichern, appelliert die BLE an Verbraucher, verstärkt auf nachhaltig zertifizierte Produkte zu setzen. Nur so könne der Fisch auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Esskultur bleiben – nicht nur an Ostern.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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