Folgen des Glyphosateinsatzes in den USA: Medizinischer Überblick auf Basis peer-reviewter Studien

Durch | April 25, 2025

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid und wird insbesondere in den USA seit der Einführung glyphosatresistenter, gentechnisch veränderter Nutzpflanzen in den 1990er Jahren massiv verwendet. Die wissenschaftliche Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen ist komplex und Gegenstand anhaltender Kontroversen zwischen Behörden und unabhängiger Forschung.

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Expositionslage in der US-Bevölkerung

Mehr als 80 % der US-Bevölkerung ab 6 Jahren weisen nach aktuellen Daten nachweisbare Glyphosatwerte im Urin auf[5][4]. Die Belastung ist in landwirtschaftlich geprägten Regionen besonders hoch und hat seit Einführung gentechnisch veränderter, glyphosatresistenter Pflanzen um etwa 500 % zugenommen[4]. Die US-Behörde CDC bestätigte diese hohe Durchdringung in einer repräsentativen Studie[5].

Perinatale und kindliche Gesundheitseffekte

Mehrere aktuelle, peer-reviewte Studien belegen signifikante negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Neugeborenen und Kindern in Gebieten mit hoher Glyphosatexposition. So zeigen Daten aus dem „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (2025), dass die Einführung glyphosatresistenter Pflanzen und der damit verbundene Glyphosateinsatz zu einer signifikanten Reduktion von Geburtsgewicht und Gestationsdauer geführt hat. Besonders betroffen sind Kinder im niedrigsten Geburtsgewichtsdezil, bei denen der Effekt 12-fach stärker ausfiel als im höchsten Dezil[8][2][4]. Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht sind mit erheblichen Folgekosten und erhöhtem Krankheitsrisiko assoziiert.

Eine weitere Studie aus Kalifornien (Salinas Valley) dokumentiert, dass Kindheitsexposition zu Glyphosat mit Leberentzündungen und metabolischen Störungen im jungen Erwachsenenalter einhergeht, was das Risiko für Leberkrebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht[6].

Neurologische und psychische Effekte

Tierexperimentelle und epidemiologische Studien deuten auf eine Beeinträchtigung des Nervensystems durch chronische Glyphosatexposition hin. Eine US-Studie fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen Glyphosat im Urin und erhöhten Werten des Neurofilament-Leichtketten-Proteins (NfL), einem Biomarker für neuronalen Schaden, insbesondere bei Erwachsenen über 40 Jahren[4]. Tierstudien zeigen zudem, dass pränatale und frühkindliche Glyphosatexposition zu Angst- und Depressions-ähnlichem Verhalten führen kann, vermutlich vermittelt über Veränderungen der Darm-Hirn-Achse[4][3].

Reproduktionsmedizinische und endokrine Effekte

Mehrere Studien beschreiben Glyphosat und glyphosathaltige Herbizide als endokrine Disruptoren, die das hormonelle Gleichgewicht stören können[1][4]. Eine französische Studie fand signifikant erhöhte Glyphosatkonzentrationen im Sperma infertiler Männer, verbunden mit oxidativem Stress und eingeschränkter Spermienqualität[4]. Epidemiologische Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen Glyphosatexposition und verminderter Fruchtbarkeit sowie gestörter Reproduktionsgesundheit hin.

Krebsrisiko und regulatorische Bewertung

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stufte Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein[3][6]. Demgegenüber sehen US-Behörden wie die EPA nach aktueller Datenlage kein erhöhtes Krebsrisiko für Menschen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch[7][1]. Allerdings kritisieren unabhängige Wissenschaftler die starke Abhängigkeit der Behörden von industriefinanzierten und nicht peer-reviewten Studien[4]. Die US-Behörde ATSDR stellte 2019 fest, dass mehrere Studien ein erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome und multiples Myelom zeigen[4].

Weitere gesundheitliche Effekte

  • Darmmikrobiom: Glyphosat kann die Zusammensetzung des menschlichen Darmmikrobioms verändern und wird mit Dysbiosen in Verbindung gebracht, die wiederum chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und psychische Störungen begünstigen könnten[4].
  • Anämie: Eine US-Studie fand einen Zusammenhang zwischen Glyphosat im Urin und erniedrigten Hämoglobin- und Hämatokritwerten, was auf ein erhöhtes Anämierisiko hindeutet[4].
  • Genotoxizität: Neuere Studien berichten über DNA-Schäden und chromosomale Veränderungen nach Glyphosatexposition, insbesondere bei chronischer Belastung[4].

Fazit und Ausblick

Die aktuelle Studienlage weist auf eine Vielzahl potenzieller gesundheitlicher Risiken durch Glyphosateinsatz in den USA hin, insbesondere für Schwangere, Kinder und Menschen in landwirtschaftlichen Regionen. Während die offiziellen Bewertungen der US-Behörden bislang kein signifikantes Risiko sehen, fordern unabhängige Wissenschaftler angesichts neuerer epidemiologischer und experimenteller Befunde eine Neubewertung der Grenzwerte und eine stärkere Berücksichtigung chronischer und subklinischer Effekte. Die Diskrepanz zwischen regulatorischer Einschätzung und unabhängiger Forschung unterstreicht die Notwendigkeit international harmonisierter, transparenter und unabhängiger Risikobewertung.

Quellen:
[1] Overview of human health effects related to glyphosate exposure https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11445186/
[2] Study links increased glyphosate exposure to harmful effects on … https://www.news-medical.net/news/20250121/Study-links-increased-glyphosate-exposure-to-harmful-effects-on-infant-health.aspx
[3] Toxic Effects of Glyphosate on the Nervous System – PubMed Central https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9101768/
[4] Glyphosate: Cancer and other health concerns – USRTK.org https://usrtk.org/pesticides/glyphosate-health-concerns/
[5] Exposure to glyphosate in the United States: Data from the 2013 … https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10240384/
[6] Childhood exposure to common herbicide may increase the risk of … https://publichealth.berkeley.edu/news-media/research-highlights/childhood-exposure-to-common-herbicide-may-increase-the-risk-of-disease-in-young-adulthood
[7] Glyphosate | US EPA https://www.epa.gov/ingredients-used-pesticide-products/glyphosate
[8] Glyphosate exposure and GM seed rollout unequally … – PNAS https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2413013121
[9] Glyphosate Use, Toxicity and Occurrence in Food – PMC https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8622992/
[10] [PDF] Health effects in populations exposed to glyphosate: a review https://portal.amelica.org/ameli/journal/646/6462850006/6462850006.pdf
[11] [PDF] Glyphosate Scientific Review Phase 1 Report – Mass.gov https://www.mass.gov/doc/glyphosate-scientific-review-phase-1-june-6-2022/download
[12] GLYPHOSATE IMPACT on human health and the environment https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0045653523020799
[13] A review of the carcinogenic potential of glyphosate by four … https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10408444.2016.1214677
[14] Overview of human health effects related to glyphosate exposure https://www.frontiersin.org/journals/toxicology/articles/10.3389/ftox.2024.1474792/full
[15] Exposure to glyphosate in the United States: Data from the 2013 … https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36368224/
[16] Association between glyphosate exposure and cardiovascular … https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014765132401635X

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