Giftalarm in Osterwieck: Hochgiftiges Arsen nach Einbruch freigesetzt

Durch | Juli 22, 2025
Credits: Mathias Reding, pexels

Ein Einbruch in eine Firma am Stadtrand von Osterwieck im Landkreis Harz hat eine gefährliche Umweltkontamination ausgelöst: Hochgiftiges Arsen in Pulver- und Granulatform gelangte in die Umgebung. Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und ABC-Spezialisten sind im Großeinsatz, während die Kriminalpolizei, unterstützt vom Landeskriminalamt (LKA), die Umstände und möglichen Diebstähle von Chemikalien untersucht.

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Am Dienstagmorgen wurde der Einbruch in das Unternehmen gemeldet, das hochreine Metalle für die Elektronik- und Halbleiterindustrie produziert. Nach ersten Erkenntnissen wurden Chemikalien, darunter Arsen, freigesetzt. An neun Fundstellen auf dem Firmengelände und einem angrenzenden Feld entdeckte die Einsatzleitung beschädigte Behälter. Laut Landkreis Harz fehlen vier Flaschen mit insgesamt zwei Litern Arsen, was die Ermittlungen erschwert. Das Gebiet in der Hoppenstedter Straße ist weiträumig abgesperrt, die Landesstraße 87 gesperrt. Drohnen und ein mobiles Labor des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz unterstützen die Analytik vor Ort.

Arsenanalytik: Präzision unter Zeitdruck
Arsen, ein krebserregendes Halbmetall, erfordert spezialisierte Analysemethoden, um seine Konzentration und Spezies (anorganisch oder organisch) zu bestimmen. Moderne Verfahren wie die Induktiv Gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie (ICP-MS), oft mit Ionenchromatographie (IC) gekoppelt, ermöglichen die Unterscheidung von toxischen anorganischen Formen (AsIII, AsV) und weniger schädlichen organischen Verbindungen wie Monomethylarsonsäure (MMA) oder Dimethylarsinsäure (DMA). Diese Methode, die nach DIN EN ISO 16802:2016 standardisiert ist, erreicht Bestimmungsgrenzen von 10 µg/kg und wird etwa für Lebensmittel wie Reis oder Böden eingesetzt. Im vorliegenden Fall ist die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) für die schnelle, zerstörungsfreie Vor-Ort-Analyse relevant. Mit tragbaren RFA-Geräten können Einsatzkräfte innerhalb von Sekunden Arsen in Böden oder auf Oberflächen nachweisen, indem charakteristische Röntgenlinien (K?, K?) analysiert werden.

Die Analytik vor Ort ist problematisch, da Probenvorbereitung oft entfällt und Umweltfaktoren wie Feuchtigkeit die Messgenauigkeit beeinflussen können. Für präzise Ergebnisse wird Boden- oder Wasserproben im Labor mittels Königswasserextrakt aufgeschlossen, um Arsen freizusetzen, bevor es mit ICP-MS oder Atomabsorptionsspektroskopie (AAS) quantifiziert wird. Solche Analysen sind entscheidend, um die Ausbreitung und potenzielle Gesundheitsrisiken zu bewerten. In Osterwieck wird das mobile Labor vermutlich RFA und erste chemische Tests nutzen, um die Kontamination schnell einzuschätzen, während detaillierte Laboranalysen folgen.

Gesundheits- und Umweltgefahren
Arsen ist hochgiftig und kann über Lunge oder Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, was zu Lungen-, Haut- oder Blasenkrebs sowie Herz-Kreislauf-Schäden führen kann. Die Umgebung des Firmengeländes, umgeben von Ackerflächen, birgt Risiken für Boden- und Grundwasserkontamination. Die EFSA stuft anorganisches Arsen als besonders gefährlich ein, da es in Böden und Wasser akkumulieren kann. Der Landkreis betont, dass die Ausbreitung lokal begrenzt ist, doch die vermissten Arsenflaschen erhöhen die Sorge um weitere Verunreinigungen.

Aufruf an die Bevölkerung
Die Behörden fordern Anwohner auf, verdächtige Behälter nicht zu berühren und den Notruf 112 zu wählen. Ein Bürgertelefon (03941/59704209) steht bereit. Die Lage ist laut Einsatzleitung unter Kontrolle, doch die Suche nach den Tätern und den fehlenden Arsenflaschen läuft weiter. Langfristige Untersuchungen werden klären, ob Boden und Wasser nachhaltig geschädigt sind.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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