
Angesichts zunehmender Dürren und Wasserknappheit in Südeuropa stellt die Entsalzung von Meerwasser eine vielversprechende Lösung zur Sicherung der Süßwasserversorgung dar. Ein bahnbrechendes Projekt der Nationalen Technischen Universität Athen (NTUA) im Rahmen des EU-finanzierten WalNUT-Projekts geht jedoch noch weiter: Es verwandelt die bei der Entsalzung anfallende Salzlake in wertvolle Rohstoffe für die Düngemittelherstellung und fördert damit eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Wasserknappheit: Eine wachsende Herausforderung für Europa
Europa steht vor einer ernsten Wasserkrise, die durch den Klimawandel verschärft wird. Laut dem Water Exploitation Index Plus (WEI+) der Europäischen Umweltagentur waren 2022 Zypern (92 %) und Malta (61 %) besonders stark betroffen, während Länder wie Griechenland, Spanien und Italien ebenfalls hohe Werte zwischen 30 und 38 % aufwiesen. In diesem Sommer war ein Drittel der EU-Landfläche von Trockenheit betroffen, was 41 % der Bevölkerung belastete. Die steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmuster setzen die Wasserversorgung insbesondere in touristisch geprägten Sommermonaten unter Druck.
Entsalzung: Lösung mit Herausforderungen
Die Entsalzung von Meerwasser ist eine etablierte Technologie, die sauberes Trinkwasser liefert, indem Salz und Verunreinigungen entfernt werden. Allerdings erzeugt der Prozess große Mengen an Salzlake, einer konzentrierten Salzlösung, die oft ins Meer zurückgeleitet wird. Dies kann den Salzgehalt und die Temperatur des Meerwassers erhöhen, den Sauerstoffgehalt senken und chemische Rückstände freisetzen, was negative Umweltauswirkungen hat.
WalNUT-Projekt: Salzlake als Ressource
Unter der Leitung von Dr. Maria Kyriazi, Chemieingenieurin an der NTUA, entwickelt das WalNUT-Projekt eine innovative Lösung, um diese Umweltprobleme zu lösen. Anstatt die Salzlake als Abfall zu behandeln, gewinnt das Projekt wertvolle Mineralien wie Magnesium, Kalium und Natriumchlorid zurück, die als Düngemittel genutzt werden können. Dies reduziert nicht nur die Umweltbelastung, sondern stärkt auch die Unabhängigkeit Europas von importierten Düngemitteln, was im Kontext von Ernährungssicherheit und globalen Lieferkettenunterbrechungen entscheidend ist.
„Das Neue an unserem Ansatz ist, dass wir die Entsalzung in ein zirkuläres System integrieren“, erklärt Dr. Kyriazi. „Wir gewinnen hochreines Wasser und gleichzeitig marktfähige Sekundärrohstoffe, die die Abhängigkeit von Importen verringern und ein nachhaltigeres Landwirtschaftssystem fördern.“

Wasseraufbereitungsanlage Credits Pixabay
Modulares System für flexible Anwendungen
Das Soleaufbereitungssystem der NTUA ist modular und in Containern untergebracht, was eine einfache Installation in abgelegenen Regionen, kleinen Inselgemeinden oder landwirtschaftlichen Zonen ermöglicht. Der Prozess umfasst fünf Schritte:
- Fällung: Rückgewinnung von Magnesiumhydroxid und Calciumcarbonat.
- Nanofiltration: Entfernung verbleibender zweiwertiger Ionen.
- Verdampfung: Kristallisation von Natriumchlorid.
- Weitere Verdampfung: Gewinnung von Kaliumchlorid.
- Flotation: Abtrennung von Kaliumchlorid für die Düngemittelproduktion.
Die Demo-Anlage ist derzeit auf Zypern in der Nähe einer Entsalzungsanlage im Einsatz, wo sie aufgrund der akuten Wasserknappheit besonders relevant ist. Die lokale Bevölkerung hat positiv auf die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile reagiert.
Griechenland als Vorreiter
Griechenland könnte mit dieser Technologie eine führende Rolle im Export nachhaltiger Entsalzungslösungen übernehmen. „Griechische Anbieter sind bereits in Europa, Afrika und Asien aktiv. Wir haben das Know-how, um diese Lösungen global zu verbreiten“, betont Dr. Kyriazi. Das Projekt steht im Einklang mit den Zielen des EU Green Deal und der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“, die auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz abzielen.
Ein Schritt in eine nachhaltige Zukunft
Das WalNUT-Projekt zeigt, wie wissenschaftliche Innovationen reale Herausforderungen lösen können. „Die Chance, Abfall in Ressourcen zu verwandeln, ist das, was mich als Wissenschaftlerin und Bürgerin begeistert“, sagt Dr. Kyriazi. „Wir schaffen eine widerstandsfähigere Zukunft für unsere Gemeinschaften.“
Quelle: youris.com
Hinweis: Dieser Bericht basiert auf dem Artikel „Salz der Erde: Griechenlands neueste Kreislauflösung für Wasser- und Düngemittelsicherheit“ von Massimiliano Saltori, veröffentlicht am 01.08.2025 auf youris.com

