
Seit März 2025 leidet Nigeria unter einer extremen Hitzewelle, die Temperaturen bis 44,8°C in Sokoto und den zweiten Strom-Blackout des Jahres ausgelöst hat. Eine neue Analyse von Olagunju Olasunkanmi O, veröffentlicht in der Nature Ecology & Evolution Community, beleuchtet die verheerenden Auswirkungen auf die sozioökonomische Lage, Umwelt und Sicherheit des Landes. Der Bericht, gestützt auf Daten der Nigerian Meteorological Agency (NiMet) und internationale Studien, fordert dringende Maßnahmen wie Aufforstung und Bewässerung, um die Krise einzudämmen.
Hintergrund: Nigeria im Fokus des Klimawandels
Mit über 220 Millionen Einwohnern ist Nigeria besonders anfällig für den Klimawandel. Landwirtschaft, die 70 Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt und 25 Prozent des BIP ausmacht, hängt von Regen ab – doch nur 1 Prozent der Flächen sind bewässert. Die Hitzewelle, mit Spitzen über 40°C in Kebbi, Jalingo und Yola, verschärft Dürren im Norden und Starkregen im Süden. Laut IPCC drohen bis 2080 Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent im Norden, während die Lebensmittel-Inflation 2025 auf 20 Prozent steigen könnte. Der Cadre Harmonisé-Bericht prognostiziert, dass 33,1 Millionen Menschen akute Nahrungsmittelunsicherheit erleben, 1,8 Millionen in Notlage.
Sozioökonomische Krise: Handel und Gesundheit unter Druck
Die Hitzewelle lähmt den Alltag: In Städten wie Kano, Kaduna und Sokoto, wo Temperaturen monatelang über 32°C liegen, brechen Märkte zusammen, da Händler und Käufer unter Hitze leiden. Tourismus und soziale Aktivitäten wie Familienbesuche nehmen ab, da Reisen ohne Klimaanlage bei über 27°C unerträglich werden. In Lagos und Abuja verstärkt der „Urban Heat Island“-Effekt die Belastung, was zu Stromausfällen führt. Gesundheitlich häufen sich Fälle von Hitzeschlag, Dehydration und Hautausschlägen; die Nigeria Medical Association startet Aufklärungskampagnen. Die Landwirtschaft leidet unter Ernteverlusten, was die Importabhängigkeit und Preise treibt, während über die Hälfte der Bevölkerung von weniger als 2 US-Dollar täglich lebt.

Umweltfolgen: Dürren, Überschwemmungen und Biodiversitätsverlust
Im Norden verschärfen Dürren die Desertifikation, im Süden (Abuja, Lagos, Ibadan) zerstören Starkregen Ernten. Diese extremen Wettermuster stören traditionelle Regenzyklen, bedrohen die Biodiversität und Wasserressourcen. Prognosen warnen vor einem Rückgang der Erträge um bis zu 50 Prozent bis 2080. NiMet hat für 19 Bundesstaaten eine „Heat Stress Watch“ ausgerufen, die besonders Schwangere, Kinder und Fastende im Ramadan gefährdet. Experten fordern bessere Überwachung und Forschung zu Hitzewellen-Risiken.
Sicherheitsrisiken: Ressourcenkonflikte eskalieren
Die Hitzewelle treibt Konflikte um Land, besonders zwischen Farmern und Fulani-Hirten im Norden (Yobe, Borno, Jos). Dürren zwingen Hirten, in fruchtbare Gebiete zu ziehen, was zu Gewalt führt – in Benue starben 2025 allein 56 Menschen. Der Klimawandel verschärft diese Konflikte, die oft entlang ethnischer und religiöser Linien eskalieren, wobei Frauen besonders betroffen sind. Seit den Sahel-Dürren der 1970er Jahre haben sich Hirtenrouten verändert, was die Ressourcenknappheit weiter anheizt.
Lösungsansätze: Dringende Maßnahmen erforderlich
Olagunju fordert eine umfassende Politikänderung: Aufforstung, Bewässerung und nachhaltige Landnutzung könnten Dürren und Konflikte mildern. Nigeria hat das Pariser Abkommen unterzeichnet, zielt auf Null-Gasfackeln bis 2030, doch die Umsetzung hinkt. Internationale Partner wie die UN und ECOWAS fördern Dialoge zwischen Farmern und Hirten sowie klimasmart Agriculture. Ohne schnelles Handeln droht ein Kreislauf aus Armut, Hunger und Instabilität.
Die Analyse zeigt: Der Klimawandel ist in Nigeria eine unmittelbare Bedrohung, die ganzheitliche Lösungen von lokalen Gemeinden bis zur globalen Finanzierung erfordert.
Quellen:
- Olagunju, Olasunkanmi O. (2025). Tripartite Analysis of Effect of Climate Change in Nigeria. Nature Ecology & Evolution Community. https://www.nature.com/articles/s41559-025-02234-7
- Nigerian Meteorological Agency (NiMet). (2025). Heat Stress Watch Reports. https://nimet.gov.ng/heat-stress-watch-2025
- IPCC. (2022). Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/
- World Bank. (2024). Nigeria Climate and Development Report. https://www.worldbank.org/en/country/nigeria/publication/nigeria-climate-development-report
- Cadre Harmonisé. (2025). Food Security and Nutrition Analysis. https://www.cadre-harmonise.org/nigeria-report-2025
- ECOWAS. (2024). Climate-Smart Agriculture Initiatives. https://www.ecowas.int/climate-smart-agriculture
- Nigeria Medical Association. (2025). Heat Wave Health Campaigns. https://nma.org.ng/heatwave-campaign-2025

