Hohe Nitratwerte in Anhalt-Bitterfeld: Ein anhaltendes Problem für das Grundwasser

Durch | August 10, 2025
Credits: Quang Nguyen Vinh, pexels

Die Grundwasserqualität im Kreis Anhalt-Bitterfeld gibt Anlass zur Sorge. Wie der Umweltverein VSR-Gewässerschutz in einer aktuellen Untersuchung feststellte, weisen zahlreiche Brunnen in der Region alarmierend hohe Nitratwerte auf. Anfang Juli hatten Brunnenbesitzer in Köthen die Gelegenheit, Wasserproben beim mobilen Labor des Vereins abzugeben. Die Analyseergebnisse bestätigen ein seit Jahren bekanntes Problem: Jede dritte Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, was ernsthafte gesundheitliche und ökologische Risiken mit sich bringt.

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Die Untersuchungen des VSR-Gewässerschutzes, die zwischen 2017 und 2022 in Städten wie Köthen, Zerbst, Bitterfeld-Wolfen und Aken durchgeführt wurden, zeigen, dass die Nitratbelastung im Grundwasser vor allem auf intensive landwirtschaftliche Praktiken zurückzuführen ist. Insbesondere der Einsatz von Gülle und Kunstdünger trägt dazu bei, dass Nitrat in den Boden und anschließend in das Grundwasser gelangt. Besonders besorgniserregend ist, dass die Belastung nicht nur das oberflächennahe Grundwasser betrifft, sondern zunehmend auch tiefere Schichten kontaminiert, die langfristig die Trinkwasserversorgung gefährden könnten. Hohe Nitratwerte im Wasser können insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder gesundheitsschädlich sein, da sie die Sauerstoffaufnahme im Blut beeinträchtigen können. Zudem fördert Nitrat in Gewässern Algenwachstum, was die Artenvielfalt in Bächen und Teichen bedroht.

Neben Nitrat wurden in den Proben auch andere Verunreinigungen wie Eisen und mikrobiologische Keime festgestellt, die auf undichte Brunnen oder defekte Abwasserleitungen hinweisen. Der Verein betont, dass regelmäßige Tests des Brunnenwassers für Privathaushalte unerlässlich sind, um gesundheitliche Risiken auszuschließen. Viele Brunnenbesitzer nutzen ihr Wasser nicht nur zur Gartenbewässerung, sondern auch für den Haushalt, was die Dringlichkeit solcher Analysen unterstreicht.

Um die Nitratbelastung nachhaltig zu reduzieren, fordert der VSR-Gewässerschutz einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaft. Ein zentraler Vorschlag ist die verstärkte Nutzung von Zwischenfrüchten, die nach der Ernte von Getreide oder Mais angebaut werden. Diese Pflanzen nehmen überschüssigen Stickstoff aus dem Boden auf und verhindern so, dass Nitrat durch Regenfälle ins Grundwasser gespült wird. Der Verein sieht darin eine effektive Maßnahme, um die vegetationslosen Zeiträume auf landwirtschaftlichen Flächen zu überbrücken und die Bodenqualität zu verbessern. Gleichzeitig plädiert der Verein für eine strengere Regulierung der Düngemengen und eine bessere Überwachung der Gülleausbringung, um Überdüngung zu vermeiden. Solche Maßnahmen erfordern jedoch eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten, die der Verein als unverzichtbaren Partner im Gewässerschutz betrachtet.

Der VSR-Gewässerschutz ruft Bürger dazu auf, weiterhin Wasserproben einzureichen, um die Datenbasis zu erweitern und die Belastungssituation in der Region noch präziser zu erfassen. Interessierte können ihre Proben entweder direkt beim Labormobil abgeben oder per Post an den Verein senden. Die Untersuchungskosten liegen je nach Umfang zwischen 12 und 99 Euro. Die Ergebnisse der Analysen werden nicht nur den Brunnenbesitzern zur Verfügung gestellt, sondern auch in einer regionalen Nitratkarte veröffentlicht, die die Belastungssituation in Sachsen-Anhalt dokumentiert.

Die Ergebnisse aus Anhalt-Bitterfeld sind kein Einzelfall. Vergleichbare Probleme wurden in anderen Regionen Sachsen-Anhalts, wie dem Burgenlandkreis, dem Saalekreis oder dem Kreis Harz, festgestellt. Der Verein betont, dass nur durch gemeinsame Anstrengungen von Landwirtschaft, Politik und Bürgern eine nachhaltige Verbesserung der Grundwasserqualität erreicht werden kann. Bis dahin bleibt die Nitratbelastung eine Herausforderung, die sowohl die Gesundheit der Bevölkerung als auch die Umwelt in Anhalt-Bitterfeld bedroht.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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