Eine neue Studie der Mailman School of Public Health der Columbia University zeigt markante Unterschiede in den Evakuierungsmustern während der Hurrikane Milton und Helene im Jahr 2024. Während Menschen in Küstengebieten, die regelmäßig Hurrikanen ausgesetzt sind, schneller evakuierten, blieben Bewohner im Landesinneren häufiger an Ort und Stelle. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 1. Oktober 2025 in Environmental Research Letters (DOI: 10.1088/1748-9326/ae0e39), verdeutlichen, wie geografische, soziale und infrastrukturelle Faktoren die Reaktion auf Naturkatastrophen beeinflussen.
Hurrikane 2024: Helene und Milton im Fokus
Hurrikan Helene, ein Kategorie-4-Sturm bei Landgang am 26. September 2024 in der Nähe von Perry, Florida, zog landeinwärts und verursachte in Georgia, South Carolina, North Carolina, Tennessee und Virginia historische Überschwemmungen. Mit schätzungsweise 219 Todesopfern und Schäden in Höhe von 78,7 Milliarden US-Dollar war Helene besonders verheerend. Hurrikan Milton, ein Kategorie-3-Sturm bei Landgang am 9. Oktober 2024 nahe Siesta Key, Florida, forderte etwa 32 Menschenleben und verursachte Schäden von 34,3 Milliarden US-Dollar.
Die Forscher analysierten aggregierte Mobilfunkdaten zur Mobilität in den betroffenen Regionen. Trotz teilweiser Störungen des Mobilfunkempfangs konzentrierte sich die Studie auf relative Veränderungen der Mobilität, die von diesen Ausfällen weitgehend unbeeinflusst blieben.
Geografische Unterschiede in der Evakuierung
Die Studie zeigt, dass Küstengebiete, die häufig von Hurrikanen betroffen sind, wie bei Milton, eine deutlich höhere Mobilität aufwiesen. Drei Tage vor dem Landgang von Milton stieg die Bewegung aus der Region um 29 %, während bei Helene, das vor allem Binnenregionen traf, die Mobilität lediglich um 5 % zunahm – trotz Notstandserklärungen und Evakuierungsanordnungen. Küstenbewohner waren eher bereit und in der Lage, ihre Region zu verlassen, während Menschen im Landesinneren oft blieben.
„Soziale Normen, frühere Erfahrungen und die Risikowahrnehmung prägen die Reaktion auf Bedrohungen wie Hurrikane“, erklärt die Hauptautorin Qing Yao, Associate Research Scientist an der Columbia Mailman School. „In Küstengebieten ist die Evakuierung Teil der Kultur, während Menschen im Landesinneren oft glauben, sie seien sicherer.“
Einfluss von Infrastruktur und sozialen Faktoren
Die Forscher führen die Unterschiede auf mehrere Faktoren zurück: Küstengebiete mit höherem sozioökonomischem Status und besserer Verkehrsinfrastruktur haben einen leichteren Zugang zu Transportmitteln, Informationen und Ressourcen, was schnelle Evakuierungen erleichtert. Binnenregionen hingegen, die oft weniger dicht besiedelt sind und über eingeschränkte Ressourcen verfügen, zeigen geringere Mobilität. Diese Unterschiede könnten erklären, warum die meisten Todesfälle bei Hurrikan Helene in Binnenregionen mit geringem historischem Hurrikan-Risiko auftraten, hauptsächlich durch Flussüberschwemmungen, Infrastrukturschäden und indirekte Ursachen wie Stromausfälle oder medizinische Notfälle.
Klimawandel verschärft die Herausforderungen
Die Studie betont, dass der Klimawandel die Reichweite von Hurrikanen erweitert und neue Risiken in zuvor wenig betroffenen Binnenregionen schafft. „Der Klimawandel bringt Hurrikane in Gebiete, die nicht an solche Bedrohungen gewöhnt sind“, sagt Sen Pei, Seniorautor und Assistenzprofessor an der Columbia Mailman School. „Dies erfordert maßgeschneiderte Strategien für die Katastrophenvorsorge und -reaktion, die auf die spezifischen Risiken und Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung abgestimmt sind.“
Implikationen für die Zukunft
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Evakuierungsstrategien an die geografischen und sozialen Gegebenheiten anzupassen. Besonders in Binnenregionen, wo die Risikowahrnehmung geringer ist, sind verstärkte Aufklärungskampagnen und verbesserte Infrastruktur erforderlich. Die Studie fordert eine stärkere Fokussierung auf die Anpassung an den Klimawandel, um die steigenden Risiken durch extreme Wetterereignisse zu bewältigen.
Die Forschung wurde von der National Science Foundation (DMS-2229605), dem National Institute of Environmental Health Sciences (ES007322, ES033742, ES036202, ES009089) und dem National Institute of Aging (AG093975) unterstützt. Weitere Autoren sind Victoria Lynch, Xiao Wu und Robbie Parks (Columbia Mailman School) sowie Molei Liu (Peking University).
Quelle:
Mailman School of Public Health der Columbia University
Environmental Research Letters
DOI: 10.1088/1748-9326/ae0e39
Schlüsselwörter:
Hurrikane, Evakuierung, Klimawandel, Mobilität, Risikowahrnehmung

