Internationale Konferenz zu klimaneutraler Gesellschaft startet am 26. Juni – + Kommentar

Durch | Juni 24, 2025
Credits: KI-generiert, pugnalom

Eine internationale Konferenz vom 26. bis 27. Juni 2025 in Berlin erörtert Hemmnisse, Potenziale und Perspektiven für den Übergang zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Gesellschaft.

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Wie können wir dem ins Stocken geratenen ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft auf lokaler Ebene und darüber hinaus neuen Schwung verleihen? Darüber diskutieren Fachleute und Akteure aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft vom 26. bis 27. Juni 2025 in Berlin beim Raumwissenschaftlichen Kolloquium des Leibniz-Forschungsnetzwerks „Räumliches Wissen für Gesellschaft und Umwelt“. Hauptredner sind Bundesumweltamt-Präsident Dirk Messner, der Wiener Sozioökonom Andreas Novy und Anna Lisa Boni, bis 2021 Generalsekretärin des Netzwerks „Eurocities“, heute Stadträtin in Bologna.

Unter der Thematik „Zu viel des Wandels? Widersprüche und Aufbrüche in der sozial-ökologischen Transformation“ widmet sich die internationale Tagung in Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen unter anderem diesen Fragen:

– Welches sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation und welche Weichen müssen jetzt gestellt werden?

– Wie umgehen mit lokalen Widerständen gegen grüne Projekte?

– Kann die sozial-ökologische Transformation den Herausforderungen strukturschwacher Regionen entgegenwirken?

– Wie handlungs- und gestaltungsfähig ist die öffentliche Verwaltung angesichts der großen Transformationsaufgaben?

– Wie kommen alternative Wohlstandsmodelle in die regionale Praxis?

Zum Abschluss zieht eine Gesprächsrunde Bilanz und diskutiert die Frage, wo wir heute im Transformationsprozess stehen. Podiumsgäste sind Antje Bruns, Generalsekretärin der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL), Oliver Ibert, Direktor des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS), Judith Miggelbrink, Direktorin des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL), sowie der Öko-Unternehmer und Nachhaltigkeitsberater Tobias Till Keye.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

– Zeit: 26. Juni 2025, 13:00–17:30 Uhr, und 27. Juni 2025, 9:00 bis 13:30 Uhr
– Ort: GLS Campus Berlin, Kastanienallee 82/c/o, 10435 Berlin

Veranstalter

Ausrichter des Raumwissenschaftlichen Kolloquiums ist das Leibniz-Forschungsnetzwerk „Räumliches Wissen für Gesellschaft und Umwelt“ („Leibniz R“). Das Netzwerk bündelt die Expertise und Kompetenzen von acht außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Es analysiert soziale, ökologische und ökonomische Prozesse und deren Wechselwirkungen in ihren räumlichen Zusammenhängen und zeigt raumbezogene Handlungsoptionen auf. Regelmäßige Veranstaltungen wie das alle zwei Jahre stattfindende „Raumwissenschaftliche Kolloquium“ fördern den Austausch zu aktuellen Fragen der Raumentwicklung zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis.

Kommentar

Die Welt brennt, das Klima kollabiert, soziale Ungleichheit wächst exponentiell – und die Gesellschaft antwortet mit einem endlosen Reigen kostspieliger Konferenzen und Kongresse. Während sich Delegierte in klimatisierten Konferenzzentren über die Zukunft des Planeten beraten, stellt sich eine unbequeme Frage: Rechtfertigen die minimalen Fortschritte die astronomischen Kosten dieser Veranstaltungen?

Gerade Mega-Veranstaltungen wie die jüngste UN-Klimakonferenz COP29 in Baku verdeutlicht das Ausmaß dieser Kostenspirale exemplarisch. Die Konferenz mit rund 40.000 Teilnehmern verursachte Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe, wobei allein die Sicherheitsmaßnahmen mit rund 140 Millionen Dollar zu Buche schlugen. Registrierungsgebühren zwischen 500 und 1.500 Dollar pro Teilnehmer sind die Regel. Hinzu kommen Kosten und Umweltbelastungen durch Reise und Logistik – und das, obwohl eine persönliche Anwesenheit auf Kongressen längst nicht mehr nötig ist. Bereits die COP26 in Glasgow hatte Ausgaben von mehreren hundert Millionen Euro verursacht, während sich die Unterbringungs- und Pavillonkosten um bis zu 30 Prozent gegenüber vorherigen Konferenzen erhöhten.

Diese Zahlen gewinnen an Brisanz, wenn man sie in Relation zu den bescheidenen Ergebnissen setzt. Nach zwei Wochen zäher Verhandlungen in Baku einigte sich die Staatengemeinschaft auf eine Erhöhung der Klimahilfen von 100 auf 300 Milliarden Dollar jährlich bis 2035 – eine Summe, die Experten als „abgründig klein“ kritisierten und die weit hinter den geforderten 1,3 Billionen Dollar zurückblieb. Entwicklungsländer verließen aus Protest zeitweise die Verhandlungen, während konkrete Schritte zur CO2-Reduktion völlig ausblieben. Trotz des ausufernden Konferierens in den vergangenen Jahrzehnten steigen globale Emissionen weiter an (um fast 60 Prozent seit 1990), und der Verlust der Biodiversität nimmt beängstigende Ausmaße an.

Selbst auf nationaler Ebene zeigen sich die Dimensionen dieser Ausgabenpolitik. So erreichen die Kosten deutscher Politiker und Wissenschaftler für internationale Konferenzen zu Klimaschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit beträchtliche Dimensionen. Besonders aufschlussreich sind die Daten zu den Regierungsflügen der Minister zwischen 2022 und 2023. Außenministerin Annalena Baerbock führte mit 67 Flügen die Liste an, die 5.000 Tonnen CO2 und Kosten von rund 7,6 Millionen Euro verursachten. Wirtschaftsminister Robert Habeck folgte mit 32 Flügen, die fast 1.900 Tonnen CO2 ausstießen und etwa 3,2 Millionen Euro kosteten. Bundeskanzler Olaf Scholz unternahm sogar 114 Flüge, wodurch fast 7.200 Tonnen CO2 ausgestoßen wurden. Thüringens Umweltministerin verursachte allein durch drei Klimakonferenz-Teilnahmen zwischen 2017 und 2022 Kosten von über 14.000 Euro, wobei jede Teilnahme an der COP27 in Ägypten rund 4.200 Euro pro Person kostete. Schätzungsweise liegen die durchschnittlichen Kosten pro Konferenz für eine Delegation von etwa 75 Personen (Politiker, Mitarbeiter, Wissenschaftler) zwischen 300.000 und 400.000 Euro, basierend auf Schätzungen für Reise, Unterkunft und Registrierungsgebühren. Geht man davon aus, dass diese an fünf bis zehn solcher Konferenzen pro Jahr teilnehmen, entstehen über das Jahrzehnt schnell Gesamtkosten zwischen 15 und 30 Millionen Euro (Beispiel COP):

  • Registrierungskosten um 1.000 Euro, gesamt: 67.000 Euro
  • Reisekosten 500 Euro p.P., gesamt: 33.750 Euro
  • Unterkunft 200 Euro p.P., gesamt: 135.000 Euro
  • tägliche Zulagen 100 Euro p.P., gesamt für zehn Tage: 67.500 Euro

Flüge sind hierbei die Hauptquelle für Emissionen, wobei ein Hin- und Rückflug von Deutschland nach Asien oder Amerika pro Person etwa ein bis zwei Tonnen CO2 verursachen kann. Für eine Delegation von 75 Personen könnten die Emissionen pro Konferenz bis zu 150 Tonnen CO2 betragen, abhängig von der Flugstrecke. Dies steht im eklatanten Widerspruch zu den Klimazielen, die auf diesen Konferenzen diskutiert werden.

Die Tragik des exzessiven Konferierens wird vor allem durch den Blick auf alternative Verwendungsmöglichkeiten deutlich. Die EU stellt durch ihr LIFE-Programm jährlich 380 Millionen Euro für 133 konkrete Umwelt- und Klimaprojekte bereit – eine Summe, die deutlich unter den Kosten weniger Großkonferenzen liegt, aber messbare Resultate in Biodiversitätsschutz, Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung erzielt. In Österreich beispielsweise lösten Umweltförderungen von einer Milliarde Euro seit 2020 Investitionen von 5,1 Milliarden Euro aus und sparten 4,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich ein – während gleichzeitig 26.606 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Diese Erfolgsgeschichten verdeutlichen, dass Mittel, die für symbolträchtige Konferenzen verpulvert werden, bei direkter Projektförderung ein Vielfaches an konkretem Nutzen generieren könnten. Statt endloser Debattenrunden in Luxushotels und der Selbstdarstellung von PolitikerInnen hätten die COP-Milliarden zum Beispiel Tausende von Solaranlagen finanziert, Millionen von Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschafft oder ganze Regionen klimaresilient gemacht.

Die Lösung liegt nicht in der Abschaffung internationaler Konferenzen, aber in ihrer radikalen Neuausrichtung und dem Wechsel zu virtuellen oder zumindest hybriden Formaten. Die gesparten Millionen müssen in direkte Projektförderung und öffentliche Forschung fließen.

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