
Das EGER LARGE SEISMIC EXPERIMENT (ELISE) soll die Ursachen der seit Jahrhunderten im Vogtland und Nordwestböhmen auftretenden Erdbebenschwärme klären. Unter der Leitung des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung werden rund 300 temporäre seismische Messstationen auf einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern in der deutsch-tschechischen Grenzregion um das Egerbecken installiert. Beteiligt sind Universitäten aus Potsdam, Leipzig, Freiberg, Jena, München, Erlangen und Münster, der Geologische Dienst Sachsen sowie die Akademie der Wissenschaften in Prag.
Die Region ist bekannt für wiederkehrende Mikrobeben, die über Wochen oder Monate in hoher Intensität auftreten, ohne ein starkes Hauptbeben zu verursachen. Der jüngste „Klingenthal-Schwarm“ von 2024 aktivierte eine Zone, die bereits vor 125 Jahren wissenschaftlich bedeutsam war und den Begriff „Erdbebenschwarm“ prägte. Zudem treten in der Region Kohlendioxid (CO?) aus dem oberen Erdmantel und Thermalquellen auf, was auf magmatische Prozesse in der Erdkruste hinweist. Dr. Pinar Büyükakpinar, wissenschaftliche Koordinatorin am GFZ, betont, dass das Experiment kleinste Beben detektieren und erstmals flächendeckend nach niederfrequenten Tieferdbeben suchen soll, um mögliche magmatische Schmelzen in bis zu zehn Kilometern Tiefe zu untersuchen.
Das „Large-N“-Experiment, benannt nach der großen Anzahl (N) von Sensoren, nutzt hochempfindliche Geräte aus dem Geophysikalischen Gerätepool (GIPP) des GFZ. Über 12 bis 18 Monate sollen Bodenerschütterungen durch Beben, CO?-Aufstieg, Wetter und Verkehr erfasst werden, um die komplexe Struktur der Erdkruste tomographisch abzubilden. Prof. Dr. Torsten Dahm, Projektleiter, erklärt, dass die Verzahnung dreier Kontinentalplatten und Granitkomplexe in der geologischen Vergangenheit die Region prägt.

Die Wissenschaft erhofft sich von ELISE ein genaueres Verständnis der magmatischen Prozesse, die Erdbebenschwärme und CO?-Austritte verursachen, und damit neue Erkenntnisse über geologische Prozesse fernab von Plattengrenzen.

