Klimawandel und Wasserkraft bedrohen Steelhead-Migration im Columbia River Basin

Durch | Oktober 4, 2025

Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Global Change Biology am 4. Oktober 2025, zeigt, wie steigende Fluss-Temperaturen und Wasserkraftwerke die Migration von Steelhead (Oncorhynchus mykiss), einer anadromen Fischart, im Columbia River Basin gefährden. Die Autoren Markus A. Min, Rebecca A. Buchanan und Mark D. Scheuerell nutzten 20 Jahre Daten von PIT-Tags (Passive Integrated Transponder), um die Bewegungsentscheidungen erwachsener Steelhead während ihrer Laichwanderung zu analysieren. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Klimawandel die Sterblichkeit durch fehlerhafte Wanderungen erhöht, während gezielte Maßnahmen im Wasserkraftmanagement die Überlebenschancen verbessern könnten.

Studie: Temperatur treibt riskante Bewegungen

Die Forscher entwickelten ein bayesianisches statistisches Modell, das die Effekte von Fluss-Temperaturen und Damm-Management (insbesondere Wasserablass, sogenanntes „Spill“) auf das Verhalten von Steelhead untersucht. Die Studie fokussiert zwei riskante Verhaltensweisen: Natal Tributary Overshoot (Fische passieren einen Damm stromaufwärts ihres Heimatzuflusses) und Non-Natal Tributary Use (Fische wandern in fremde Zuflüsse). Beide erhöhen das Sterberisiko, da sie die Rückkehr zu den Laichplätzen erschweren.

Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation: Höhere Temperaturen fördern Overshoot und die Nutzung fremder Zuflüsse, während sie die Rückkehr zum Heimatzufluss („Natal Homing“) verringern. Dies liegt daran, dass wärmeres Wasser die Orientierung der Fische stören kann, was sie zu Fehlentscheidungen treibt, etwa dem Überqueren von Dämmen, die Hindernisse wie Fischtreppen oder Turbinen darstellen. Die Studie bestätigt zudem, dass höhere Overshoot-Raten mit geringeren Homing-Raten einhergehen, was die Populationen gefährdet.

Wasserkraftmanagement: Chance auf Schadensbegrenzung

Trotz der Herausforderungen durch den Klimawandel fand die Studie Hinweise darauf, dass gezielte Maßnahmen im Wasserkraftmanagement helfen können. Insbesondere der sogenannte Winter-Spill – kontrollierter Wasserablass an Dämmen – zeigte populationsspezifische Vorteile für die Rückkehr von Steelhead zu ihren Laichplätzen. Winter-Spill wird derzeit eingesetzt, um Fische, die stromaufwärts „überschießen“, bei ihrer Rückwanderung zu unterstützen. Die Forscher schlagen vor, dass alternative Passagerouten während kritischer Migrationszeiten die Überlebenschancen weiter steigern könnten.

Die Studie nutzte Szenarienanalysen, um zukünftige Entwicklungen unter verschiedenen Klima- und Wasserkraftbedingungen zu prognostizieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Sterblichkeit vor der Laichzeit mit fortschreitendem Klimawandel steigen wird, da wärmere Temperaturen die Interaktionen mit dem Wasserkraftsystem verstärken. Dennoch könnten Damm-Manager durch optimierte Ablassstrategien und verbesserte Fischpassagen einen Teil der Schäden abmildern.

Kontext: Steelhead und der Columbia River Basin

Steelhead, eine wandernde Lachsart, sind im Columbia River Basin besonders anfällig, da ihre komplexe Lebensgeschichte – Aufzucht im Süßwasser, Migration ins Meer und Rückkehr zum Laichen – sie empfindlich für Umweltveränderungen macht. Der Columbia River, einer der größten Flüsse Nordamerikas, ist stark von Wasserkraftwerken geprägt, die etwa 60 Prozent der regionalen Stromversorgung liefern, aber auch ökologische Herausforderungen schaffen. Dämme blockieren Migrationswege, verändern Flussdynamiken und erhöhen Wassertemperaturen, was durch den Klimawandel verschärft wird.

Die PIT-Tag-Daten, die für die Studie genutzt wurden, stammen aus einem langjährigen Überwachungsprogramm für Pazifische Lachse, das wertvolle Einblicke in populationsdynamische Veränderungen bietet. Trotz Datenlücken im PIT-Tag-Netzwerk – etwa unvollständiger Abdeckung an manchen Dämmen – liefert die Studie robuste Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von Klima, Wasserkraft und Fischverhalten.

Reaktionen: Wissenschaft und Öffentlichkeit

Die Veröffentlichung hat in Fachkreisen und auf sozialen Medien Resonanz gefunden. Auf X betonen Nutzer wie @FishSciNow die Dringlichkeit, Wasserkraftmanagement anzupassen, um bedrohte Arten wie Steelhead zu schützen.  Umweltorganisationen wie die Sierra Club Pacific Northwest loben die Studie für ihre „bahnbrechenden Einblicke in die Bewegungökologie“ und fordern mehr Investitionen in Fischfreundliche Technologien.

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze, die Klimaforschung, Wasserkraftmanagement und Bewegungökologie vereinen. Experten wie Dr. Sarah Converse von der University of Washington betonen: „Diese Arbeit zeigt, wie präzise Modelle politische Entscheidungen informieren können, um Artenvielfalt zu bewahren.“

Ausblick: Dringender Handlungsbedarf

Die Ergebnisse legen nahe, dass der Klimawandel die Bedrohung für Steelhead-Populationen verschärfen wird, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Autoren fordern eine stärkere Integration von Klimaszenarien in das Wasserkraftmanagement und Investitionen in alternative Passagerouten, wie Fischtreppen oder Umgehungsströme. Gleichzeitig betonen sie die Notwendigkeit, die Wassertemperaturen durch breitere Klimaschutzmaßnahmen zu senken, da selbst optimiertes Damm-Management die Folgen steigender Temperaturen nur begrenzt abfedern kann.

Regionale Behörden wie die Bonneville Power Administration, die viele Dämme im Columbia River Basin betreibt, stehen unter Druck, ihre Praktiken anzupassen. Pilotprojekte für verbesserte Spill-Strategien könnten als Blaupause für andere Flussbecken weltweit dienen, wo anadrome Arten ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt sind.

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände