Kraftfahrt-Bundesamt erteilt immer mehr Einzelgenehmigungen für Monster-Pick-ups – Deutsche Umwelthilfe klagt auf Akteneinsicht

Durch | Februar 20, 2025
Credits: Dirk Kortus, pixabay

Laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) immer mehr Einzelgenehmigungen für die Zulassung von überdimensionierten Pick-ups aus den USA. Dabei würden sowohl europäische Sicherheits- als auch Umweltstandards missachtet, kritisiert die DHU. Aufforderungen der DHU, Einsicht in die Unterlagen auf der Grundlage des Umweltinformationsgesetzes (UIG) zu erhalten, habe das KBA bislang ignoriert. Aufgrund dessen hat die DUH inzwischen eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht.

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Von den in den 27 EU-Staaten insgesamt 4.025 Einzelzulassungen 2023 entfallen mehr als 80 Prozent (3.291 Einzelzulassungen) auf Deutschland, und von diesen allein 2.944 auf den Pickup Dodge Ram. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Dachverband der DUH, Transport and Environment (T&E), die EU-Kommission darauf hingewiesen, dass mit Einzelzulassungen europäische Standards umgangen werden.

„Zum Schutz von Umwelt und Klima und der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden haben wir in Europa verbindliche Standards, die alle typgenehmigten Fahrzeuge einhalten müssen. Ausgerechnet überdimensionierte Monster-Pick-ups werden aber vom Kraftfahrt-Bundesamt an diesen Standards vorbeigeschleust und zugelassen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, „immense Klimaschäden und eine erhöhte Gefahr für schwere Verkehrsunfälle werden dabei in Kauf genommen.“

Die DUH fordert das Bundesverkehrsministerium auf, diese Rolle als Einfallstor zu schließen. Die kommende Bundesregierung müsse sich dazu auf EU-Ebene gegen die Sonderbehandlung für Monster-Pick-ups einsetzen, und das zukünftige Finanzministerium müsse mit Blick auf die besonders hohen CO2-Emissionen eine angepasste Kfz-Steuer sowie einen erhöhten Hebesatz im ersten Jahr der Neuzulassung erheben. Kurzfristig sollten außerdem Einschränkungen beim Parken und deutlich höhere Parkgebühren für überdimensionierte Fahrzeuge eingeführt werden. Diese Maßnahmen könnten dem Trend Einhalt gebieten, meint die DUH.

Einzelgenehmigungen sind eigentlich nur für Sonderfahrzeuge gedacht, mittlerweile werden sie jedoch zunehmend für Serienfahrzeuge missbraucht. Dabei werden etwa die extrem hohen CO2-Emissionen eines einzelzugelassenen Ram Pick-ups nicht auf die Flottenwerte der Herstellergruppe Stellantis angerechnet, obwohl die Marke zu Stellantis gehört. Der Monster-Pick-up emittiert zwischen 300 und 910 Gramm CO2 pro Kilometer und damit drei- bis neunmal mehr als der Durchschnitt aller neu verkauften Pkw. Ebenso werden mehrere EU-Sicherheitsvorgaben umgangen, die seit Juli 2024 gelten. Dabei geht es um verbesserten Aufprall-Schutz für empfindliche Verkehrsteilnehmer, automatisierte Notbremsen und Spurhalteassistenten, Geschwindigkeits-Assistenten oder auch Systeme zur Datensicherung bei Unfällen. Diese Vorgaben wurden eingeführt, um die Sicherheit aller VerkehrsteilnehmerInnen zu erhöhen. Dass sie im Rahmen der Einzelgenehmigungen ausgerechnet für besonders gefährliche Modelle ausgesetzt werden, widerspreche diesen Anliegen. Auch Abgastests im Straßenbetrieb sind im Rahmen der Einzelgenehmigung nicht erforderlich.

Insgesamt ist die Zahl der in Deutschland zugelassenen Pick-ups in nur vier Jahren von knapp 65.000 im Jahr 2020 auf mehr als 106.000 zu Jahresbeginn 2024 angewachsen – ein Anstieg um mehr als 60 Prozent.

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