
Der COP30-Gipfel in Belém, Brasilien, wurde am 22. November 2025 – nach einer Verlängerung um fast 24 Stunden und unter chaotischen Bedingungen – mit einem Kompromiss abgeschlossen, der als „Belém Package“ gefeiert wird. UN-Klimachef Simon Stiell sprach von einem „Zeichen der globalen Solidarität“, während Aktivisten und Experten wie Claudia Kemfert es als „enttäuschend“ und „blockiert durch fossile Koalitionen“ brandmarken. Brasilien als Gastgeber unter Präsident Lula da Silva versprach eine „Implementation COP“ mit Fokus auf Natur, Finanzen und Übergang – doch das Endergebnis ist eine Mischung aus vagen Versprechen, symbolischen Gesten und offenen Blockaden. Der Gipfel, der 70.000 Teilnehmer anlockte, hat nichts an der globalen Emissionstrajektorie geändert, die weiter auf 2,5–2,9 °C Erwärmung zusteuert. Stattdessen hat er die Kernprobleme der COPs offengelegt: Eine teure Inszenierung, die Klimaschutz als PR-Event missbraucht, während reale Fortschritte durch Vetomächte und Heuchelei verhindert werden.

Die „Erfolge“: Worthülsen und PR-Siege
Brasilien vermarktet den Abschluss als Meilenstein, doch die Inhalte sind dünn:
- Finanzierung: Die „Baku-to-Belém-Roadmap“ zielt auf 1,3 Billionen US-Dollar jährlich bis 2035 ab – dreimal so viel wie die 2024 vereinbarten 300 Milliarden. Adaptation-Finanzierung soll bis 2025 verdoppelt und bis 2035 verdreifacht werden. Indien lobte dies als „Schlüsseloutcome“, der alte Versprechen aus Rio 1992 einlöst. Tatsächlich fehlen konkrete Quellen und Sanktionen; es bleibt bei kreativer Buchführung, wie bei den 100 Milliarden aus Kopenhagen 2009, die erst 2023 „erreicht“ wurden.
- Natur und Wälder: Der „Tropical Forest Forever Facility“ (TFFF) wurde gestartet – ein Fonds mit Belohnungen für Erhaltung und Strafen für Abholzung. Brasilien kündigte 140 Milliarden für Renewables und 590 Millionen für Methanreduktion an. Indigene Rechte wurden in Nebenabkommen gestärkt, inklusive eines „Global Implementation Accelerators“ für NDCs. Deutschland steuert eine Milliarde Euro bei.
- Energieübergang: Außerhalb des UN-Prozesses unterstützten rund 80 Länder (ohne Petrostates) eine „Roadmap zum Übergang von Fossilen Brennstoffen“ und eine Verdopplung nachhaltiger Brennstoffe bis 2035. Al Gore sah darin einen Verlust an Einfluss für Ölländer.
Diese Punkte klingen ambitioniert, sind es aber nicht: Keine verbindlichen Emissionziele, keine NDC-Überarbeitungen, die 1,5 °C retten könnten. Der UN-Synthesis-Report zu 64 neuen NDCs warnt vor einem Ambitionsdefizit.
Die Misserfolge: Blockaden und Chaos
Der Gipfel scheiterte an den Essentials – und das trotz hoher Erwartungen:
- Fossile Brennstoffe: Kein verbindlicher Fahrplan zum Ausstieg, trotz Forderungen von 80 Ländern und Brasiliens eigenem Entwurf. Der Text verweist nur auf den „UAE Consensus“ von COP28 („Transitioning away“). Die EU blockierte schwache Formulierungen und drohte mit Veto; Petrostates wie Saudi-Arabien und Russland siegten. Brasilien startete eine „Initiative für ambitioniertere Staaten“ als freiwillige Alternative – ein Armutszeugnis. China und Russland blockierten zudem Regeln zu kritischen Mineralien.
- Finanzierungslücke: Das „New Collective Quantified Goal“ (NCQG) blieb vage; keine harten Summen, keine Verpflichtungen. Entwicklungsländer wie Indien warnten vor ungleicher Last. Die USA sandten keine offizielle Delegation, was die Spaltungen vertiefte.
- NDCs und Ambition: Nur 118 Länder reichten Updates ein; die EU kündigte 66–72 % Reduktion bis 2035 an, global reicht es nicht. Der „Accelerator“ ist ein PR-Programm ohne Biss.
- Logistisches Fiasko: Ein Feuer am 21. November evakuierte Teile der Venue und unterbrach Verhandlungen. Dazu tropfende Zelte durch Regengüsse, überteuerte Verpflegung (Wasser für 25 Real) und ein Mangel an Unterkünften, der zu Luxus-Kreuzfahrtschiffen führte. Kolumbien, Uruguay und Panama protestierten gegen ignorierte Bedenken; Präsident André Corrêa do Lago hämmerte den Deal durch.
Warum COP30 die Nutzlosigkeit der Gipfel perfektioniert: Eine Show voller Heuchelei
Der Gipfel mutierte zur ultimativen Klimashow, weil:
- Greenwashing pur: Belém als „grüne Hauptstadt“ inszeniert – mit einer vierspurigen Autobahn durch den Amazonas (Avenida Liberdade), die Tausende Bäume fällte und Tierpopulationen trennte. Abholzung stieg 2025 um 50 %; Lula posiert mit Indigenen, während sein Parlament Ölförderung erlaubt. Der TFFF? Ein Marktinstrument, das Kolonialismus kaschiert. Via Campesina nannte es „30 Jahre falsche Lösungen“; 70.000 demonstrierten im People’s Summit.
- CO?-Bombe der Veranstaltung: 70.000–100.000 Teilnehmer emittierten Hunderttausende Tonnen CO? durch Privatjets und Diesel-Schiffe (zwei Kreuzfahrter verbrauchten täglich 500.000 Liter). Im Tropenklima klimatisierte Hallen und temporäre Infrastruktur – pure Zynik.
- Strukturelle Lähmung: Der Konsens-Mechanismus begünstigt den kleinsten Nenner; Petrostates diktieren. Disinformation stieg um 267 %; X-Posts spotten: „Totaler Failure, Millionen verschwendet“. Die USA fehlten, Trump nannte es „zerstörten Wald für Ambientalisten“.
- Politische Farce: Lula symbolisch Kapital nach Belém verlegt, doch Merz‘ Kritik an der „offenen Kloake“ löste Empörung aus. Die EU kapituliert trotz Drohungen; Indien mahnt Equity, ohne eigene Ambitionen.
Fazit: Die Physik ignoriert die Rhetorik
COP30 war kein Amazonas-Wunder, sondern der 30. Beweis für den Bankrott der UNFCCC: „Baby steps“, wie Mohamed Adow sagte, aber bei der Krise ein Versagen. Der Deal täuscht Umsetzung vor, während Emissionen steigen und Kipppunkte nahen. Worthülsen wie „Just Transition“ und „Equity“ beruhigen, ohne zu binden. Solange Konsens Vetos ermöglicht, bleiben diese Gipfel teure Illusionen – Greenwashing-Messen, die Handeln vortäuschen, während die Welt brennt. Echte Veränderung kommt aus Gerichten, Protesten und lokalen Kämpfen, nicht aus Belém.
Linkliste
- UN News: Belém COP30 delivers climate finance boost – https://news.un.org/en/story/2025/11/1166433
- Reuters: COP30 seals uneasy climate deal that sidesteps fossil fuels – https://www.reuters.com/sustainability/cop/cop30-talks-grind-into-overtime-eu-objects-proposed-deal-2025-11-22/
- DW: COP30: Wo bleibt der Ausweg aus der Klimakrise? – https://www.dw.com/de/cop30-klimakonferenz-zeigt-keinen-ausweg-aus-klimakrise-auf/a-74850145
- Kurier: Klimakonferenz 2025 in Brasilien endet: Kein Fortschritt, kein Rückschritt – https://kurier.at/politik/ausland/klimakonferenz-2025-brasilien-belem-ergebnisse-kritik/403105521
- ZDF: COP 30: Kein Ausstiegsfahrplan für Fossile im Abschlusstext – https://www.zdfheute.de/politik/ausland/cop-30-klimakonferenz-abschlusserklaerung-100.html
- Spiegel: Schwacher Abschlusstext sorgt für Unmut – https://www.spiegel.de/wissenschaft/klimakonferenz-in-brasilien-schwacher-abschlusstext-sorgt-fuer-unmut-a-e59406b4-a262-410f-9c34-4691c7051048
- Tagesschau: Streit über Abschlusstext der Weltklimakonferenz – https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/weltklimakonferenz-cop30-verhandlungen-100.html
- Guardian: Fury, confusion and gratitude as climate deal reached in Belém – https://www.theguardian.com/environment/live/2025/nov/22/cop30-climate-talks-deal-overtime-live-news
- Climate Action Network: State of Play from Belém – https://climatenetwork.org/2025/11/16/cop30-midway-media-brief/
- X-Post von Claudia Kemfert: COP30 endet enttäuschend – https://x.com/CKemfert/status/1992289466656952411

