
Die großtechnische Produktion von grünem Wasserstoff birgt das Risiko lokaler Wasserknappheit in Europa, wenn Produktionsstandorte nicht sorgfältig geplant werden. Das zeigt eine neue Studie der Technischen Universität Chalmers in Schweden, die erstmals die Auswirkungen verschiedener Wasserstoff-Szenarien bis 2050 auf regionale Wasserressourcen, Strompreise und Landnutzung untersucht hat. Die Ergebnisse erschienen in Nature Sustainability.
Grüner Wasserstoff gilt als Schlüssel für die Dekarbonisierung von Schwerlastverkehr und Industrie. Er entsteht durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien und spaltet Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Die Studie analysierte über 700 lokale Wassereinzugsgebiete in Europa und verknüpfte sie mit Szenarien für den künftigen Wasserstoffbedarf.
In Regionen mit günstigen Bedingungen für Solar- und Windenergie – oft bereits stark beanspruchte Wasserressourcen – könnte die lokale Produktion die Wasserversorgung erheblich belasten. In Schweden gelten Sörmland und Roslagen als Risikogebiete: Eine Umstellung von Stahlwerken und Raffinerien auf Wasserstoff mit lokalen Wasserquellen könnte die ohnehin angespannte Situation bis 2050 verschärfen. In Bohuslän und Teilen Norrlands könnte der Wasserverbrauch um mehr als 50 Prozent steigen.
Ähnliche Muster zeigen sich in Süd- und Mitteleuropa, wo große Industriecluster in Spanien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden mit der Landwirtschaft um Wasser konkurrieren könnten. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich.
Die Studie zeigt jedoch auch Lösungswege: Meerwasserentsalzung, Wiederverwendung von Abwasser oder Synergien wie die Nutzung des bei der Elektrolyse entstehenden Sauerstoffs in Kläranlagen. Die Autoren plädieren für eine integrierte Planung auf nationaler und lokaler Ebene, um Konflikte zu vermeiden und die Energiewende nachhaltig zu gestalten.
Auf die europäischen Strompreise wirkt sich der massive Ausbau erneuerbarer Energien für die Wasserstoffproduktion nur moderat aus. In Regionen mit gutem Zugang zu Wind- und Solarenergie – vor allem Nordeuropa – bleiben die Preissteigerungen gering. In südlicheren Ländern mit stärkerer Abhängigkeit von Gas oder Kernkraft sind etwas deutlichere Anstiege möglich.
Der Flächenbedarf für zusätzliche Wind- und Solaranlagen bleibt überschaubar: Er entspricht nur wenigen Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche und liegt weit unter dem, was für eine vergleichbare Energiemenge durch Biokraftstoffe nötig wäre.
Die Forschenden betonen, dass Wasser in der Energiewende oft als selbstverständlich gilt. Eine ganzheitliche Betrachtung von lokalen und europäischen Auswirkungen sei jedoch unverzichtbar, um Risiken frühzeitig zu steuern und Planungssicherheit für Investitionen in grüne Technologien zu schaffen.
Nature Sustainability (2026)
DOI: 10.1038/s41893-026-01771-5


