Die Montanuniversität Leoben hat Dr. Steffen Stelzer zum Universitätsprofessor für Verarbeitung von Verbundwerkstoffen und Design for Recycling berufen. Der international erfahrene Werkstoffexperte kehrt damit an seine Alma Mater zurück, an der er studiert und promoviert hat. Stelzer bringt umfangreiches Industrie-Know-how aus Mikroelektronik, Luftfahrt und Mobilität mit und setzt klare Schwerpunkte auf Prozessmethodik, Elektronik-Anwendungen sowie Kreislaufwirtschaft.
Nach Abschluss seines Studiums und seiner Promotion im Bereich Kunststofftechnik an der Montanuniversität baute Stelzer das Bauteilprüffeld und das Reliability Lab mit auf und war in europäischen Normungsgremien (ESIS) aktiv. In der Industrie verantwortete er Entwicklungen bei einem steirischen Hightech-Unternehmen, leitete als Geschäftsführer globale Projekte in den Bereichen 5G, Satellitenkommunikation und Leichtbau für die Luftfahrt und war zuletzt maßgeblich am Aufbau eines hochautomatisierten Werks für Leiterplatten und Substrate beteiligt – einem Leuchtturmprojekt der europäischen Mikroelektronik.
In Forschung und Lehre will Stelzer Prozesse in der Verbundwerkstoffverarbeitung methodisch vertiefen – von Material- und Harzverhalten über Sensorik bis hin zu datenunterstützter, robuster Fertigung. Das Know-how soll sowohl in klassischen Endlosfaser-Anwendungen als auch in neuen Feldern wie Elektronik, Rechenzentren und Mobilität eingesetzt werden. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf „Design for Recycling“: Verbundsysteme so zu konzipieren, dass sie am Lebenszyklusende effizient recycelt werden können. „Die Frage ‚Was passiert danach?‘ muss bereits im Design beantwortet werden“, unterstreicht Stelzer. Dies sei technologisch anspruchsvoll und entscheidend für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Europas.
In der Lehre setzt Stelzer auf forschungsnahe, interdisziplinäre und praxisorientierte Formate. Geplante Schwerpunkte umfassen Prozessmethodik und -simulation, Sensorik und Datenintegration, Anwendungen in Elektronik und Multi-Material-Verbundwerkstoffen sowie Nachhaltigkeitsthemen wie Life Cycle Assessment und bio-basierte Werkstoffe. Projektbasierte Lehrformen und Industriekooperationen sollen Studierende früh an reale Problemstellungen heranführen.
Dank seines internationalen Netzwerks – von europäischen Forschungspartnern bis zu Technologieunternehmen in Silicon Valley und Asien – plant Stelzer, Kooperationen auszubauen und neue Projekte nach Leoben zu holen. Als gebürtiger Leobener betont er die Bedeutung regionaler Verwurzelung und bringt diese auch privat ein: Als Tourenführer im Alpenverein verbindet er seine Leidenschaft für Materialien mit Bergsport – vom selbstgebauten Ski bis zum High-Performance-Bike.
„Berge versetzen – das ist mehr als ein Motto“, fasst Stelzer zusammen. „Es ist ein Auftrag, Technologien so zu entwickeln, dass sie ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich wirksam sind.“

