
Am Vorabend des Internationalen Tags der Klimaschutzaktion veröffentlichte der Medienservice Klima & Gesundheit ein umfassendes Dossier mit dem Titel Chemikalien, Klima & Gesundheit. Das 18. September 2025 erschienene Dokument beleuchtet die alarmierenden Wechselwirkungen zwischen chemischer Verschmutzung, Klimawandel und Artensterben sowie deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Basierend auf Beiträgen renommierter Experten wie Dr. Michael Neumann vom Umweltbundesamt (UBA) und Prof. Dr. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) fordert das Dossier dringende Maßnahmen für eine nachhaltigere Chemiepolitik.
Die Dreifachkrise: Eine unkontrollierte Chemikalienflut
Das Dossier beschreibt die chemische Belastung als „außer Kontrolle“. Weltweit werden jährlich Hunderttausende chemischer Stoffe produziert, von denen die meisten nie auf Sicherheit getestet wurden. In der EU gelten Vorschriften wie REACH, die eine bessere Überprüfung fordern, doch Lücken bleiben: Viele Substanzen, insbesondere Mischungen, sind unzureichend erforscht. Besonders besorgniserregend sind „ewige Chemikalien“ wie PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die in über 1.500 Fundorten in Deutschland vorkommen und sich in der Umwelt anreichern. Das Dossier warnt: Die planetaren Grenzen für Chemikalien sind bereits überschritten, was zu irreversiblen Schäden an Ökosystemen führt.
Experten wie Dr. Marike Kolossa-Gehring vom UBA betonen, dass Chemikalien-Cocktails – also Mischungen aus Alltagsstoffen – toxischer wirken als einzelne Substanzen. Selbst unter Grenzwerten können sie schädigen, etwa durch ungeahnte Wechselwirkungen in Produkten wie Kosmetika oder Verpackungen.
Klimawandel und Chemikalien: Ein Teufelskreis
Ein zentraler Aspekt des Dossiers ist die gegenseitige Verstärkung von Chemikalienbelastung und Klimawandel. Die Chemieindustrie ist ein signifikanter Treiber des CO?-Ausstoßes; Kunststoffe allein verursachen enorme Emissionen. Mikroplastik aus Plastikmüll beeinflusst sogar das Klima, indem es Wolkenbildung stört und die CO?-Speicherung in Ozeanen behindert. Umgekehrt fördert der Klimawandel die Freisetzung schädlicher Stoffe: Extremwetter wie Überschwemmungen mobilisieren Altlasten, und höhere Temperaturen machen Chemikalien volatiler und giftiger.
Ein Highlight ist die „Pillen-Paradoxie“: Medikamente, die durch den alternden Bevölkerungszuwachs zunehmen, gelangen über Abwässer in die Umwelt und tragen zum Klimawandel bei – etwa durch Energieintensive Produktion. Gleichzeitig schwächt der Klimawandel das Immunsystem, was die Wirkung von Schadstoffen verstärkt. Das Dossier zitiert Studien, die zeigen, dass bis zu 42 unbekannte Chemikalien in Schwangeren und Neugeborenen nachweisbar sind.
Gesundheitsrisiken: Von Krebs bis Hirnschäden
Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind vielfältig und oft zeitverzögert. Nur wenige Chemikalien lassen sich im Körper nachweisen, doch Cocktails erhöhen das Krebs-, Hormon- und Nervensystem-Risiko. Beispiele:
- Umwelthormone fördern Adipositas und frühe Pubertät bei Kindern.
- PFAS beeinträchtigen die Immunantwort auf Viren und sind in Lungen und Plazenta nachweisbar.
- Mikroplastik: Erwachsene atmen täglich bis zu 70.000 Partikel ein, was Atemwegserkrankungen begünstigt.
Besonders vulnerabel sind Kinder, Schwangere und Frauen: Sozioökonomische Unterschiede verstärken die Belastung, da ärmere Haushalte öfter mit belasteten Produkten in Berührung kommen. Ältere Menschen sind durch höheren Medikamentenkonsum gefährdet. Das Dossier verweist auf Daten des UBA, die eine höhere Belastung bei Frauen und Kindern belegen.
Deutschlands Rolle als „Chemienation“
Deutschland als weltgrößter Chemielieferant steht im Fokus: Die Branche generiert Milliarden, kostet aber auch – durch Gesundheits- und Umweltschäden – Unsummen. Das Dossier diskutiert den Übergang zur nachhaltigen Chemie, inklusive Kostenanalysen und regionaler Erfolgsbeispiele aus allen Bundesländern, etwa in Baden-Württemberg mit innovativen Recyclingprogrammen oder in Nordrhein-Westfalen bei PFAS-Sanierungen.
Lösungsansätze und Erfolge
Das Dossier schlägt konkrete Wege vor: Förderung nachhaltiger Innovationen, strengere Regulierungen (z. B. EU-weite PFAS-Verbote) und Risikomanagement für Arzneimittel. Verhaltensforschung soll helfen, Konsum zu ändern. Erfolgsbeispiele umfassen Apps wie ToxFox des BUND zur Produktsicherheit und fortschrittliche Abwasserreinigung, die Kosten um 17 Prozent steigern könnte, aber Umweltschäden mindert.
Fazit: Handeln statt Zögern
„Chemikalien, Klima und Gesundheit sind untrennbar verknüpft – die Dreifachkrise erfordert sofortiges Handeln“, fasst das Dossier zusammen. Es appelliert an Politik, Industrie und Verbraucher, die Wissenslücken zu schließen und auf Prävention zu setzen. Das Dokument ist als Download verfügbar und enthält Links zu Quellen wie UFZ-Studien und WBGU-Berichten.
Quelle: Medienservice Klima & Gesundheit (2025). Chemikalien, Klima & Gesundheit. Verfügbar unter: https://medienservice-klima-gesundheit.de/dossiers/chemikalien-klima-gesundheit/


